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Ein Herz für Zamperl in Not hat Maren Geupel.

Tierheim: Wohnungsnot setzt Haustieren zu

München - Das Münchner Tierheim stößt an seine Grenzen. Jährlich steigt die Zahl der ausgesetzten Tiere mit Beginn der Sommerferien sprunghaft an. Heuer sind die Folgen besonders schlimm, denn die Anlage war zuvor schon überlastet. Ein Grund: der angespannte Wohnungsmarkt.

Rund 800 Tiere sind aktuell im Münchner Tierheim untergebracht. Jedes vierte ist eine Katze, dazu kommen 150 Hunde, gut 300 Kleintiere wie Hasen, Meerschweinchen und Hamster. Ferner leben hier aktuell rund 100 Wildtiere, zum Beispiel verlassene Jungtiere oder verletze Vögel, die von Bürgern gefunden und abgegeben wurden. Dazu kommen ein paar Dutzend Exoten, unter anderem ein Waschbär, ein Stinktier und sogar zwei Affen, aber auch Esel, Ziegen und Schafe. Alles in allem viel zu viele Tiere für das fünf Hektar große Gelände an der Riemer Straße.

Dort wo es die Zwingergröße erlaubt, sind diese schon doppelt oder dreifach belegt. Doch selbst das genügt mittlerweile nicht mehr. „Wir sind bereits darauf angewiesen, manche Tiere auf private Pflegestellen auszulagern“, klagt Tierheim-Chefin Maren Geupel. Doch viele Tierpensionen sind naturgemäß gerade jetzt in der Ferienzeit selbst stark belegt. Um zumindest tagsüber die Situation etwa zu entzerren, nehmen die Tierheim-Mitarbeiter zum Beispiel sehr folgsame Hunde mit in ihre Büros, berichtet Geupel. Ehrenamtliche Tierfreunde hätten sich zudem bereit erklärt, für einzelne Tiere zu sorgen, bis für diese ein neues Zuhause gefunden wurde.

Die Schicksale, die die Tiere in die Riemer Auffangstation führen, sind sehr unterschiedlich. Manche sind entlaufen, andere wurden so vernachlässigt, dass sie von den Behörden den Haltern weggenommen wurden, wieder andere Tiere wurden einfach ausgesetzt oder am Rastplatz an einen Laternenpfahl gebunden gefunden. „Es gibt nach wie vor zu oft das Problem, dass Tiere unüberlegt angeschafft werden“, sagt Geupel. Die Grausamkeit, mit der sich mancher seines Haustieres dann wieder entledigt, sei mitunter unbeschreiblich.

„Aber oft sind es auch eigene Notlagen, wegen denen sich Menschen von ihren Tieren trennen müssen“, berichtet Geupel. Zunehmend kämen Halter mit finanziellen Problemen, die sich das Futter oder zum Beispiel Impfungen einfach nicht mehr leisten können, beobachtet die Tierheim-Chefin. Eine gravierende Rolle spiele auch der extrem angespannte Wohnungsmarkt in München. „Immer wieder haben wir Leute, die umziehen müssen, aber keine bezahlbare Wohnung finden, in die sie ihren Hund mitnehmen dürfen.“

Auf eine schnelle Entspannung der Situation können die Tierheim-Mitarbeiter nicht hoffen. „Während der Ferienzeit schafft sich kaum eine Familie ein Haustier an“, weiß Geupel aus Erfahrung. Frühestens nach den Ferien glaubt die Tierheim-Leiterin, den Bestand wieder etwas verringern zu können.

Darum hofft die Einrichtung nun auch auf die Unterstützung aus der Bevölkerung, gerne finanziell, aber auch praktisch. „Ehrenamtliche Hilfe bei der Tierpflege können wir eigentlich immer gebrauchen“, sagt Geupel. Egal, ob beim Ausmisten, zum Gassi-Gehen oder für den Streicheldienst bei den Katzen. Jeden letzten Freitag im Monat ab 15 Uhr informieren die Tierheim-Mitarbeiter vor Ort Interessierte, wie sie sich engagieren können.

Sven Rieber

Münchner Tierheim

Riemer Straße 270,

Telefon 089/ 921 000-0,

www.tierheim-muenchen.de

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