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Maike Maja Nowak denkt wie ein Hund, wenn sie mit Hunden kommuniziert. Foto: fkn

Hundeflüsterin Maike Maja Nowak im Interview

"Wir wissen nicht mehr, wer Hunde sind"

Maike Maja Nowak ist ZDF-Zuschauern als die Hundeflüsterin bekannt. Am 30. Oktober kommt sie nach München, um aus ihrem neuen Buch "Wie viel Mensch braucht ein Hund" vorzulesen. Vorab spricht sie darüber im Interview.

Die als Hundeflüsterin bekannte Maike Nowak spricht im Interview über den richtigen Umgang mit den Vierbeinern. In ihren neuen Buch "Wie viel Mensch braucht ein Hund" geht es um ihre Begegnungen mit Hunden, deren Haltern und die ganz besondere Beziehung zwischen den Beiden.

Frau Nowak, was genau macht eine Hundeflüsterin?

Also ich nenne mich selbst nicht so. Ich nenne mich Wegbereiterin für Hunde-Mensch-Kommunikation, weil ich mit Hunden kommuniziere, anstatt sie zu dressieren.

Wie läuft denn die ideale Hunde-Mensch- Kommunikation ab?

Man kann da keine Schritt-für-Schritt-Gebrauchsanleitung geben. Hunde sind keine Kaffeemaschinen. Der Mensch kann lernen, in der Form der Hunde zu agieren, anstatt zu versuchen, sie in eine Dressur-Schablone einzupassen. Bei jeder Methode, die einem zur Hundeerziehung verkauft wird, sollte man sich fragen: Habe ich so etwas schon mal bei Hunden untereinander gesehen?

Ein Beispiel bitte.

Wenn der Hund beim Spaziergang beispielsweise zu weit vorausläuft, bleiben viele Menschen stehen und rufen den Hund heran, damit er zurückkommt. Dann rennt er wieder vor und wird wieder gerufen und so weiter. Niemand hat ihm mitgeteilt, dass er nicht so weit laufen soll. Ich verwarne den Hund mit einem Geräusch, wenn er sich zu weit entfernt, fixiere ihn und erkläre den Raum, in den er sich ohne Freigabe begeben hat, zum Tabu. Genauso tun es Hunde untereinander.

Was ist Ihrer Meinung denn das größte Missverständnis bei der Hundeerziehung?

Menschen behandeln Hunde oft wie eine Ansammlung von Defiziten, die es auszugleichen gilt. Wir müssen lernen, die individuellen Kompetenzen des Hundes anzuerkennen. Verhaltensweisen wie an der Leine ziehen oder jagen sind ja erst mal für den Hund kein Defizit, sondern ein Problem nur im menschlichen Alltag.

Diese Probleme können aber ganz schön nervig werden.

Ja, aber es hilft nicht, den Hund mit Dressur in seiner Natur zu manipulieren. Stattdessen muss man mit dieser arbeiten. Das Jagd-Problem zum Beispiel entsteht in Hunderudeln so gar nicht, weil nur der zentrale Hund entscheidet, wann gejagt wird. Als Leitwesen darf ich also entscheiden, wann gejagt wird und wann nicht. Hundehalter können lernen sich ihrem Hund gegenüber als Leitwesen zu benehmen. Man kann jedoch in einer wichtigen Situation nicht hoffen, dass der Hund hört, wenn man sich im restlichen Alltag wie ein Kind benimmt. Es geht darum, an der eigenen Präsenz zu arbeiten und seiner Wahrnehmung im Umgang mit dem Hund zu trauen. Viele Menschen haben da eigentlich eine sehr gute Intuition, trauen sich aber nicht danach zu handeln.

Vermenschlichen wir Hunde zu sehr?

Ja, definitiv! Wir wissen gar nicht mehr, wer Hunde sind. Hunde sollen in unserer Welt funktionieren, ohne dass wir ihnen etwas in ihrer Welt zurückgeben. Je kränker wir als Gesellschaft werden, umso mehr brauchen wir Tiere, um uns emotionalen Boden zu geben. Wie oft wir Tiere benutzen, ohne uns wirklich für sie zu interessieren, ist wirklich bedenklich.

Was kann man aus Ihrer Philosophie nicht nur über Hunde, sondern auch über Menschen lernen?

Man ist nur dort stark, wo die eigenen Kompetenzen sind. Es gibt Leithunde und Mitarbeiterhunde. Menschen sind genauso. Wenn wir individuelle Stärken zu würdigen wüssten, müsste keiner nur der Anerkennung wegen in die Führungsetage, obwohl er da überfordert ist. Die Natur hat Vielfalt gewollt, aber wir bewerten Führungskräfte höher als Ausführende. In keinem Hunderudel ist der Leithund mehr wert als der Mitarbeiterhund. Diese Ansichten haben nur Menschen.

Interview: Annika Schall

Die Lesung findet am Donnerstag, 30. Oktober, um 20.15 Uhr im Hugendubel am Stachus statt. Der Eintritt kostet 10 Euro, um Anmeldungen unter wws.sta@hugendubel.de wird gebeten.

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