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Sprechende Katzen in US-Krimis spalten die Leserschaft.

Leserschaft gespalten

Skurriler Trend: Sprechende Katzen in US-Krimis

New York - Quatschende Katzen im Kleinstadt-Krimi? In den USA keine Seltenheit. In „Cozy Mysteries“ helfen die felligen Freunde, Mordfälle zu lösen. Gretchenfrage im Lesekreis: Können die Tiere nun sprechen oder nicht?

Die verrückte Katzen-Frau wollte Kathleen Paulson nie sein. Doch nach dem Fund einer Leiche nahe ihres Lieblingscafés und der Einsicht, dass ihre Katzen magische Kräfte haben, werden die Tiere zu Hilfsdetektiven auf Samtpfoten. Da Katze Owen unsichtbar werden und Hercules durch Wände gehen kann, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Kleinstadt-Bibliothekarin dem Killer auf die Schliche kommt.

„Sleight of Paw“ (Geschick der Tatze) hat US-Autorin Sofie Kelly den Krimi um Kathleen und ihre Katzen getauft, der sich einreiht in das amerikanische Genre „Cozy Mystery“. Gemütliche Kuschel-Rätsel ohne viel Blut und Gewalt also, die in der heilen Welt amerikanischer Kleinstädte spielen und in denen (oft weibliche) Amateur-Ermittler den Bösewichten das Handwerk legen. Miss Marple lässt grüßen.

Die „Cozies“ sind in den USA inzwischen so beliebt, dass sich eigene Untergenres gebildet haben: Einige Reihen drehen sich ums Häkeln oder um die Restaurantkultur, in anderen sind Lehrer, Gärtner oder Bibliothekare die wiederkehrenden Stars. Es gibt Kalauer am laufenden Band. Und oft gilt: Kein Krimi ohne Katze oder Hund. Doch Autoren und Leser sind sich uneins: Sollten die Tiere sprechen können oder nicht?

Für Shirley Rousseau Murphy ist die Sache klar. „Ich mag einen Hauch Magie in meinen Büchern“, sagt die in Kalifornien lebende Autorin der Deutschen Presse-Agentur über die Tatsache, dass der schwarze Kater Joe Grey in ihren Krimis wie ein Mensch denken und sprechen kann. „Ich liebe die Idee, dass Katzen mit Menschen sprechen können und so intelligent sind“, schreibt eine Benutzerin auf dem Literaturportal „Goodreads“ zum kürzlich erschienen, 19. Krimi der „Joe Grey“-Reihe.

Aber einigen stößt das Katzengequatsche und der Gedanke, dass die felligen Protagonisten teils auch lesen und schreiben können, ziemlich übel auf. Zum ersten Titel von Murphys Reihe, in dem eine Katze sich sogar in eine Frau verwandelt, heißt es in einer Rezension beim Online-Händler Amazon: „Sollen wir auch glauben, dass sie ohne Geburtsurkunde, Sozialversicherungsnummer und sonstigen Identitätsnachweis heiraten, Auto fahren und einen Job finden konnte?“ Katzen würden zu Menschen mit menschlichen Problemen.

Selbst bei der „Cat's Writers Association“ (CWA), dem 300 Mitglieder zählenden Verein für über Katzen schreibende Autoren in den USA, ist die Debatte angekommen. „Viele hassen den Gedanken sprechender Katzen“, sagt CWA-Vorsitzende Amy Shojai. Und wer seine eigene Katze zu sehr vermenschliche, behandle sie auch falsch. Shojai hat mehr als 30 Sachbücher über den Umgang mit Haustieren verfasst.

Eine Katze sei zum Beispiel nicht „wütend“ oder „beleidigt“, wenn sie bei langer Abwesenheit des Besitzers dessen Lieblingsteppich in ein Katzenklo verwandle, sondern beruhige sich selbst durch den Geruch des eigenen Urins. „Katzen lieben Routine, und wenn Sie aus dem Haus gehen, brechen sie diese Routine“, sagt Shojai. Das sorge für Stress. In der Katzenliteratur gebe es allerdings nur eine Regel: Es gibt keine Regeln.

Das gilt auch bei den Felidae-Romanen vom mittlerweile umstrittenen Katzenkrimi-Autor Akif Pirinçci, dessen liebenswert nerviger Kater Francis den Menschen einen Spiegel vorhält. Auch an Rousseau Murphy perlt dank literarischer Freiheit all die Kritik an Joe Grey und seiner sprechenden Freundin Dulcie, die mittlerweile sprechende Junge bekommen hat, ab: Wenn Katzen die Geschichte erzählten, aber nicht mit Menschen sprechen könnten, sei das doch genauso unrealistisch. Für den Streit habe sie keine Zeit. „Für mich ist das wie jedes andere Fantasy-Werk.“

Als „extrem „glaubwürdig““ bezeichnet ein Fan der 87-Jährigen die sprechenden Katzen in einer Buchrezension im Internet: „Wenn Katzen wirklich lesen, sprechen, Telefonnummern wählen und Rätsel lösen könnten, würden sie es tun wie Rousseau Murphys Katzen.“ Nichts löse stärkere Gefühle aus als das Verhältnis zwischen Menschen mit ihren Haustieren, sagt Shojai. „Sprechende Katzen und Hunde, die den Tag retten - wir lieben das und wir wollen dem harten Alltag entfliehen.“

Sofie Kelly wählt für „Sleight of Paw“ folgenden Schluss, in dem Protagonistin Kathleen vor ihren Wunderkatzen Owen und Hercules hockt: „Wir waren die Drei Musketiere. Wir waren Batman und Robin und eine Bibliothekarin. Und wahrscheinlich waren wir verrückt.“

dpa

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