Dogge Gretchen kann nach einer OP wieder unbeschwert mit ihrem kleinen Gefährten herumtollen.

Wenn es Besitzer mit der Bewegung übertreiben

Tiermedizin heute: Krank durch Sport

Fußballer können ein Lied davon singen: Eine falsche Bewegung, und der Sportler humpelt vom Feld. Auch Hunde sind gegen solches Unglück nicht gefeit.

„Beim Herumtollen mit einem anderen Hund sackte Gretchen auf einmal zusammen“, erzählt Mona Fischer über ihre vierjährige Dogge. „Später zog sie das Hinterbein hoch, um es zu entlasten.“ Die orthopädische Untersuchung in der Tierklinik Ismaning und eine Röntgenaufnahme bestätigten ihren Verdacht: Kreuzbandriss.

Sportverletzungen kommen bei Hunden häufig vor

Radfahren oder Joggen: Nicht jede Sportart ist für jeden Hund geeignet. Besitzer sollten auf die Leistungsgrenze ihrer Tiere achten

Oft liegt es nicht in der Macht der Besitzer, sie zu verhindern. Kreuzbandrisse werden in der Tierklinik mit einer Operation behoben, die die Geometrie im Kniegelenk so verändert, dass das Tier auch ohne Kreuzband schmerzfrei und stabil laufen kann und sich keine vorzeitige Arthrose entwickelt. Vielfach sehen die Tierärzte auch Hunde, die vom sportlichen Pensum, das ihnen ihre Besitzer zumuteten, schlicht überfordert waren, berichtet Dr. Klaus Zahn, Gründer der Tierklinik Ismaning. Vor allem bei noch nicht ausgewachsenen Hunden–die also je nach Rasse noch keine neun Monate oder noch kein Jahr alt sind– sind Sprünge, Sprints, abruptes Abbremsen und zu langes Laufen auf hartem Untergrund Gift für die noch weichen Knochen und Gelenke, ein schleichendes Gift: Denn während der Arzt im Kernspin bereits degenerative Erscheinungen erkennt, jagen die Tiere noch übermütig herum. Die Folgeschäden machen sich erst Monate oder Jahre später bemerkbar, wenn die noch jungen Tiere mit fortgeschrittener Arthrose, Frakturen, Knochenabsplitterungen im Gelenk oder Ermüdungsbrüchen im OP landen.

„Junge Hunde sollten erst einmal die Standardanweisungen wie Sitz, Platz, Bleib und Komm lernen, bevor sie mit den Besitzern im Freien toben oder sogar auf den Sportplatz gehen“, empfiehlt Klaus Zahn. Besonders bei großwüchsigen Rassen wie Berner Sennenhund oder Retriever, die genetisch zu einer Fehlentwicklung des Ellenbogens, der Ellenbogendysplasie, neigen, sollten Besitzer im ersten Jahr vorsichtig sein. Ausgewachsene Hunde freuen sich, wenn sie auf Spaziergängen oder bei Übungen auf dem Agility-Parcours körperlich und mental gefordert werden. Allerdings sollten ihre Besitzer die Leistungsgrenzen im Auge behalten. Übergewichtige Hunde sind nicht zu Spitzenleistungen fähig, bei ihnen müssen die Halter schrittweise für mehr Bewegung sorgen und die Ernährung umstellen. „Bei Jagdspielen mit schnellen Sprints und Stopps werden die Gelenke wiederholt mit einem Vielfachen des Körpergewichts belastet. Das sollten Hundehalter bedenken“, mahnt Zahn. Gleichmäßige, lockere Bewegungen fördern den Muskelaufbau ebenso wie leistungsbetontes Training, haben aber nicht das Risiko eines verfrühten Gelenkverschleißes.

Vorsicht beim Apportieren

Lina (li.) verletzte sich beim Spiel.

Hunderassen mit ausgeprägtem Jagdinstinkt lieben es, Gegenständen hinterherzujagen, die ihre Besitzer werfen. Dr. Sarah Kany von der Tierklinik Ismaning warnt vor der Verwendung von Stöckchen aus der freien Natur. „Wenn Hunde ein Ästchen mit dem spitzen Ende voran in der Luft fangen, kann es zu schlimmen Verletzungen kommen.“ So wie bei Hündin Lina. Der Labrador-Mix wurde mit einem 15 Zentimeter dicken Abszess im Hals eingeliefert. „Vermutlich hatte ein Stöckchen die Kehle durchbohrt. Ich musste den Abszess mit einem zehn Zentimeter langen Schnitt öffnen.“ Als geeignetes Apportier-Spielzeug empfiehlt sie ein Stück geflochtenes Seil. Auch Bälle seien ungeeignet, so Kany. Denn auch sie würden häufig von Hunden verschluckt, mitunter blieben sie sogar im Kehlkopf stecken.

Radfahren ist wie eine Jagd

Ausflüge mit dem Rad sind nur etwas für gesunde Hunde

Beim Herrchen am Fahrrad mitzulaufen, ist für Hunde so etwas wie eine spielerische Jagd im Rudel. Sie würden bis zum Umfallen rennen, wenn es der Rudelführer will. Durch zu hohes Tempo und zu lange Strecken können Tierbesitzer ihre Vierbeiner daher schnell überfordern. Bei Sommerhitze, ist der Kreislaufkollaps nicht mehr weit. Hunde können ihre Körpertemperatur nicht durch Schwitzen regulieren. Grundsätzlich gilt: „Ans Rad dürfen nur gesunde und ausgewachsene Hunde“, sagt Dr. Klaus Zahn. Wichtig sei immer der geeignete Untergrund. „Wer mit dem Hund per Rad oder Inline-Skates unterwegs ist, sollte darauf achten, dass das Tier neben der Fahrbahn auf weicherem Untergrund läuft“, rät der Chirurg. Asphalt sei auf Dauer nicht nur zu hart für die Gelenke, sondern im Hochsommer auch viel zu heiß und könne zu Brandblasen an den Pfoten führen.

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