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Tierischer Massenausbruch in den USA: Tausende Nerze aus Pelzfarm entkommen

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Von: Anna Heyers

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Rund 10.000 amerikanische Nerze sind von einer Zuchtfarm im Bundesstaat Ohio entkommen. Ob Tierschützer dahinter stecken, ist noch nicht geklärt.

Vor wenigen Tagen sind im US-Bundesstaat Ohio mehr als 10.000 amerikanischer Nerze von einer Zuchtfarm entkommen. Dort wurden die zumeist weißen Tiere in Käfigen gehalten und dienten wegen ihres feinen Fells als Pelzlieferanten. Laut der New York Times (NYT) brach angeblich jemand auf der Farm ein und öffnete zahlreiche Käfige. In Verdacht stehen hier Tierschützer.

Massenausbruch: Tausende Nerze aus Pelzfarm entkommen

Die Tiere laufen jetzt zwar frei in der Umgebung umher, das birgt aber Gefahren für Tier und Mensch. Auf den naheliegenden Straßen und Autobahnen wurden in den letzten Stunden immer wieder weiße Marder von Fahrzeugen erfasst – ein Ende ist hier noch nicht in Sicht. Auch der zuständige Sheriff warnt die Bevölkerung vor den entkommenen Mardern, sie seien hungrig und könnten Haus- oder Weidetiere angreifen.

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Haben Tierschützer die Nerze freigelassen?

Die Vermutung, dass Tierschützer die Nerze freigelassen haben, liegt nahe. Auf den Farmen leben insgesamt zwischen 25.000 und 40.000 Tiere – teils unter schrecklichen Bedingungen. Doch eine falsch verstandene Tierliebe kann, wie vielleicht in diesem Fall, auch durch ein Freilassen der Tiere viel Leid und Schmerz verursachen. Die Tiere kennen weder das Leben in der Wildnis, noch können sie die Gefahren durch Autos oder Lastwagen einschätzen.

Ein brauner, amerikanischer Nerz auf einer Wiese mit Steinen.
Der amerikanische Nerz, auch Mink genannt, ist inzwischen auch in Europa heimisch. Auch hier entfloh die Marderart aus Pelzfarmen. © agefotostock/Imago

Pelzfarmen in Amerika erlaubt

Während in Deutschland das Pelztragen immer mehr in der Kritik steht und es auch keine Pelzfarmen mehr gibt (die letzte schloss laut Vier-Pfoten im März 2019) sieht es leider in den Vereinigten Staaten noch anders aus. Hier werden die Zuchtfarmen zwar immer wieder von Tierschützern in ihrem Alltag unterbrochen, trotzdem können sie weiter bestehen. Nach Angaben der NYT verkaufen die Pelz-Produzenten ihre Produkte ins Ausland, denn auch der US-Markt für Pelze wird immer kleiner.

Positive Entwicklung: Immer weniger Pelze im Handel

Besonders durch die Medien und die Arbeit von Tierschützern wurde in den letzten Jahren ein immer größeres Augenmerk auf die Zustände geworfen, die sich rund um das Thema Pelz bewegen. Die Erfolge sind deutlich sichtbar. So hat laut Vier-Pfoten Israel zum Beispiel als erstes Land der Welt im Juli 2021 ein Verkaufsverbot für Pelze ausgerufen. In Frankreich, den Niederlanden und noch weiteren europäischen Ländern sind die Pelztierzucht gesetzlich verboten – und weitere ziehen nach. Auch in der Modeindustrie wurde reagiert: Immer weniger echter Pelz ist im Verkauf. Der Tierschutzbund hat eine Liste mit pelzfreien Marken herausgegeben, auf die sich im Zweifel ein Blick lohnt.

Drei Tipps, wie man Fake Fur von Echtpelz unterscheiden kann

Schiebt man die Haare bei einem Produkt auseinander, sieht man den Untergrund. Sieht man Leder, also Tierhaut mit sichtbaren Poren, ist es wahrscheinlich echter Pelz, sieht man eine gewebte Fläche, ist es Kunstpelz.

Pustet man kräftig in das „Fell“ und die Haare bewegen sich stark und leichtfällig, ist meist Echtpelz. Bei Fake Fur sind die Haare meist gleich lang, gleich dick und bewegen sich weniger natürlich.

Wer sich nicht sicher ist, kann ein bis zwei Haare aus dem Produkt ziehen und sie mit einem Feuerzeug anzünden. Riecht es nach Plastik ist es Kunstfell, riecht es nach verbranntem Horn oder Haar, ist es echter Pelz.

Invasive Art: Amerikanischer Mink auch in Europa beheimatet

Vor dem Schließen der Pelzfarmen in Deutschland und dem Rest von Europa, wurden auch hier Nerze zur Pelzgewinnung gezüchtet. Und auch hier sind immer mal wieder Tiere entkommen oder wurden absichtlich freigelassen. Die Marderart aus Amerika ist robust und anpassungsfähiger als den bei uns heimischen europäischen Nerz. Dieser ist inzwischen durch den amerikanischen Vetter, aber auch durch die Zerstörung seines Lebensraums und die intensive Jagd auf sie, in großen Teilen des Kontinents sogar ausgestorben.

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