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Dr. Florian Deising spricht im Interview über die "Bienensauna", die das Volk vor der blutsaugenden Varroamilbe schützen soll.

"Bienensauna"-Geschäftsführer im Interview

Die Schwitzkur lässt das Volk kalt

Dr. Florian Deising hat vor genau sechs Monaten gemeinsam mit dem passionierten Imker Richard Rossa in München die Firma „Bienensauna“ gegründet.

Rossa hat die Bienensauna erfunden und ist seit vier Jahren dabei, das Projekt ständig zu verbessern und fortzuentwickeln. Der Unternehmensberater Deising ist für den Vertrieb und die Finanzen zuständig.

Wie unterscheidet sich die Bienensauna von Wärmegeräten, die z. B. schon in der Schweiz im Einsatz sind? 

Dr. Florian Deising: Wir unterscheiden uns in zwei Punkten ganz wesentlich: Wir behandeln nicht nur die Brutwaben, sondern den ganzen Bienenstock, und eine ausgefeilte Technik sorgt für einen genau dosierten Luftstrom im Bienenstock. Der Wirkungsgrad der Bienensauna ist dadurch deutlich höher. Im Bienenstock herrschen normalerweise Temperaturen von 35 bis 37 Grad.

Wir erwärmen in einer Vorwärmphase binnen 45 Minuten den Stock auf 39 Grad und dann in der Heizphase 45 Minuten lang auf 42 Grad. Das ist für die Bienen und die Brut ungefährlich. Aber zwischen 39 und 42 Grad werden die Milben geschädigt.

Kritiker der Bienensauna sagen, dass die Bienen mit Fächeln gegen die Erwärmung ankämpften und man gar nicht die nötige Temperatur erreichen könne.

Deising: Viele Imker erwartet tatsächlich eine Gegenwehr der Bienen, das ist die klassische Lehrmeinung. Bei früheren Hyperthermie-Versuchen wurden Bienen mit zu hohen Temperaturen und einer zu hohen Luftgeschwindigkeit traktiert. Vergleichbar mit einem heißen Fön, der den Bienen direkt vor die Nase gehalten wurde. Bei den Bienen löste das Panik aus und führte zu erhöhtem Stoffwechsel und einer weiteren Erwärmung des gesamten Bienenstocks. Unter Umständen kollabierte das gesamte Volk (Verbrausen). In der Bienensauna sitzen die Bienen ruhig auf ihren Rähmchen. Davon haben wir kurze Videofilme gedreht, die man bei uns auf der Homepage (www.bienensauna. de) anschauen kann.

Lesen Sie hier: Der Tierschützer und Gut-Aiderbichl-Gruender Michael Aufhauser über die Lage der Biene in Bayern

Warum reagieren die Bienen in der Sauna anders als erwartet? 

Deising: Entscheidend ist, dass die Bienen keine Gefahr spüren und nicht in einen Erregungszustand geraten. Richard Rossa hat sich in jahrelanger Tüftelarbeit damit beschäftigt, wie der Luftstrom im Stock gesteuert werden muss, damit er die Bienen nicht irritiert. Nach der Behandlung gibt es durchaus Fächelaktionen, also einzelne Bienen, die mit ihren Flügeln die Luft kühlen. Aber das Volk insgesamt bleibt während der Behandlung ruhig.

Wie wirkt die Behandlung?

Deising: Bei der Hyperthermie sterben manche Milben sofort, aber die Mehrheit wird geschlechtsunfähig und lebt noch maximal 14 Tage. Bisher hat Richard Rossa seine eigenen und über 40 fremde Völker behandelt. Das hat ausgezeichnet funktioniert. Kein Volk ist gestorben, die Bienen von Richard Rossa sind milbenfrei. Man muss bedenken: Fast alle Imker behandeln ihre Bienen mit Gift und dennoch stirbt jedes dritte Volk.

Ist jeder Imker bei Ihnen willkommen?

Deising: Natürlich. Dazu veranstalten wir gerade eine Vorführungstour. Ab dem 27. März fahren wir mit unserem Bienenmobil durch die Gegend, wir klappern 32 Orte in ganz Deutschland ab, wir sind auch in und um München und stellen bei Privatimkern unsere Bienensauna vor. Da wir immer auf Privatgrund behandeln, bitten wir um vorherige Anmeldung über unsere Website.

Weitere Infos: www.bienensauna.de, Dr. Florian Deising, 0171/2 96 99 59

Typisch Tier - Varroamilbe

Die Varroamilbe ist im ganzen Lebenszyklus auf die Biene angewiesen. Das Weibchen der Varroamilbe ist 1,2 mm lang und 1,6 mm breit, das Männchen ist deutlich kleiner. Nur das Weibchen heftet sich mit den Saugnäpfen an die Bienen. Die Männchen leben nur kurze Zeit in den Brutzellen.

Die Varroamilbe ist im ganzen Lebenszyklus auf die Biene angewiesen.

Die Milbe wurde 1977 mit Bienen aus Asien zu Studienzwecken nach Deutschland eingeführt, ist dann aber mit einigen Bienen auf dem Forschungszentrum entflogen. Die Vermehrung der Milben findet in den Brutzellen der Bienen statt! Während sich die junge Biene entwickelt, legt die Varroamilbe vier bis fünf Eier. Das erste Ei ist immer männlich, dann kommen weibliche Eier, aus denen sich schließlich Milben entwickeln, die gleich vom Männchen begattet werden. Schlüpft die Biene, krabbeln auch die Muttermilbe und die schon begatteten Tochtermilben aus den Waben. Das Männchen stirbt ohne je im Freien gewesen zu sein.

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