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Der Spatz braucht den Menschen, aber der Mensch macht es ihm schwer

Der Allerweltsvogel gilt als gefährdet

Rettet den Spatz!

München - Der Spatz sieht sich als Freund des Menschen, und das wird ihm mehr und mehr zum Verhängnis. Er braucht die Siedlungen, die Brutplätze an Gebäuden, im Wald kann ein Spatz nicht überleben.

tz-Interview mit

Sylvia Weber

Landesbund für Vogelschutz, München

Der Weltspatzentag, der am Donnerstag war, will darauf aufmerksam machen, dass der gesellige kleine Vogel bedroht ist, er wird auf der Vorwarnliste der bedrohten Arten geführt. Besonders in unseren Städten findet er immer weniger Brutmöglichkeiten und Futterquellen.

Der lebhafte Spatz und einstige Allerweltsvogel wird immer seltener. Schon vor über 10 000 Jahren hat sich der kleine braune Vogel den Menschen angeschlossen.

Sylvia Weber vom Landesbund für Vogelschutz in München hat in der Fachliteratur Berichte gefunden, dass manche Kolonien sogar „ihren“ Menschen im Frühjahr auf die Alm und im Winter wieder ins Tal folgen. Und so sehr einige auch das laute Tschilpen nervt, das genau 18 Minuten vor Sonnenaufgang beginnt, wenn der Spatz vertrieben ist, fehlt er den Menschen.

Sylvia Weber im tz- Gespräch: „Ich bekomme oft Anrufe von Münchnern, die beklagen, dass die Spatzenkolonie in ihrer Nähe verschwunden ist.“

Warum hat es der Spatz heute so schwer?

Warum hat es der Spatz so schwer in der Stadt?

Sylvia Weber: Spatzen benötigen verschiedene Lebensraumrequisiten: Brutplätze, Nahrung, Wasser und Staub für Bäder, Versteckmöglichkeiten, und zwar alles an einem Ort, weilsiekeineweitenWege zurücklegen. In der Stadt sind solche spatzengerechten Orte kaumnochzufinden.In München wird wahnsinnig viel saniert und nachverdichtet. Spatzen brüten in aller Regel unterm Dach, bei einer Sanierung verlieren sie ihren Brutplatz. Wird eine Wiese zum Parkplatz oder zum Gewerbegebiet, können die Vögel dort nicht mehr nach Insekten oder Samen suchen, sie verlieren ihre Futterquellen. Immer mehr Hecken und Sträucher werden radikal gestutzt, bei Sanierungen werden Wandbegrünungen oft entfernt, damit verliert der Spatz seine Versteckmöglichkeiten.

Der Spatz ist ein geselliger Vogel, er lebt in kleineren oder größeren Trupps. Die Vögel setzen sich in eine dichte Hecke oder einen Strauch und kommunizieren miteinander, da wird gemeinsam getschilpt.

In einem Hinterhof in der Türkenstraße wurde eine fünfgeschossige Fassadenbegrünung, ein Vogelknöterich, entfernt. Dort lebte eine der letzten Schwabinger Spatzenkolonien, als der Vogelknöterich weg war, waren auch die Spatzen weg.

Spatzen hatten früher ein schlechtes Image, ist das heute auch noch ein Problem?

Weber: Das Image ist zweigeteilt. Ich habe Anrufer, die möchten unbedingt wieder Spatzen in ihrem Garten haben. Ihnen fehlt das Zwitschern, die Möglichkeit die Tiere zu beobachten. Denn Spatzen machen ja alles sehr öffentlich. Der Spatz ist ein wunderbares Objekt, um in die Natur- und Vogelbeobachtung einzusteigen, gerade für Kinder. Aber dann gibt es auch diejenigen, die sich über den Lärm der Spatzen beschweren und die bezweifeln, dass die Vögel immer seltener werden. Das Traurige ist: Selbst wenn die Brut erfolgreich war, heißt das noch lange nicht, dass die jungen Spatzen überleben. Die Jungvögel finden oft keine Brutplätze in der eigenen Kolonie, und in der Nähe keine Kolonie, der sie sich anschließen können. Und allein haben sie keine Überlebenschance.

Was kann jeder Einzelne für die Spatzen tun?

Weber: Mit einer naturnahen Gartengestaltung kann man sehr viel für den Spatz tun. Viele hängen zwar Nistkästen auf, aber dann gibt es im Garten nur exotische Büsche, und dort findet kein Vogel Futter. Zur Aufzucht der Jungen braucht er Insekten, vorzugsweise Blattläuse und Raupen. In einer Ecke sollten Brennnesseln und Wildkräuter wachsen dürfen. Ein Kirschlorbeer sieht frisch und proper aus, aber für den Spatz ist er wertlos. Heimische Gehölze bieten dem Vogel viel mehr, ein blühender Holunderstrauch lockt viele Insekten an. Im Herbst trägt er Früchte. Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt, kann sich dafür einsetzen, dass im Hof die Sträucher nicht radikal geschnitten werden, dass es Ecken gibt, die der Hausmeister nicht ganz ausräumt.

S. STOCKMANN

Typisch Tier

- Der Haussperling ist ein kräftiger und etwas gedrungener Singvogel. Er ist 30 Gramm leicht.

- Die Männchen sind deutlich kontrastreicher gezeichnet als die Weibchen, sie haben eine schwarze oder dunkelgraue Kehle und einen schwarzen Brustlatz.

- Spatzen fliegen schnell, gradlinig und relativ niedrig. Sie können dabei bis zu 60 km/h schnell werden.

- Nur das Männchen tschilpt.

- An Boden bewegt sich der Spatz fast immer auf beiden Beinen hüpfend fort.

- Haussperlinge sind sehr reinlich: Sie baden das ganze Jahr über – entweder im Staub oder im Wasser.

- Die durchschnittliche Lebenserwartung geschlechtsreifer Haussperlinge beträgt 1,5 bis 2,3 Jahre. In Gefangenschaft ist ein deutlich höheres Alter möglich. Die Vögel werden oft Beute von Katzen und Steinmardern, und sie stehen auf der Speisekarte von Sperbern, Turmfalken und Schleiereulen.

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