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Beliebten Wildtier fehlen die naturbelassenen Flächen

Feldhase in Not!

Der Hase ist der tierische Star des Osterfestes – ein fröhlich hoppelnder Sympathieträger, der Eier und Süßigkeiten in die Nester legt. Wir wollen ja niemandem den Spaß verderben – aber dieses Bild könnte alles sein, was vom Feldhasen einmal übrig bleibt.

Etwa vier Millionen Tiere leben in Deutschland, durchschnittlich zwölf pro Quadratkilometer. Der Feldhase gilt als gefährdet, zunehmender Maisanbau, das Mähen der Ackerränder und zu wenige Brachflächen nehmen dem früheren Steppenbewohner den Lebensraum: Den Tieren fehlt das hohe Gras und Gebüsch, um sich zu verstecken. Jedes Jahr werden mehr hilflose Jungtiere gefunden. Heidi Gallenberger und ihre Tochter Sabine aus Trudering haben Erfahrung mit der Aufzucht der Hasenbabys gesammelt. Die tz hat mit Heidi Gallenberger gesprochen:

Hasenbabys gelten als sehr empfindlich. Wie viele Tiere haben Sie aufgepäppelt?

tz-Interview mit

Heidi Gallenberger

Tierschützerin mit Herz für Hasen

Heidi Gallenberger: Wir haben sehr viel Erfahrung mit der Aufzucht von Eichhörnchenbabys. Und so kam es in den letzten Jahren immer mal vor, dass uns Hasenbabys gebracht wurden. In unserem Verein sind in München 15 Pflegemütter engagiert. Gemeinsam haben wir bisher 15 Tiere aufgepäppelt und ausgewildert. Dieses Jahr rechnen wir jedoch mit viel mehr Tieren. Im Stadtgebiet München werden im Jahr rund 50 hilflose Hasenjunge gefunden. Schon im Januar werden die ersten Hasenbabys geboren. Derzeit versorgen wir sieben Tiere. Das Älteste ist circa zwei Monate alt. Ein Wurf wurde vor einer Disco in Erding gefunden, ein Geschwisterpaar saß an einer Landstraße. Die Mutter war überfahren worden.

Ihre Findlinge haben alle überlebt?

Gallenberger: Leider nein, manche waren einfach schon zu krank. Aber die meisten kamen durch. Aber die meisten kamen durch. Wir haben uns bei Leuten in ganz Deutschland informiert, die Feldhasen pflegen, und mittlerweile wissen wir, wie die Nahrung zubereitet sein muss und wie oft die Babys gefüttert werden müssen. Das kann man alles auf unserer Homepage nachlesen.

Die Häsinnen säugen ihre Jungen ja nur einmal am Tag. Füttern Sie auch so selten?

Gallenberger: Nein, am Anfang bekommen sie alle vier Stunden zu trinken. Die Hasenmilch ist ja sehr fettreich, das können wir so gar nicht simulieren. Aber ich persönlich glaube nicht, dass die Mutter nur einmal am Tag kommt. Wir haben Kontakt zu einer Frau im Saarland, die Feldhasen von ihrem Garten aus auswildert. Und diese Tierschützerin meint, dass die Hasenmütter ihre Jungen häufiger säugen. Ich denke, dass das Sozialverhalten der Feldhasen in weiten Teilen nicht erforscht ist. Sie sind ja auch sehr scheu und gerade die gesunden, satten Jungen tarnen sich so gut, dass man sie als normaler Spaziergänger gar nicht sieht. Häufig werden auch Wildkaninchen mitgenommen. Wenige Menschen, oft nicht einmal Tierärzte, wissen, wie man ein junges Wildkaninchen von einem jungen Feldhasen unterscheidet. Wildkaninchen sind jedoch schon sehr früh selbstständig. Werden junge Hasen wie die Kaninchen gehalten, verhungern sie jämmerlich.

Ab wann wildern Sie die Tiere wieder aus?

Gallenberger: Die Tiere müssen mindestens ein Kilo wiegen. Und dann beginnen die Probleme erst richtig. Denn die jungen Hasen brauchen viel Auslauf, sie müssen sich bewegen, um ihre Muskeln zu trainieren. Sie können 70 km/h schnell laufen, aber nicht in den kleinen Gehegen der Pflegeplätze. Uns fehlen verwilderte Grundstücke, wo wir Tiere auf die Freiheit vorbereiten können. Daher unsere dringende Bitte: Wer so ein Grundstück hat und uns zur Verfügung stellen könnte, soll sich bitte bei uns melden. Er würde den Hasen, einer Art, die immer seltener wird, sehr helfen.

Was ist das größte Problem der Hasen, die Jagd?

Gallenberger: Nein, das kann ich nicht sagen. Hasen werden nur selten geschossen. Der Jäger hier in Trudering arbeitet sehr gut mit uns zusammen. Das größte Problem ist, dass die Landschaften immer kahler werden. Hasen brauchen Gras und Gestrüpp, in dem sie sich verstecken können. Sie brauchen den Schutz vor Feinden aus der Luft. Im vergangenen Jahr wurde uns ein junger, aber kräftiger Hase gebracht, der offenbar unter Schock stand. Als ich ihn in sein Gebiet zurückgebracht habe, hätte ich weinen können: Das Feld war bis an die Straße abgemäht, es gab keinen Fleck, wo ich den Hasen laufen lassen konnte.

Infos zu Feldhasen und zur Arbeit von Heidi und Sabine Gallenberger: www.feldhasen.de; Telefon: 0176/55 37 68 64

Ungeeignet für die Massentierhaltung

Dass Hasenjunge in Gefangenschaft so schwer aufzuziehen sind, ist ein Glück für die Tierart – dadurch ist der Feldhase ungeeignet für die Massentierhaltung. Hasen werden zwar noch gejagt, aber die Anzahl der erlegten Tiere ist in den letzten Jahr um ein Viertel gesunken, die Jäger haben die Jagd freiwillig eingeschränkt, damit sich die Populationen erholen können. Wer also Hasen- bzw. Kaninchenfleisch essen möchte, greift meist auf Kaninchen zurück.

25 Millionen Kaninchen werden in Deutschland ähnlich wie Hühner in Legebatterien gehalten. Rund 41000 Tonnen Kaninchenfleisch werden jedes Jahr in Deutschland verzehrt. Bisher ist es so, dass die Haltung der Tiere nicht gesetzlich geregelt ist. Das soll demnächst geändert werden, der Tierschutzbund hält den Gesetzentwurf des Landwirtschaftsministeriums jedoch für unzureichend und rät, auf Kaninchenfleisch zu verzichten.

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