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Gloydius rickmersi – eine nach Willi Rickmer-Rickmers benannte neue Schlangenart aus dem Alai Gebirge.

Mitarbeiter der Zoologischen Staatssammlung

Münchner entdeckt neue Schlangenart im Alai-Gebirge

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München - Der Münchner Philipp Wagner ist Mitarbeiter der Zoologischen Staatssammlung und war auf Expedition im Alai-Gebirge: Dort war er bei der Entdeckung einer neuen Schlangenart dabei. 

Die Regionen Alai und Pamir in Zentralasien sind auch heute noch zoologisch weitgehend unerforscht. Vor mehr als 80 Jahren erkundete eine erste groß angelegte deutsch-russische Expedition unter Leitung von Willi Rickmer-Rickmers die beiden Hochgebirge. Kürzlich hat sich eine zweite internationale Forschungsexpedition in die Region vorgewagt und dort eine neue Giftschlangenart entdeckt. Die wurde unter dem wissenschaftlichen Namen Gloydius rickmersi neu beschrieben.

"Wir haben die neue Art zu Ehren von Rickmer-Rickmers benannt", sagt Philipp Wagner, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Sektion Herpetologie der Zoologischen Staatssammlung in München und hauptberuflich Geschäftsstellenleiter beim Landesbund für Vogelschutz in Bayreuth. Der Wahl-Münchner und passionierte Bergsteiger Rickmer-Rickmers war der Leiter der ersten großen Expedition in den Pamir.

Ziel der Forschungsreise war die Erfassung der Artenvielfalt in dieser entlegenen Hochgebirgsregion, dem Dach der Welt. "Die Tier- und Pflanzenwelt ist dort oben in etwa 4000 bis 5000 Metern Höhe den Extremen unterworfen", erklärt Reptilienspezialist Wagner. "Für Forscher ist es allerdings schade, dass in diesen Extremlebensräumen nicht viele Arten vorkommen."

Zoologische Staatssammlung München: Experten für Schlangenarten

Die Expedition knüpft auch an einen Schwerpunkt der Zoologischen Staatssammlung in München (ZSM) an. Frühe herpetologische Sammlungen aus Zentralasien wurden in den 1960er Jahren durch das "Forschungsunternehmen Nepal Himalaya" der ZSM, an dem mehrere Herpetologen mitarbeiteten, verstärkt und zu einem Forschungsschwerpunkt ausgebaut. Die neue, nur etwa 50 Zentimeter lange Schlange gehört zu den so genannten Grubenottern, die vor allem in Amerika und Südostasien vorkommen. Im Gegensatz zu den echten Vipern, zu denen zum Beispiel die heimische Kreuzotter gehört, verfügen sie über ein vor den Augen gelegenes Grubenorgan, mit dem sie Infrarotstrahlung wahrnehmen können.

Der Sommer im Alai und Pamir ist nur kurz, die Tages- und Nachttemperaturen sind extrem unterschiedlich und fast immer weht ein starker Wind. Das bekamen auch die Wissenschaftler zu spüren. "Man hat damit zu kämpfen, dass es nachts Minusgrade hat und tagsüber das Thermometer auf 40 Grad ansteigen kann - und das in einer Höhenlage von 4000 Metern" erklärt Koautor Arthur Tiutenko von der Universität Erlangen, der die Expedition als Photograph begleitete. Am Ende der Forschungsreise Anfang September, kurz nach der Entdeckung der neuen Art, fiel auch schon der erste Schnee.

Eine Überraschung war der Fund dieser neuen Art dann schon. "Man rechnet ja eher in den artenreichen Regionen der Welt mit Neuentdeckungen und nicht in einem Hochgebirge, in dem gerade mal wenige Dutzend Reptilienarten überleben können", sagt Wagner. "Bei der neuen Schlange handelt es sich zudem um einen Vertreter der Vipern, die ja ohnehin schon immer stärker als andere Schlangen im Fokus der Wissenschaft standen".

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