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Private Stubentiger-Clips werden im Internet millionenfach aufgerufen und geteilt. Nun gibt es das in den USA schon zum Kult avancierte "Internet Cat Video Festival" auch in Deutschland.

Dem Hype auf der Spur

Alle lieben Katzenvideos: Warum eigentlich?

Düsseldorf - Katzenvideos bis zum Abwinken gab es beim ersten deutschen Internet-Katzenvideofestival. Eine mutige Maus löst eine Katzen-Sinnkrise aus. Der Sieger schwenkt stolz seine Trophäe: den goldenen Kratzbaum.

Tausende Katzenvideos schwirren durchs Internet, millionenfach werden die Filmchen geteilt und „geliked“. Kein Wunder, dass mehrere Hundert Fans sich Freitagabend beim ersten deutschen Katzenvideofestival in Düsseldorf drängten, um zu verfolgen, wie den sinnfreien, aber lustigen Clips eine geistige Flughöhe verliehen werden sollte. Zu verdanken ist das dem Kater „Signor Rossi“ und einer mutigen Maus. Und dem Katzenfan Thomas Baitinger aus der Nähe von Bremerhaven, der sein Smartphone zur rechten Zeit zückte.

Baitinger filmte, wie sein Kater eine echte Maus um einen Spielzeugpinguin jagt und von ihr mit einem mutigen Nasenstüber in die Flucht geschlagen wird. Dafür bekam Baitinger im NRW-Forum den ersten deutschen „Golden Kitty Award“ verliehen, einen golden angestrichenen Kratzbaum für das beste Katzenvideo.

Die Jury aus Medien- und Katzenexperten legte eine tierethisch und tiefenpsychologisch ausgefeilte Begründung vor. Der Film verlege „den Konflikt aus der Wildnis auf den Laminatboden eines deutschen Wohnzimmers“, urteilte sie. Zugleich zeige das Video „den Rollenkonflikt der modernen Hauskatze: Ist sie noch Jäger oder nur Flausch? Weiß sie überhaupt noch, wer sie ist?“

Das Internet Cat Video Festival orientiert sich am Walker Art Center (Minnesota), das jedes Jahr Tausende Fans anlockt. In Düsseldorf wären auch gern mehr dabei - aber der Platz reicht nicht. Familien mit Kindern, Senioren, Fans mit Plüsch-Katzenohren im Haar und Internet-Nerds schauen einträchtig eine Stunde lang Katzenvideos an. Rentner, die nie etwas von Facebook gehört haben, und Internet-Profis brechen gemeinsam in Gelächter aus, wenn die Samtpfoten von Tischen fallen, sich den Kopf im Pappeisbecher einklemmen oder die Fische eines Aquarium-Bildschirmschoners fangen wollen.

Die Autorin Katja Berlin („Cat Content: SMS von meinem Kater“) erklärt den Hype um Katzenvideos damit, dass es dort „einfach harmonisch und nett zugeht“. „Man muss sich nicht konzentrieren. Es ist gut für den Alltag.“

Fast alle Besucher des Festivals besitzen Katzen oder mögen sie zumindest. Andrea Bade (49) aus Frankfurt allerdings nicht: „Ich habe eine Katzenhaarallergie“, sagt sie. Trotzdem findet sie das Phänomen Katzenvideo spannend. Hanna Dreisow, die mit einem Hochsprung ihres Katers Felix den Publikumspreis gewinnt, hat für ihren vierbeinigen Sieger schon eine Facebook-Adresse. Ihr Bruder Paul (27) verrät: „Alle Bilder, die wir uns untereinander schicken, sind Katzenbilder“.

Katzenfan Franz Lamprecht (56) hat von seinen Freunden den Besuch des Videofestivals zum Geburtstag geschenkt bekommen. Katzenvideos im Internet hat er noch nie gesehen. „Das ist heute das erste Mal.“ Social-Media-Managerin Jennifer Kosche (26) hat Katzentattoos auf dem Arm und trägt eine Bluse mit Katzenköpfen. Ihre Freundin Melissa Rexroth ist wie eine Katze geschminkt. Katzenvideos guckt sie „am liebsten mit meiner Mutter beim Sushi-Essen“.

Im Foyer werden handgemachte „Biobaumwollteddyplüschkissen mit doppelter Portion Baldrian“ für Katzen verkauft. Katzenpsychologin Petra Heermann berät bei Katzenproblemen. Auf der Bühne erklärt sie, warum Katzen panische Angst vor grünen Gurken haben. Videos, in denen Menschen die Tiere mit Gurken erschrecken, sind ein Renner im Internet. Katzen halten Gurken für Schlangen, sagt Heermann.

In einem Filmchen des Wettbewerbs ist zu sehen, wie eine Katze gegen eine Aquarium-Glaswand springt und abstürzt. Die elfjährige Ricarda hat auf Youtube schon viele ähnliche Filme gesehen. „Das ist manchmal Tierquälerei“, sagt sie. „In einem Film ist eine Katze mal in einen Wasserbottich gefallen und fast ertrunken.“

Auch der Deutsche Tierschutzbund beobachtet die Katzenvideoszene. Man freue sich ja, wenn die Tierhalter ihre Lieblinge mit Fotos und Videos begleiteten, heißt es da. Aber der Gurkentrick sei für die sensiblen Tiere „weniger amüsant“. Der Schreck könne für eine Katze ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.

Die von Thomas Baitinger gefilmte Boxer-Maus hat das „Spiel“ von „Signor Rossi“ übrigens überlebt. „Sie ist zur Haustür raus.“

Was ist „Cat content“?

Wer im Netz unterwegs ist, kommt um „Cat Content“, also Inhalte, die mit Katzen zu tun haben, kaum herum. Katzen zählen zu den Stars im Internet. Ihren Siegeszug haben die Stubentiger dem Smartphone und sozialen Netzwerken zu verdanken. Videos und Fotos von Katzen sind schon seit mehreren Jahren wesentlicher Bestandteil der Internet-Kultur. Sie zeigen die Haustiere oft in witzigen Situationen.

Weltweit berühmt wurde „grumpy cat“ - eine mürrisch dreinblickende Katze, die für ihre Halterin zu einer lukrativen Marke wurde. Im Netz gibt es zudem eine Flut von „Lolcats“ - Katzen-Schnappschüsse mit montierten Sprüchen.

Im Blogger-Jargon ist „cat content“ inzwischen auch zu einem abwertenden Begriff für Netzinhalte geworden, die als besonders belanglos oder langweilig eingeschätzt werden und keinen Mehrwert bieten.

dpa/tmn

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