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Martin Hänsel (links) vom Bund Naturschutz und Christian Köbele vom Landesbund für Vogelschutz fischen am einzigen Kammmolch-Biotop auf Münchner Flur Goldfische ab.

Münchens Biotope

Operation Kammmolch: Der Lebensraum wird knapp

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Versteckt in der Aubinger Lohe lebt ein urzeitlich anmutendes Tier: der Kammmolch. Doch der Amphibie droht auch in ihrem letzten Rückzugsort im Münchner Stadtgebiet Gefahr.

Naturschützer riefen erst jüngst zu einer Rettungsaktion auf. Mit Kescher und Wathosen stapfte ein Trupp Helfer durch das Waldgebiet der Aubinger Lohe im Münchner Westen. Ihr Ziel: der Erhalt des einzigen Münchner Kammmolch-Biotops.

Ein Kammmolch-Männchen mit dem für ihn typischen gezackten Rückenkamm.

2003 hatte der Bund Naturschutz (BN) mit Unterstützung der Stadt München und der Forstverwaltung in einem abgelegenen Waldstück einen knapp 40 Quadratmeter großen und rund 70 Zentimeter tiefen Tümpel ausgehoben, nachdem in dem Mischwald Kammmolche gesichtet worden waren. Die deutschlandweit gefährdete Amphibie ist laut BN die größte heimische Molchart und kann bis zu 18 Zentimeter lang werden. Seinen Namen verdankt der älteste Landbewohner dem auffällig gezackten Rückenkamm, den das Männchen während der Laichzeit von Mitte April bis Mitte Mai entwickelt. Daran lässt sich das Tier auch gut erkennen, wenn es zum Luftholen aus dem Gewässer wie ein kleines U-Boot auftaucht.

„Die Population hat sich seitdem gut entwickelt“, erzählt Christian Köbele vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Das Gebiet der Aubinger Lohe eigne sich für einen Amphibientümpel besonders gut, da in dem aus Lehmschichten bestehenden Boden das Regenwasser lange stehen bleibe. Doch in diesem sogenannten Himmelsweiher sei in den vergangenen Jahren immer öfter ein Tier aufgetaucht, das dort nicht nur den Molch gefährde, sondern das ganze Ökosystem zerstören könne.

Zum Entsetzen der Naturschützer hatten sich Goldfische in dem kleinen Tümpel breitgemacht. „Im eigenen Teich wurden sie zu groß oder waren zu viele“, vermutet der Experte. Aus vermeintlicher Tierliebe würden die Fische dann in Tümpeln wie beispielsweise in der Aubinger Lohe ausgesetzt. Dort fressen die zur Familie der Karpfen gehörenden Tiere dann mit Vorliebe Froschlaich, Molchlarven und kleine Kaulquappen.

„Amphibien brauchen fischfreie Gewässer“, sagt Köbele. Mehr als 500 kleinere und ein gutes Dutzend bis zu 15 Zentimeter große Goldfische seien bei der Rettungsaktion aus dem zuvor fast leer gepumpten Tümpel geholt worden. Anschließend habe man die illegal eingesetzten Tiere lebend in eine Auffangstation gebracht. Zusätzlich habe man einige der Bäume am Rand des Tümpels gefällt, damit das Gewässer wieder genügend Sonne bekomme. „Dadurch kann sich das Wasser für das Wachstum der Molchlarven ausreichend erwärmen“, erklärt Köbele.

Das neben dem Gewässer aufgeschichtete Holz dient den Molchen vom Herbst bis zum Frühjahr als Rückzugsort. Ähnlich wie Eidechsen legen die Tiere für die Winterzeit einen Zuckervorrat an, fahren dann ihren Stoffwechsel herunter und werden starr.

Ob die Artenschutzaktion ausgereicht hat, wollen die Naturschützer in den kommenden Wochen gleich nochmal kontrollieren. Sollten noch Goldfische da sein, will man auch diese aus dem Tümpel fischen, erklärt Martin Hänsel vom Bund Naturschutz. „Für eine stark gefährdete Art wie den Kammmolch können bereits wenige Goldfische das endgültige Aus bedeuten.“ Man appelliere deshalb eindringlich an Fischliebhaber, in Teichen und Tümpeln in der Natur keine Fische auszusetzen.

Erschwert wird das Überleben der Kammmolche durch die zunehmende Isolation in immer stärker besiedelten Gebieten wie dem Großraum München. So liegt das nächste bekannte Vorkommen etwa zwölf Kilometer entfernt im Landkreis Starnberg. „Eine riesige Entfernung für einen kleinen und langsam laufenden Molch“, sagt Köbele.

Sollte jemandem doch noch in anderen Laubwäldern in der Stadt ein Kammmolch über den Weg laufen, freuen sich die Amphibienkundler über jeden Hinweis.

Erreichbar ist der Bund Naturschutz unter Telefon 089/51 56 76-0 oder per mail: info@bn-muenchen.de.

von Monika Wehrl-Herr

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