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Marianne und Wolfgang Wurmsam mit ihrer Minka aus dem Münchner Tierheim.

Happy End mit Katze

Machen es Tierheime Interessenten zu schwer, ein Tier zu erhalten?

Ein Leben ohne Katzen – das können sich die Münchner Musikalienhändler Marianne und Wolfgang Wurmsam nicht vorstellen: „Den Katzen hat das Haus immer gehört, wir wohnen nur hier.“

Als Ende des Sommers ihre betagte Katzendame im Alter von 18 Jahren starb, war für die beiden schnell klar: Wir nehmen ein neues Tier auf. In Tierheimen warten schließlich genug Katzen auf ein liebevolles Zuhause. Doch die Suche gestaltete sich deutlich schwieriger, als das Ehepaar gedacht hatte: Entweder waren die Mitarbeiter in den Auffangstationen und Heimen nicht erreichbar oder sie riefen nicht zurück. Manche Tiere waren über Wochen angeblich reserviert oder die Wurmsams kamen nicht infrage, weil sie in der Stadt wohnen. „Wir verstehen, dass nicht jeder eine Katze oder einen Hund bekommen soll und dass ein wirklich guter Platz für jedes Tier gesucht wird“, so Marianne Wurmsam (60) im Gespräch. 

Kein Verständnis hat sie jedoch für das generelle Misstrauen, das ihr zeitweise entgegengebracht wurde. „Es sind ja sowieso die Katzen, die entscheiden. Sie suchen sich die Menschen aus, nicht umgekehrt“, das ist die Erfahrung der Wurmsams. Bei ihrer Odyssee durch Tierheime haben die Wurmsams mit einigen Katzen Freundschaft geschlossen, auch mit einem behinderten Tier. Doch die Mitarbeiter des Tierheims außerhalb von München sagten überraschend ab. Der Grund: Angeblich wohnen die Wurmsams zu dicht an einer Straße. Das Ehepaar: Wir haben einen großen Garten, der an andere Gärten grenzt. Viele Nachbarn haben Katzen, die ins Freie dürfen. Auch unsere Tiere durften immer durch die Katzenklappe ins Freie schlüpfen. Wir verstehen, dass es ein Risiko durch die Autos in München gibt. Aber es kann doch nicht sein, dass nur Menschen, die auf dem Land wohnen, eine Freigängerkatze aus dem Tierheim bekommen. Selbst dort gibt es Straßen, oder Jäger, die Hauskatzen schießen dürfen, wenn sie sich weit vom Haus entfernen.“ Vor Kurzem sind nun Minka und Tiger in den Haushalt eingezogen.

Ein Pärchen, das ursprünglich wohl aus Österreich stammt und nach der Trennung und dem Umzug der Besitzer ins Tierheim kam. Der Kater ist schüchtern, die muntere Minka hilft ihm, sich besser zurechtzufinden. Die Tiere kommen aus dem Katzenhaus in München Riem. Beim dritten Besuch im Tierheim Riem haben sich die Wurmsams bei einer dortigen Mitarbeiterin erstmals richtig ernst genommen gefühlt: „Die Dame hat wirklich über alle Katzen sehr gut Bescheid gewusst.“ Minka ist sieben, ihr Gefährte Tiger ist neun Jahre alt. Beide Tiere haben Zahnprobleme, sodass eine Zahnsanierung nötig ist und wahrscheinlich durch Verbrennungen hat Minka verletzte Vorderpfoten. Aber die Wurmsams hatten von Anfang an gesagt, sie würden auch ältere und nicht ganz fitte Tiere aufnehmen: „Wir haben ja Erfahrung damit.“ Vor dem unangemeldeten Besuch der Mitarbeiter von Tierheim zur Nachkontrolle ist dem Ehepaar nicht bange: „Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell sich die neuen Mitbewohner bei uns eingewöhnt haben. Minka ist sehr frech und immer sehr neugierig. Tiger ist eher scheu und wird eher am Abend munter.“ Dann ist es endlich wieder so, wie es für die Wurmsams sein muss: Den Katzen gehört das Haus, die Menschen dürfen dort nur wohnen.

SUS

Gesucht: beste Plätze - Interview mit Judith Brettmeister

Warum sind Tierheime so streng bei der Vermittlung? Unsere Redaktion fragte Judith Brettmeister vom Münchner Tierheim nach den Gründen.

Judith Brettmeister vom Münchner Tierheim

Judith Brettmeister: Wir geben jedem Tier die Möglichkeit, wieder ein Zuhause zu finden. Es ist also nicht so, dass etwa besonders schöne Tiere bei uns bleiben, um damit eventuell Besucher zu beeindrucken. Also wir heben keine Tiere auf und freuen uns z. B. auch sehr, wenn ein Minischwein, wie gerade geschehen, uns verlässt. Unsere Zahlen sprechen im Übrigen auch für sich: Im Jahr 2015 haben wir insgesamt 5705 Katzen, Hunde und Kleintiere betreut. Davon wurden 4537 Tiere vermittelt. Die Vermittlung von Tieren hat also einen sehr großen Stellenwert. Aber natürlich ist es auch wichtig, dass die Tiere bei uns erst mal zur Ruhe kommen, wenn wir bzw. die Tierpfleger das Gefühl haben, dass das nötig ist. Für jedes Tier ist es großer Stress, wenn es sein Zuhause und die gewohnten Menschen verliert. Für Katzen haben wir einen Ruhebereich, wo keine Vermittlung stattfindet.

Welche Gründe gibt es, einem Interessenten ein Tier zu verweigern?

Brettmeister: Das ist individuell. Wenn jemand z. B. gern eine Wohnungskatze möchte, das Tier aber jeden Tag acht Stunden allein lässt, weil er eben arbeiten muss. Dann sagen unsere Tierpfleger, dass das nicht geht. Natürlich gibt es dann andere Möglichkeiten: Man könnte zwei Katzen aufnehmen, oder ein älteres Tier, das lieber allein sein möchte. Aber oft wollen die Interessenten ein ganz bestimmtes Tier haben, und verstehen partout nicht, warum der oder die Tierpflegerin es ihnen nicht geben will. Viele sagen dann: Aber bei mir hat es die Katze oder der Hund auf jeden Fall besser als im Tierheim. Das ist jedoch ein Irrtum.

Zu Ihnen kommen Menschen mit bestimmten Vorstellungen, aber Sie sehen sich als Anwalt der Tiere?

Brettmeister: Genau. Unsere Pfleger suchen für jedes Tier den optimalen Platz. Leider reagieren viele Menschen sehr uneinsichtig. Viele sind beratungsresistent. Unsere Tierpfleger werden oft beschimpft. Doch wir haben unsere Erfahrungen: Wenn der Balkon nicht vernetzt ist, stürzen Katzen ab. Wenn sie den ganzen Tag allein sind, gibt es Probleme. Wir wollen einfach verhindern, dass Tiere wieder zu uns zurückkommen.

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