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Klare Zeichen erleichtern die Kommunikation zwischen Herrchen und Hund.

Sehen statt hören: Zeichen setzen für den Hund

Gesten sagen oft mehr: Mit der erhobenen Hand oder einem kleinen Fingerzeig können Halter ihre Hunde schneller dazu bringen, ihnen zu gehorchen.

Und sie zwingen die Besitzer selbst zu Klarheit: Denn die Sichtzeichen für „Platz“ oder „bei Fuß“ müssen immer gleich bleiben.

Ein Signal mit der Hand und dem Arm genügt: Nicht nur Jägern oder Schäfern erleichtern Sichtzeichen die Arbeit mit dem Hund. Auch für den Alltag ist es sinnvoll, dem Vierbeiner solche Signale beizubringen. Denn sie sind für Tiere oft verständlicher und schneller zu lernen als verbale Befehle und sorgen für eine entspannte Kommunikation zwischen Besitzer und Hund.

Das Beobachten ist dem Hund angeboren

„Wissenschaftliche Studien des Max-Planck-Institutes kamen zu dem Ergebnis, dass Hunde die Körpersprache des Menschen besser interpretieren können als Primaten oder sogar wir selbst“, erklärt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) in Dortmund. „Es ist den Hunden angeboren, dass sie ihre Umwelt und auch uns Menschen genau beobachten.“ Sichtzeichen können die Tiere entsprechend besser verstehen und schneller erlernen.

Doch nicht nur aus nächster Nähe, sondern auch über größere Distanz können Bewegungssignale eingesetzt werden: „Die Sinneswahrnehmungen der Tiere sind ganz anders als beim Menschen: Der Hund guckt anders, hat mehr lichtempfindliche Rezeptoren in der Netzhaut und kann selbst in der Dämmerung noch gut sehen“, sagt Kopernik. „Statt einzelne Punkte zu fixieren, nimmt er auch aus der Entfernung besser Bewegungen wahr.“ Sind Hund und Halter talentiert, ist der Fantasie beim Gebrauch von Sichtzeichen zwar kaum Grenzen gesetzt - schließlich könne ein Hund mehr als 100 solcher Signale lernen. Im Allgemeinen beschränke man sich aber auf einige wesentliche Sichtzeichen.

Zu den wichtigsten Signalen gehören die Zeichen für „Sitz“, „Platz“, „bei Fuß“ und „Komm her“. „Bei 'Sitz' zeige ich mit den Fingerspitzen nach oben, bei 'Platz' geht meine Handfläche runter und für 'bei Fuß' lege ich die Hand an den Körper“, erklärt die Hundepsychologin Christine Brandt vom Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer in Bad Bramstedt. „Für 'Komm her' gehe ich in die Hocke und breite meine Arme aus.“ Die Sichtzeichen kann aber der jeweilige Hundebesitzer selbst festlegen und entsprechend variieren.

Laut Kopernik ist auch ein Sichtzeichen für „down“ hilfreich: „Dann schmeißt sich der Hund hin und bleibt liegen, wenn Gefahr droht, eine Straße den Weg kreuzt oder ein Hase vorbeihoppelt“, sagt der VDH-Sprecher. „Ein Signal für links oder rechts ist zudem sinnvoll, um über Distanz hinweg die Richtung anzuzeigen.“

Zeichen müssen wie Vokabeln gelernt werden

Wichtig ist nicht nur, dass sich die Hundebesitzer die Signale gut merken können. „Auch der Hund muss das Zeichen wie eine Vokabel lernen, daher muss es - egal ob Hör- oder Sichtzeichen - immer gleich sein“, sagt die Tiertrainerin Bina Lunzer aus Purkersdorf bei Wien. „Denn wenn die Sichtzeichen nicht konsequent eingesetzt werden, verwirrt das den Hund und er reagiert nicht auf das Signal.“

Ein Vorteil der Sichtzeichen ist, dass man sich als Halter beim Umgang mit dem Hund besser kontrollieren kann. „Manche Hundebesitzer neigen schließlich dazu, zu laut, zu viel und zu unkontrolliert mit ihren Vierbeinern zu reden“, sagt Hundepsychologin Brandt. „Wenn der Hund zu viele Signale und Kommandos bekommt, kann er jedoch nicht richtig reagieren und verliert die Konzentration.“ Mit Sichtzeichen hingegen gebe man, sofern sie klar eingesetzt werden, eindeutige Signale.

In vielen Situationen des Alltags sind Sichtzeichen sehr praktisch. „Dann muss ich das Gespräch nicht unterbrechen. Wenn man unterwegs ist und jemanden trifft, dann kann man dem Hund signalisieren, dass er sich hinlegen soll“, erklärt Lunzer.

Wie lange es dauert, bis ein Hund Sichtzeichen erlernt hat, ist ganz unterschiedlich - und hängt auch von den Zielen des Halters ab. Dafür kann man sich nach Angaben der Tiertrainerin an drei Fragen orientieren: Über welche Distanz soll der Hund auf die Signale reagieren? Wie lange soll er die signalisierte Stellung beibehalten? Und wie resistent soll er auf Ablenkungen in seiner Umgebung reagieren - etwa wenn er „Sitz“ machen soll, ihn aber jemand anderes mit einer Wurst lockt?

Der Trainingserfolg hängt von Hund und Halter ab. „Es hat natürlich Einfluss, was der Hund genetisch mitbringt und welche Trainingserfahrungen er zuvor gemacht hat“, sagt Lunzer. Untrainierte Hunde bräuchten in der Regel länger. „Letztlich steht und fällt aber alles mit dem Hundebesitzer und dessen Fertigkeiten.“ In wenigen Minuten ein Sichtzeichen zu erlernen, sei für einen Welpen ohne Ablenkung mit einem geschickten Hundeführer meist kein Problem. „Wichtig ist allerdings, dass man regelmäßig mit dem Hund trainiert, ohne ihn zu überfordern - mindestens zweimal täglich für zwei Minuten.“

dpa

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