+
Igel kommen durch einen milden Winter durcheinander und werden aus ihrem Winterschlaf aufgestört.

Milder Winter: Gewinner und Verlierer

„Supermild“ war der Winter, bestätigt Karsten Brandt vom Wetterdienst Donnerwetter und fügt einschränkend hinzu: „Bisher.“

Denn mittlerweile gibt es kalte Nächte bis minus 20 Grad, und die nächsten acht Tage bleibe es auch eher „gemäßigt winterlich“. Danach könne es aber schon wieder wärmer werden, und so ein richtig kalter Winter sei eigentlich nicht in Sicht. Milde Winter sind gut für eingewanderte Arten, die nicht auf große Kälte eingerichtet sind. Unsere heimischen Wildtiere jedoch, können Minustemperaturen gut verkraften. Ihnen macht die Wärme im Winter eher zu schaffen. tz-Redakteurin Susanne Stockmann sprach darüber mit Martin Hänsel vom Bund Naturschutz in München.

Welche Tiere haben es in einem milden Winter am schwersten?

Martin Hänsel: Mir macht der Igel die größten Sorgen, seit Jahrmillionen ist er auf Winterschlaf eingerichtet.

Jahrmillionen?

Hänsel: Seit über 60 Millionen Jahren! Der Igel ist ein absolutes Erfolgsmodell. Die für ihn unwirtliche Jahreszeit verschläft er einfach. Wenn es aber zu mild ist, kommt der ganze ausgetüftelte Energiehaushalt durcheinander. Die Tiere wachen auf, dabei verbrauchen sie Energie. Sie sind dann gezwungen, sich etwas zu fressen zu suchen. Sie werden auch was finden, denn Schnecken und Würmer sind ja auch noch aktiv. Für Fledermäuse, auch Winterschläfer,sieht es da schlechter aus. Wenn die aufwachen und Hunger haben, müssen sie fliegende Beute aufspüren. Und da ist nachts gerade nicht viel unterwegs.

Eichhörnchen sieht man überall.

Hänsel: Die verzichten gerade auf ihre Winterruhe. Eichhörnchen sind sicher im Winter weniger aktiv, aber sie finden genug Sämerereien, zudem haben sie ihre Vorräte. Denen geht es blendend.

Wie geht es den Insekten? Vor Kurzem habe ich Marienkäfer gesehen.

Hänsel: An warmen Tagen tauen sie auf und verlassen ihr Versteck. Marienkäfer tun sich gern in Kolonien zusammen.

Wird es zu warm, können sich die Kolonien auflösen. Wenn es plötzlich wieder kalt wird, kann es zum Problem werden, wieder ein passendes Versteck zu finden Dann fehlt ihnen der Schutz der Gemeinschaft. Bei feuchtwarmer Witterung besteht für alle Insekten die Gefahr der Verpilzung, das heißt, dass sie von Pilzen besiedelt werden.

Kann man schon sagen, ob es eine Mückenplage geben wird?

Hänsel: Nein, da ist das Frühjahr entscheidend. Ist es feucht und warm, sind das ideale Bedingungen, und es kommt zu starker Vermehrung. Das Gleiche gilt übrigens für Schnecken. Noch ist keine Prognose möglich. Ganz klar profitieren derzeit jedoch Zecken, Milben und Flöhe. Das merken besonders die Besitzer von Hunden und Katzen. Auch Singvögel leiden unter Milben.

Es sind gerade eher wenige Vögel an Futterstellen zu sehen. Woran liegt das?

Hänsel: Vögel finden noch genug Nahrung, sogar Insektenfresser wie die Rotkehlchen. Solange es keine geschlossene Schneedecke gibt, ist eine Fütterung absolut nicht nötig, außer man möchte die Vögel anlocken, damit zum Beispiel Kinder sie beobachten können. Buchfinkweibchen, die normalerweise über die Alpen fliegen, sind hiergeblieben. Wenn es noch kälter wird, fliegen sie einfach noch weg. Aber so sparen sie sich Energie. An manchen, wärmeren Stellen hört man schon die Männchen der Hausrotschwänze singen, sie grenzen ihre Reviere ab. Das heißt nicht, dass sie jetzt mit der Fortpflanzung beginnen, aber sie besetzen ihr Gebiet und sichern sich im Frühjahr einen Startvorteil in der Brutsaison.

Es heißt, eingewanderte Arten könnten leichter überleben.

Hänsel: Das stimmt, das betrifft zum Beispiel die häufig ausgesetzten Schmuckschildkröten oder auch entlang des Rheins die Halsbandsittiche, wo sogar überlegt wird, diese schon auf die schwarze Liste zu setzen, weil sie in alten Spechthöhlen nisten und damit einheimischen Arten wie den Kleiber verdrängen. In München ist das aber noch kein Problem.

Auch Wildschweine bekommen jetzt schon Nachwuchs.

Hänsel: Das hängt aber mit dem Mastjahr zusammen, das heißt, letztes Jahr gab es besonders viele Eicheln und Bucheckern. Die Wildschweine stehen gut im Futter, dann bekommen sie viel Nachwuchs.

Wenn es jetzt richtig kalt werden würde, ist das für Tiere ein Problem?

Hänsel: Für manche schon, weil sie schnell umschalten müssen. Der Igel zum Beispiel kann nicht einfach in Winterschlaf fallen, er muss mehrere Tage fasten, um seinen Darm zu entleeren und die Körpertemperatur langsam runterzufahren.

Typisch Tier

- Siebenschläfer und Murmeltiere sind wie Igel und Fledermäuse echte Winterschläfer. Igel atmen statt 50 Mal nur ein bis zweimal pro Minute. Das Herz schlägt statt 200 gerade noch fünf Mal pro Minute.

- In Winterstarre fallen Fische, Frösche, Eidechsen und Insekten. Frösche vergraben sich im Schlamm oder sie suchen Unterschlupf z. B. in verlassenen Mäusegängen.

- Der Zitronenfalter hat einen ganz besonderen Trick: Sein Blut enthält Glycerin als Frostschutzmittel, so bleibt es flüssig.

- Das Rotwild bewegt sich sparsam und verbraucht so bis zu 25 Prozent weniger Energie.

- Auch Fische werden träger, sie bewegen sich nur noch wenn nötig.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ältere Pferde muss man manchmal von der Herde trennen
Ändert sich bei Pferden die Rangordnung, kann es schnell zur Unruhe in der Herde kommen. Manchmal ist es daher notwenidg, ältere Tiere zu isolieren.
Ältere Pferde muss man manchmal von der Herde trennen
Hunde nur alle zwei Wochen waschen
Auch wenn es das Fell angenehmer riechen lässt, sollten Halter ihre Hunde nicht zu häufig mit Shampoo waschen. Dies kann beim Tier zu Hautproblemen führen.
Hunde nur alle zwei Wochen waschen
Schiefer Kopf und Augenzucken beim Hund - was tun?
Ältere Hunde können eine Art "Schlaganfall" bekommen. Doch nur die Symptome für das Vestibular-Syndrom ähneln denen eines Schlaganfalls. Hundebesitzer sollten das Tier …
Schiefer Kopf und Augenzucken beim Hund - was tun?
Goffin-Kakadus halten mit Kleinkindern mit
Goffin-Kakadus nutzen Werkzeuge, um komplexe Probleme zu lösen. Das können nur wenige Tiere. Die Papageien bewahren sogar Hilfsmittel auf und verwenden sie erneut.
Goffin-Kakadus halten mit Kleinkindern mit

Kommentare