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Die Orca-Shows von SeaWorld sind weltberühmt - jahrelang waren die Wasserparks in den USA ein Publikumsmagnet.

Der Fluch des Killerwals

Wie SeaWorld in der Image-Krise versinkt

Schockierende Unfälle, heftige Proteste von Tierschützern und ein vielbeachteter Dokumentarfilm haben SeaWorld in eine schwere Krise gestürzt.

Orlando - Die schrecklichen Szenen, die sich am 24. Februar 2010 im Vergnügungspark SeaWorld in Orlando abspielten, werden die Augenzeugen wohl nie vergessen. Der knapp sechs Tonnen schwere Orca-Wal Tilikum tötete seine Trainerin Dawn Brancheau vor einer der berühmten „Killerwal“-Shows - vor den Augen von mehreren Dutzend entsetzten Zuschauern, darunter etliche Kinder. „Es war schockierend, grausam“, sagt Suzanne Connell aus New Hampshire, die die Tragödie mit ihrer Familie aus nächster Nähe erlebte.

Obwohl der gewaltige Schwertwal zuvor bereits in tödliche Unfälle verwickelt und die Kritik von Tierschützern an der Vorführung der gedrillten Orcas groß war, ging man bei SeaWorld rasch wieder zur Tagesordnung über. Der Tod der Dompteurin wurde vom Unternehmen als unglückliche Panne eingestuft und der riesige Orca-Bulle bald wieder als Hauptattraktion vors Publikum gebracht. Kritik daran wollte SeaWorld nicht gelten lassen. Doch das sollte sich rächen.

Für den Private-Equity-Riesen Blackstone, in dessen alleinigem Besitz SeaWorld sich damals befand, waren die Shows Goldgruben. Vor allem die zum Teil über acht Meter langen, schwarz-weißen Schwertwale zogen massenhaft Besucher an, die viel Geld in die Kasse spülten. Blackstone, die Firma des US-Milliardärs Steve Schwarzman, machte die Meeressäuger zu Cash-Kühen. Beim SeaWorld-Börsengang 2013 verdiente Blackstone Milliarden.

Blackstone hatte damit gerade noch die Kurve gekriegt, denn ab jetzt ging es für SeaWorld bergab. Im Juli 2013, fast exakt drei Monate nach dem Börsengang, erschien der Dokumentarfilm Blackfish (deutscher Titel: Der Killerwal) - eine eindringliche Reportage über die Ausbeutung der Orcas durch die Unterhaltungsindustrie. „Als ich anfing, an Blackfish zu arbeiten, hätte ich mir nie vorstellen können, welchen Effekt es auf SeaWorld haben würde“, berichtet die Macherin des Films, Gabriela Cowperthwaite.

Doch die Dokumentation stürzte SeaWorld in eine schwere Krise. Besucherzahlen, Umsatz und Gewinn gingen kräftig zurück, Geschäftspartner brachen die Beziehungen ab, der Aktienkurs stürzte ab, der Vorstandschef nahm seinen Hut. Das Papier hat seit dem Börsengang fast 50 Prozent verloren und der Ausblick ist trüb. In der vergangenen Woche stufte Branchenanalyst Bryan Goldberg von der Bank of America die Aktie herab und empfiehlt sie jetzt als problematischen „Underperformer“ zum Verkauf.

Experten bezeichnen die Art, wie SeaWorld mit den Vorwürfen umgeht, als Paradebeispiel für ungeschickte Öffentlichkeitsarbeit. Statt den Dialog mit Cowperthwaite zu suchen, blieb das Unternehmen stur und versuchte, die Film-Macherin zu diskreditieren - vergeblich. Der Ruf litt dadurch noch stärker. „Schlechte PR ist gute PR? Denkste“, kommentierten die Marketing-Profis von Bernstein Crisis Management. SeaWorld zeige, dass der alte Werberspruch nicht mehr gelte.

Vor wenigen Tagen zeigte SeaWorld erstmals so etwas wie ein Einsehen und kündigte an, die umstrittene Orca-Show „One Ocean“ in San Diego Ende 2016 einzustellen. „Wir hören auf unsere Gäste. Wir entwickeln uns als Unternehmen“, erklärte SeaWorld-Chef Joel Manby. Zugleich wurde eine neue Vorführung angekündigt, die mehr auf das „natürliche Verhalten“ der Tiere abgestimmt sein soll. „Niemand ist sicher, was das heißt“, moniert die Tierschutzorganisation Humane Society.

Die Kritiker lassen sich nicht besänftigen. Was wird aus den Orca-Shows in San Antonio und Orlando, wo sich das Tilikon-Unglück ereignete, will die Humane Society wissen. Dazu hält sich SeaWorld bedeckt. Als „faulen Kompromiss“ bezeichnet das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum die Ankündigung. „Es ist eine strategische Entscheidung, damit sich der Aktienkurs erholt und um die empörten Tierschützer ruhig zu stellen“, so Geschäftsführer Jürgen Ortmüller.

dpa

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