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Projektleiterin Annalina Behrens (re) inspiziert mit ihrer Kollegin Claudia Schalk die Hähne.

45 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr getötet

Rettet die Hähne!

Schätzungsweise 45 Millionen Küken werden jedes Jahr an ihrem ersten Lebenstag getötet: Entweder werden die flauschigen Federknäuel vergast oder lebendig geschreddert.

Die industrialisierte Landwirtschaft hat für die Brüder der Legehennen keine Verwendung: Als Hähne legen sie keine Eier, und wegen ihrer auf Legeleistung hochgezüchteten Gene setzen sie bei einer Mast nicht schnell genug Fleisch an. Ein Zusammenschluss von 14 Bio-Bauern in Nordosten Deutschlands will den Kükenmord nicht länger hinnehmen – und startet das bundesweit einmalige Projekt Hähnlein.

Die Männer-WG ist in grünes Licht getaucht – das soll die Hähne beruhigen. „Wir haben hier eine Gruppe von Halbstarken“, lacht Projektleiterin Annalina Behrens (24): „Diese Tiere brauchen zudem viel Beschäftigung.“ Das Geflügel hat viel Platz, immer die Möglichkeit rauszugehen, im Heu zu rupfen oder das Gefieder im Sand zu baden. Es gibt Kalksteine zum Bepicken und Kisten und Kübel zum Draufhüpfen oder sich verstecken. 6000 Hähne wurden in einer ersten Testphase in einem Stall der Bio- Bauern vom Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof aufgezogen.

Die 14 Betriebe der Erzeugergemeinschaft aus Mecklenburg- Vorpommern und Brandenburg haben sich vor neun Jahren zusammengeschlossen, um Bio-Eier zu produzieren. Die Betriebe bewirtschaften die Felder gemeinsam, sie teilen die Futtermühle und die Aufzucht und Haltung der Tiere untereinander auf. Bis vor wenigen Monaten war es so, dass die einen Tag alten weiblichen Legehennen-Küken an die Erzeugergemeinschaft geliefert und dann nach Bio-Kriterien aufgezogen und gehalten wurden – circa 300 000 Hennen pro Jahr. Das bedeutete: Etwa die gleiche Anzahl männlicher Tiere wurde noch in der Brüterei getötet. Annalina Behrens (24): „Das war mit unserem Anspruch auf biologische Landwirtschaft nicht vereinbar. Wir beschlossen, in Zukunft die Haltung der Elterntiere und die Aufzucht der Küken zu übernehmen.“

Das Projekt Hähnlein war geboren. Die Erzeugergemeinschaft experimentierte zunächst mit alten Rassen, bei denen die Hennen viele Eier legen und die Hähne einen guten Fleischansatz haben sollten. Jeweils 1000 Tiere wurden aufgezogen. Das Ergebnis war enttäuschend: Annalina Behrens: „Die Legeleistung war einfach nicht konstant genug. Und so sind wir jetzt doch bei der Legehennenrasse geblieben und ziehen beide Geschlechter auf.“ Die männlichen Küken bekamen deutlich energiehaltigeres Futter als ihre Schwestern und wurden binnen 17 Wochen auf ein Gewicht von zwei Kilo gemästet. Annalina Behrens: „Es sind richtig prächtige Tiere geworden, wunderschön anzuschauen.“ Die Hühner beginnen im Alter von 20 Wochen mit dem Eierlegen. 270 Eier legt ein Bio- Huhn durchschnittlich im Jahr, in der konventionellen Landwirtschaft

Tiere der Fürstenhof-Erzeuger leben in Gruppen: Auf etwa 100 Hennen kommen ein bis zwei Hähne. Annalina Behrens: „Diese Hähne wachsen mit den Hennen gemeinsam auf. Die Tiere kennen sich untereinander. Der Hahn geht zum Beispiel ins Freie voraus, die Hühner folgen ihm. Hähne sind für das Sozialgefüge sehr wichtig. Die Hennen sind wesentlich ruhiger und reagieren nicht so empfindlich auf Stress oder Geräusche.“ Wenn nach über eineinhalb Jahren die Legeleistung der Tiere deutlich nachlässt, werden auch die Hennen geschlachtet.

Die ersten Brüder der Legehennen wurden vor Kurzem geschlachtet, das Fleisch wird tiefgefroren und ist noch nicht im Handel erhältlich. Wie es schmeckt, haben die Projektmitarbeiter jedoch probiert. Die Projektleiterin: „Wir haben das Fleisch gegrillt, es ist mit einem normalen Mastbroiler nicht zu vergleichen. Es ist einzartesaromatischesFleisch, von einem Tier, das artgerecht gefüttert wurde und sich viel bewegt hat.“

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