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Wird immer seltener: der Waldkauz. Er wurde daher zum Vogel des Jahres 2017 gekürt

Akte Tier

Tierschutz 2016: Wie geht es weiter?

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Auf der letzten Akte-Tier-Seite in diesem Jahr blicken wir auf einige der 2016-Themen zurück und fragen nach, was daraus geworden ist.

Der Höhepunkt 2016 – für die Seite Akte Tier in der tz war ganz klar die Goldene Ehrennadel für den Tierschutz – mit diesem Preis wurde die Seite Akte Tier vom Deutschen Tierschutzbund ausgezeichnet. Eine große Ehre, aber keine, auf der wir uns ausruhen, sondern ein Ansporn für viele weitere Seiten mit Informationen und Denkanstößen.

Tiger in Bayern

Was ist das Problem? Seit über 40 Jahren bietet das Raubtierasyl in Franken Tigern und anderen Raubkatzen aus Zirkussen oder schlechter privater Haltung ein Zuhause. Doch nun will der Besitzer das Grundstück verkaufen. Der Verein braucht dringend 600 000 Euro!

Wie ist die aktuelle Lage? Olaf Neuendorf, der Cheftierpfleger, sagte zu tz: „Bisher haben wir 95 000 Euro zusammen. Das ist ein positiver Anfang.“

Tierschutz-Tipp: Das Raubtierasyl besuchen, nächste Möglichkeit am 6. Januar.

Spatzen

Was ist das Problem? In den Städten werden für Vögel die Insekten als Futter und die Nistgelegenheiten knapp. Viele Spatzenkolonien zerfallen, wenn Häuser saniert werden und z.B. das Gebüsch abgeholzt wird, das die Vögel als Treffpunkt nutzen.

Wie ist die aktuelle Lage? „Der Spatz ist in diesem Sommer in Bayern auf die Vorwarnliste der bedrohten Arten gerutscht. Das ist sehr bedenklich“, sagt Sylvia Weber vom Landesbund für Vogelschutz.

Tierschutz-Tipp: Vor Gebäudesanierungen den LBV um Beratung bitten, damit Vögel und andere Wildtiere eine Überlebenschance in der Stadt haben.

Tierversuche

Was ist das Problem? Für Tierversuche sterben in jedem Jahr knapp drei Millionen Tiere, 47 Prozent der Tiere leiden und sterben für die Grundlagenforschung in Versuchen, die keinen konkreten Nutzen haben. 

Wie ist die aktuelle Lage? Die Anzahl der Mäuse und Ratten in der Grundlagenforschung hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Erschreckend: Auch die Zahl der Affen und Halbaffen, die verwendet wurden, stieg von 2848 auf 3141 Tiere. 

Tierschutz-Tipp: Gegen Tierversuche protestieren.

Massentierhaltung

Was ist das Problem? 770 Millionen Tiere, Schweine, Rinder und Geflügel werden jedes Jahr in Deutschland geschlachtet. Die allermeisten hatten ein unwürdiges Leben, auf zu engem Raum, mit zu vielen Artgenossen, ohne Freilauf und die Möglichkeit, sich artgerecht zu verhalten.

Wie ist die aktuelle Lage? Die aktuelle Initiative Tierwohl kann als gescheitert betrachet werden, nachdem Tierschutzverbände ihren Rückzug angetreten haben. Ihr Vorwurf: Es geht nur um ein Siegel, aber nicht um eine Verbesserung des Lebens von Millionen Tieren.

Tierschutz-Tipp: Beim Kauf von Fleisch, Eiern und Milchprodukten auf artgerechte Tierhaltung achten. Laut einer Tollwood- Umfrage, dem Festival, das komplett auf Biospeisen setzt, sind die Münchner bereit, für artgerecht hergestellte Lebensmittel auch mehr Geld auszugeben.

Wölfe

Was ist das Problem? Das Raubtier wird vom Jäger zum Gejagten. Immer mehr Bauern und auch Jäger stehen dem streng geschützten Tier skeptisch gegenüber, und so gibt es immer wieder Fälle von Wilderei. Die meisten jungen Wölfe sterben im Straßenverkehr, insgesamt sind es schon 100 seit ihrer Wiederansiedlung im Jahr 2000.

Wie ist die aktuelle Lage? In Deutschland sind geschätzt 350 Wölfe heimisch, auch in Bayern wurden schon zwölf Einzelexemplare gesichtet, zuletzt im November im Allgäu. Laut Wildtierexperten ist es eine Frage der Zeit, bis sich das erste Wolfspaar hier ansiedelt.

Tierschutz-Tipp: Auf Wolfsafari gehen oder Wolfsbotschafter werden. Infos unter: www.nabu.de.

Welpenwahnsinn

Was ist das Problem? Eine gut vernetzte Welpenmafia produziert vornehmlich in Ungarn, Bulgarien und Rumänien unter schrecklichsten Bedingungen Hundenachwuchs. Die Kleinen werden viel zu früh von ihrer Mutter getrennt und sind meist sehr krank. Die Tiere werden dann in Deutschland an ahnungslose Tierliebhaber verkauft.

Wie ist die aktuelle Lage? Gerade erst wurde nach einem Tipp der Organisation Vier Pfoten ein Händlerring bei Hamburg ausgehoben. Auch eine Tierärztin wurde verhaftet, sie hatte gefälschte Impfpässe ausgestellt. Nach einer aktuellen Statistik des Deutschen Tierschutzbundes verursacht jeder beschlagnahmte Welpe, der überlebt und im Tierheim aufgepäppelt wird, Kosten in Höhe von 2600 Euro, die oft die Tierheime bezahlen müssen.

Tierschutz-Tipp: Keine Welpen auf Märkten oder übers Internet kaufen. Immer die Züchter besuchen und die Muttertiere besichtigen. Infos: www.vier-pfoten.de.

2017 im Visier

Manchen Menschen sind Waldkäuze unheimlich. Ihr einsames Huuu-hu-huuu sorgt für Gänsehaut. Zum Brüten brauchen die Paare, die sich übrigens ein Leben lang treu sind, Höhlen in alten Bäume. Weil diese immer seltener werden, geht auch der Bestand der kleinen Eulenvögel zurück. Um auf die Not der Waldkäuze aufmerksam zu machen, hat der Naturschutzbund Deutschlands ihn zum Vogel des Jahres 2017 gekürt. Traditionell werden wir auf der Seite Akte Tier alle Jahrestiere 2017 in der ersten Ausgabe vorstellen.

von Susanne Stockmann

Schwertschrecke und Dickkopffalter: Bedrohte Tiere in München

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