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Grausame Quälerei: Immer noch sterben in Deutschland tausende Mäuse bei Tierversuchen von Pharmaunternehmen - obwohl es Alternativen gibt.

Sie leiden für unsere Sicherheit

Der Todeskampf der Botulinumtoxin-Mäuse

Es ist eine sinnvolle Vorschrift - alle Arzneimittel müssen auf ihre Sicherheit getestet werden. Doch in Deutschland bezahlen dies viele Tausend Mäuse mit dem Leben. Der Skandal: Es gibt Tests ohne Tierquälerei.

Sicherheit für deutsche Kosmetikprodukt-Kunden: Das bedeutet auch, dass für faltenfreie Haut in Deutschland abertausende Mäuse qualvoll ersticken. Ihnen wird das stärkste Gift, das es auf der Welt gibt, das Botulinumtoxin unter die Bauchdecke gespritzt. Die Dosis, bei der die Hälfte der Tiere stirbt, gilt als sicher für den Menschen. Der Skandal: Es gibt Tests ohne Tierversuche. Doch in Deutschland sterben weiter Mäuse.

Tierversuche sind bequemer für Pharmafirmen

Der Wirkstoff Botulinum wird immer noch von Bakterien hergestellt, daher schwankt die Intensität des Gifts von Charge zu Charge. Ein Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht reicht aus, um einen Erwachsenen zu töten. Da Botulinumtoxin nicht in Cremes verwendet wird, sondern unter die Haut injiziert wird, gilt es nicht als Kosmetikprodukt, sondern als Arzneimittel. Und wie Medikamente getestet werden müssen, ist im Europäischen Arzneibuch festgelegt. Vorgeschrieben sind die schrecklichen Tierversuche nicht. Doch wenn Pharmafirmen auf diese verzichten wollen, müssen sie ihre eigenen alternativen Testverfahren entwickeln und anerkennen lassen. Das ist teuer, aber möglich:

Deutschland hinkt hinterher

Der Marktführer, die US-Firma Allergan, testet sein Mittel bereits seit 2011 ohne Tierquälerei in den USA, seit 2012 gilt die Zulassung für die Tests auch für die Europäische Union. Der britische Hersteller Ipsen will ab nächstem Monat keine Mäuse mehr zu Tode spritzen. Nur die deutsche Firma Merz hinkt hinterher. „Das wird auch damit begründet, dass die Testverfahren der anderen Firmen nicht auf die Merz-Produkte übertragen werden können“, sagt die Tierärztin Christiane Baumgartl-Simons, die sich als Zweite Vorsitzende bei Menschen Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner engagiert: „Die Merz-Produkte enthalten andere Inhaltsstoffe und daher muss wohl anders getestet werden.“ Beim klassischen Giftigkeitstest LD50 bekommen die Tiere das Gift in die Bauchdecke gespritzt. Für jede Charge sterben 100 Mäuse. Das hat eine kleine Anfrage der Grünen in diesem Sommer im Bundestag ergeben.

Keine Ende in Sicht - Dank Botulinumtoxin -Boom

Der schreckliche Todeskampf der Mäuse kann sich über Tage hinziehen und ist im Internet in heimlich aufgenommenen Filmsequenzen dokumentiert. Die Mäuse leiden schwere Qualen mit Krämpfen, Lähmungen und Erblinden. „Schließlich ersticken die Tiere, weil das Gift ihr Zwerchfell lähmt“, so Baumgartl-Simons. Und das passiert Tag für Tag, denn ein Ende ist nicht in Sicht. Das Nervengift erlebt einen Boom. Auch Merz hat sich laut einer Pressemeldung zu den Unternehmenszielen vorgenommen, das „Potenzial seines Botulinumtoxins durch Indikationserweiterung gezielt auszubauen“. Denn das Mittel, das die Muskeln lähmt, ist nicht nur in der Schönheitsbranche der Renner. Mittlerweile darf es bei Migräne, bei übermäßigem Schwitzen, Schiefhals, Schielen, Tennisarm und anderen Krankheiten eingesetzt werden.

tz

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