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Die behäbig wirkenden "Hippos" können ungeahnte Aggressivität entwickeln.

Gefährlicher als Löwen

Nilpferde in Afrika: Tödliche Gefahr im Fluss

Die blutigen Verbände an beiden Beinen lassen erahnen, wie schwer die Verletzungen sind. Ein Flusspferd hat den senegalesischen Fischer Ali Fall angegriffen.

"Ich wollte gerade mit einem Kollegen die Netze einholen, als das Nilpferd unser Boot umwarf. Mein Freund entkam, aber mich biss es erst ins linke und dann ins rechte Bein", erzählt der 25-Jährige in seinem Krankenhausbett. "Das war bereits der zweite Angriff, das erste Mal wurde ich 2014 attackiert."

Der Fischer stammt aus Gouloumbou, einem Dorf im Osten Senegals. Nicht erst seit dem jüngsten Angriff herrscht unter den Einwohnern riesige Angst vor den tonnenschweren Säugetieren. In den vergangenen zehn Jahren seien 25 Fischer von Flusspferden getötet worden, sagt Dorfvorsteher Abdoulaye Barro Watt. Von seinem Büro blickt er direkt auf den Fluss, auf dem die Fischer bei ihrer Arbeit ihr Leben riskieren. Fischen sei eine der wenigen Verdienstmöglichkeiten in der Gegend, erklärt Watt.

Abdoulaye Sarr und Moussa Bocar Gueye sind eigentlich auch Fischer, aber nun trauen sie sich mit ihren Einbaum-Booten nicht mehr auf den Fluss. "Da draußen sind böse Monster, die uns Tag und Nacht angreifen", sagt Sarr. "Vor drei Wochen haben wir zuletzt gefischt. Jetzt gibt's auf dem Markt keinen Fisch mehr zu kaufen", fügt Gueye hinzu.

In den Sümpfen und Gewässern rund um Gouloumbou leben viele Flusspferde. Die bis zu 1500 Kilo schweren Vegetarier verbringen viel Zeit im Wasser, um ihre Haut vor der Sonne zu schützen. Nilpferde sind leicht zu irritieren und ein aufgebrachtes Tier wird mit seinem massigen Körper und seinem gewaltigem Maul zu einer tödlichen Gefahr.

Flusspferde töten in Afrika jedes Jahr mehr Menschen als Löwen oder Tiger. Doch gejagt werden dürfen sie nicht: Nilpferde stehen im Senegal unter Artenschutz.

In Gouloumbou werden die Flusspferde nicht nur Fischern zum Verhängnis, auch die Frauen und Kinder im Dorf sind in Gefahr. "Ich habe Angst, dass sie angreifen", sagt Aminata Sy, während sie Wäsche im Fluss wäscht. "Deshalb habe ich den Blick immer aufs Wasser gerichtet." Auch die Kinder, die in der Nähe schwimmen, lässt sie nicht aus den Augen.

Die Fischer und der Dorfvorsteher haben die Regierung um Hilfe gebeten. Sie fordern Motorboote, in denen sie besser vor den Flusspferden geschützt sind. Das Fischereiministerium werde 20 solcher Boote nach Gouloumbou schicken, sagt Djibril Signate vom Ministerium. "Außerdem werden wir eine Fischfarm aufbauen."

In der Erinnerung der Dorfbewohner waren die Flusspferde nicht immer ihre Feinde. "Früher haben wir sogar mit ihnen gespielt, da waren sie harmlos", erinnert sich Dorfvorsteher Watt. Fischer Sarr hat auch eine Erklärung für den Wandel: Ein Fischer aus Mali habe das Dorf 2007 nach einem Streit verflucht, sagt er. Die Tiere seien im Frühling besonders aggressiv, wenn sie ihre Jungen bekommen haben, heißt es hingegen im Fischereiministerium.

Ali Fall jedenfalls möchte nie wieder in seinem Leben einem Nilpferd begegnen. "Sobald es mir wieder gut geht, suche ich mir einen anderen Beruf", sagt er im Krankenhausbett.

AFP

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