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Die Hermannsdorfer Schweine dürfen draußen graben. In der Massentierhaltung kennen die Tiere nicht mal Stroh.

Tollwood präsentiert Umfrage-Ergebnis

Tierwohl - was ist es den Münchnern wert?

München - Münchner würden den Geldbeutel öffnen, wenn es Tieren hilft. Das ergab eine Umfrage für Tollwood, die heute veröffentlicht wird. Doch es gibt eine Schmerzgrenze.

Hand aufs Herz: Wer denkt in der Kantine vor der Currywurst an Schweine, beim Quarkdessert an Kühe oder beim Brotzeit-Ei an Hühner? Schmecken muss es, die Pause soll entspannend sein. Doch leckeres Essen und ein gutes Gewissen gegenüber Tieren müssen sich nicht ausschließen: In einigen Hundert Kantinen in München wird mit biologischen Zutaten gekocht, schätzt Rainer Roehl, der Betriebe beim Bio-Einstieg berät. Dass es viel mehr werden, hat sich das Tollwood-Team zum Ziel gesetzt und macht sich mit der Kampagne artgerecht für Nutztiere stark.

Warum? Darauf antwortet Stephanie Weigelt, bei Tollwood für das Thema Umwelt zuständig: „Tollwood steht für Kultur- und Lebensfreude. Dazu gehört auch, sich für die Um- und Mitwelt einzusetzen. Wer sich einmal mit dem Thema Tierhaltung beschäftigt hat und weiß, wie die Tiere in der Massentierhaltung leiden, der kann nicht anders, als sich zu engagieren.“ Werden Tiere artgerecht gehalten, steigen die Preise. In Umfragen sind 75 Prozent der Deutschen bereit, dafür bis zu 20 Prozent tiefer in die Tasche zu greifen. Auch Münchner würden den Geldbeutel öffnen, wenn es Tieren hilft. Das ergab eine Umfrage für Tollwood, die heute veröffentlicht wird. Der Vergleich zwischen biologisch und konventionell erzeugten Fleisch- und Milchprodukten zeigt, warum Bio das Geld wert ist.

Schmerzgrenze bei 5 €

Wenn der Küchenchef begeistert ist, wird Bio in der Kantine oder Großküche zum Erfolg. Das ist die Erfahrung von Rainer Roehl, Gründer der Firma a’verdis, die Unternehmen und Städte wie München zum Thema nachhaltiger Verpflegung berät.

Gibt es aus Ihrer Erfahrung eine Schmerzgrenze beim Konsumenten?

Rainer Roehl: In erster Linie spielen geschmackliche Qualität, Service und Ambiente eine Rolle. Geht es ums Essen, haben Bio, artgerechte Tierhaltung und Fairtrade aber einen immer wichtigeren Zusatznutzen. Fürs gute Gewissen ist man durchaus bereit, etwas mehr auszugeben. Die Schmerzgrenze liegt für ein regelmäßiges Mittagessen bei etwa fünf Euro in Kantinen und bei unter zehn Euro für den klassischen Mittagstisch der freien Gastronomie.

Ist man bereit, für seine Kinder mehr auszugeben als für sich selbst?

Roehl: In der Regel ja. Je kleiner die Kinder, desto größer die Sensibilität bei den Erwachsenen.

Um wie viel wird das Essen in der Kantine denn teurer?

Roehl: Meist wird man ja nicht alles komplett in Bioqualität anbieten. Zunächst geht es darum, einen Anteil von 20, 30 oder sogar 50 Prozent der Waren als Bioprodukt einzukaufen, also z.B. Getreide, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und eine Fleischart wie z. B. Schwein. Dazu eine einfache Beispielrechnung: Bei einem Verkaufspreis pro Essen von 4,50 Euro, rechnet man etwa 40 Prozent (1,80 €) als Wareneinsatz. Wenn zu 30 Prozent Bioprodukte eingesetzt werden, die im Einkauf um 70 Prozent teurer sind, dann erhöht sich der Wareneinsatz um 38 Cent und das Essen wird künftig 4,88 € kosten. Und so steigen die Kosten mit höherem Bioanteil der Waren.

Wie ist die Situation für Bio-Verpflegung in München?

Roehl: Vergleichbar mit der in anderen Großstädten. Allerdings hat München ein einmaliges Umfeld an Landwirten, Großhändlern und Verarbeitern von Bio-Produkten. Diese Auswahl an Lieferanten findet sich in keiner anderen Stadt, hier war man schon immer offen für das Thema Bio.

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