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Zirkusdirektor Klaus Köhler und Schimpanse Robby in Robbys Gehege am Zirkus "Belly" in Celle (Niedersachsen).

Tierschützer vs. Zirkus-Familie

Tierrechtler bestürzt: Menschenaffe Robby bleibt im Zirkus

Schimpanse Robby ist der letzte Menschenaffe in einem Zirkus. Ob er auch seinen Lebensabend im Zirkus verbringen wird, bleibt aber fraglich.

Lüneburg/Celle - Für Zirkusdirektor Klaus Köhler ist die Entscheidung des Gerichts „das schönste Weihnachtsgeschenk“: Sein Schimpanse Robby muss doch nicht bis Ende des Jahres in eine Auffangstation umziehen, sondern darf weiter mit der Familie auf Tour gehen. „Robby ist eins von unseren Kindern, wir tun alles für ihn“, beteuert der 67-Jährige. Ob der betagte Affe allerdings auch seinen Lebensabend im Zirkus Belly verbringen wird, ist weiterhin fraglich. Denn seine Einzelhaltung ist tierschutzwidrig, stellten die Richter des Verwaltungsgerichts Lüneburg am Freitag in ihrem Beschluss im Eilverfahren unmissverständlich fest.

Menschenaffen gehören nicht in den Zirkus

Das Verwaltungsgericht in Lüneburg entscheidet über Robbys Zukunft, nachdem die Veterinärbehörden die Genehmigung zur Zirkushaltung nicht mehr verlängert hatten.

Für Robby hatte der niedersächsische Landkreis Celle nur eine Ausnahmegenehmigung erteilt, weil er seit fast 40 Jahren in enger Bindung zur Familie Köhler lebt. Allerdings wurde diese Genehmigung im Oktober nicht verlängert. Zuvor hatte die Tierrechtsorganisation Peta über Jahre hinweg mit der Kampagne „Rettet Robby“ für die Befreiung des letzten Menschenaffen in einem deutschen Zirkus gekämpft. Sogar die berühmte Affenforscherin Jane Goodall plädierte in einem von Peta verbreiteten Statement dafür, Robbys „kommerzielle Ausbeutung“ zu beenden. Die Auftritte des Schimpansen im Anzug auf einem Roller oder als Bällewerfer gehörten lange zu den Höhepunkten im Programm des kleinen Wanderzirkus. Jetzt darf der Direktor seinen Affen nicht mehr zur Schau stellen, wie der Landkreis anordnete. „Wir beschäftigen uns aber vier Stunden am Tag mit ihm“, sagt Köhler.

Der Schimpanse umarmt und krault Köhler, seine engste Bezugsperson. Anders als der fremde Besucher darf auch Pudelmischling Ted zu Robby. Der Affe legt sich auf den Rücken und tollt mit dem Hund herum. Im 25 Quadratmeter großen Außengehege wirft er einen Ball, den Ted zurückholt. Robby streichelt den braven Hund.

Eine vom Kreis Celle beauftragte Primatologin hat Robby eine Verhaltensstörung bescheinigt. Ihrer Auffassung nach sollte das Tier in der niederländischen Auffangstation für Schimpansen „Aap“ ein neues Zuhause bekommen. Schritt für Schritt könne er dort lernen, wieder unter seinesgleichen zu leben.

Der auf Wildtiere spezialisierte Veterinär Michael Böer hält dies für unmöglich. Er ist der Gutachter der Gegenseite. Robby sei in frühester Jugend sozial und sexuell auf den Menschen geprägt worden, meint der Direktor des Zoos Osnabrück. „Wenn man ihn mit Artgenossen zusammenbrächte, wäre das sein Todesurteil“, sagt Böer. Sollte Zirkuschef Köhler nicht mehr für ihn sorgen können, hält der Tiermediziner es sogar für sinnvoller, den Affen einzuschläfern, als ihn mit anderen Schimpansen zusammenzubringen.

Thomas Pietsch von der Tierschutzstiftung Vier Pfoten hingegen kritisiert die Entscheidung des Gerichts: „Wir sind enttäuscht, dass das Gericht dem letzten Menschenaffen in einem deutschen Zirkus ein Leben außerhalb des Zirkuskäfigs fürs Erste verweigert hat.“

Die endgültige Entscheidung über Robbys Zukunft ist in etwa einem Jahr zu erwarten, sagt Gerichtssprecherin Karola Hoeft. Nach Auffassung der Kammer ist noch nicht hinreichend geklärt, ob bei Robby eine erhebliche Vernachlässigung oder eine erhebliche Verhaltensstörung vorliegt. Nur dann wäre eine Entnahme aus dem Zirkus zulässig.

dpa

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