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Auf dem Dorf müssen Nachbarn den Weckruf eines Hahns hinnehmen – in städtischen Wohngegenden dagegen nicht.

Tierhaltung im Garten

Streit um Nachbars Gockel

Nachbars Vieh kann mächtig nerven. Manch einer fühlt sich von der Tierhaltung seiner Mitmenschen derart um die Ruhe gebracht, dass er das garstige Getier loswerden möchte. Der Rechtsstandpunkt ist jedoch oft schwach.

Nachbarn können sich gegen die Tierhaltung nebenan wehren, wenn sie in der Nutzung ihres Grundstücks beeinträchtigt werden. Gründe können Lärm, Gestank oder Verunreinigungen sein. „Grundsätzlich gehört die Tierhaltung aber zur üblichen Benutzung eines Grundstücks und kann deswegen nicht ohne weiteres untersagt werden“, sagt Robert Schweizer, Anwalt und Experte für Nachbarschaftsrecht. Etwas anderes gelte nur bei gefährlichen Tieren: Könne sich ein solches Tier frei bewegen oder treffe der Halter nicht die nötigen Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz Dritter, liege eine Ordnungswidrigkeit vor, so Schweizer. Folge kann ein Bußgeld sein. Beispiele wären ein bissiger Hund oder ein nicht eingezäunter Stier.

Ein Dauerbrenner ist das Thema Gestank. Viel hängt davon ab, was ortsüblich ist, ob man auf dem Land oder in der Stadt lebt. „Prägen also Bauernhöfe den Alltag in den Dörfern, dann gehört der typische Gestank von Dung & Co. dazu“, schreiben Wolfgang Jüngst und Matthias Nick in ihrem Ratgeber „Wenn der Nachbar nervt“. Die Autoren verweisen auf ein Urteil des Landgerichts Paderborn, wonach der dorftypische Geruch zu dulden sei (Az.: 3 O 344/97).

Nachbarn müssen auch Gartenteiche hinnehmen, wenn der Grenzabstand eingehalten wurde und der Teich abgesichert ist. Dazu zähle, so Jüngst und Nick, dass das Grundstück und der Teich eingezäunt seien und sichergestellt sei, dass kein Wasser unkontrolliert abfließen könne, etwa auf das Grundstück des Nachbarn.

Siedeln sich im Teich Frösche an, ist das Gequake hinzunehmen, denn die Amphibien stehen unter Naturschutz. Allenfalls in Wohngebieten kann die Umsiedlung von Fröschen, die in einem künstlich angelegten Teich ausgesetzt wurden, verlangt werden – wenn die Naturschutzbehörde eine Ausnahme macht. So urteilte das Bundesverwaltungsgericht (Az.: 6 B 133/98). Bei Naturteichen ist Froschlärm immer zuzumuten.

Grundsätzlich kann sich der Nachbar bei Haustieren auf den „Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch“ berufen, den das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) in Paragraf 1004 regelt. So urteilte das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz, dass 35 krakeelende Papageien auf einem Wohngrundstück des Guten zu viel seien (Az.: 8 A 11802/03). Werden gesetzliche Grenzwerte nicht überschritten, ist der Lärm hinzunehmen.

Manche Zeitgenossen fühlen sich durch das morgendliche Krähen eines Hahns gestört. Auf dem Dorf ist der Weckruf hinzunehmen, weil er ortsüblich ist. In städtischen Wohngegenden müsste das Tier im Zweifelsfall schalldicht untergebracht oder der Standort des Federviehs verlegt werden.

Die Haltung von Tieren im Garten ganz verbieten, kann niemand. Denn zum üblichen Gebrauch eines Grundstücks gehören auch Tiere. Manche Tiere sind völlig unbedenklich, so etwa Kaninchen. Selbst ein Gehege von sechs Quadratmetern in einer Wohnanlage sei statthaft, urteilte das Oberlandesgericht Köln (Az.: 16 Wx 58/05).

Dienen die Tiere Beruf, Erwerb oder Unterhalt des Halters, hat der Nachbar noch schlechtere Karten. Richtet das Vieh bei ihm Schaden an, haftet der Halter nicht, wenn er die – so BGB-Paragraf 833 – „im Verkehr erforderliche Sorgfalt“ beachtet hat oder „der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden sein würde“. Eine mit viel Glück ausgebüxte Ziege kann sich so durch Nachbars Gemüsebeet futtern, ohne dass der Halter das leckere Vitaminfutter ersetzen muss.

Von Kai Althoetmar

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