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Dieser Golden Retriever ist zu dick

Tiersprechstunde: Tipps zur richtigen Ernährung

Futtersünde Nummer 1

Den bittenden Augen, dem herzerweichendem Miauen kann man nur schwer widerstehen – und so gibt es halt noch ein Leckerli oder der Futternapf wird extra gut gefüllt.

Die Folge: Jede dritte Katze und jeder dritte Hund hat zu viel Speck auf den Rippen, schätzt der Bundesverband praktizierender Tierärzte. Übergewicht ist nicht harmlos, sondern kann Tiere krank machen. Über die richtige Fütterung sprach die tz mit dem Tierarzt Dr. Gregor Berg.

Was ist der größte Ernährungsfehler bei Tieren?

Dr. Gregor Berg: Die mit Abstand häufigste Krankheit, die durch falsche Ernährung hervorgerufen wird, ist Übergewicht. Es wird schlicht zu viel und oft auch minderwertiges Futter gegeben. Das liegt daran, dass die Angaben auf den Packungen nicht für jedes Tier passen und Besitzer beim Füttern eher zu großzügig sind. Bei vielen anderen Krankheiten kann man auch davon ausgehen, dass sie mit dem Futter zusammenhängen, aber es ist schwierig, dies zu beweisen. Was man jedoch ganz klar sagen muss: Jedes Tier, auch ein krankes, profitiert von hochwertigem Futter. Viele Krankheiten können positiv beeinflusst werden. Hier sollte man sich auf jeden Fall informieren und die Chance für sein Tier nutzen.

Was bedeutet hochwertig?

Berg: Man weiß heute ganz genau, was die Tiere brauchen, also z. B. so und so viel Prozent Proteine braucht der Hund, diese Menge Fett braucht die Katze. Diese Vorgaben erfüllen die Hersteller meistens auch. Ob das Futter von der Zusammensetzung her hochwertig und artgerecht ist, sieht man daran, woher die Proteine stammen: Ein sehr guter Rohstoff hierfür wäre Muskelfleisch. Oft jedoch wird Bindegewebe verarbeitet. Natürlich handelt es sich dabei auch um Proteine, sie sind jedoch von den Aminosäuren her ganz anders zusammengesetzt und werden daher vom Tier auch ganz anders verdaut und verwertet. Fleisch ist einfach hochwertiger und verdaulicher als Knorpel, Sehnen und anderes Bindegewebe, für die Hersteller aber auch teurer. Auf die Qualität der Zutaten wird von den Besitzern oft zu wenig geschaut, und das bedeutet dann, dass die Tiere nicht immer das bekommen, was sie natürlicherweise bräuchten.

Was ist eine häufige Frage von Tierbesitzern?

Berg: Sehr oft melden sich Halter und sagen: „Mein Tier kratzt sich häufig. Es hat wohl eine Hauterkrankung. Kann man da was machen?“ Meine Antwort lautet immer: „Ja, klar.“ Man kann da sehr gut gegensteuern. Häufig zeigen sich Allergien auf bestimmte Nahrungsmittel auf der Haut. Oft haben Tiere auch Verdauungsprobleme, also Durchfälle oder ein Hund muss mehrmals am Tag sehr viel Kot absetzen. Da stimmt dann oft der Rohfasergehalt oder der Kohlehydrateanteil im Futter nicht. Auch Nierenprobleme und Harnsteine sind häufige Diagnosen, und auch da kann man mit dem richtigen Futter einen großen Einfluss nehmen.

Ist es je zu spät, beim Tier auf die Ernährung zu achten?

Berg: Natürlich ist es besser, von Anfang an auf hochwertiges Futter zu achten. Gerade für Welpen ist es sehr wichtig, dass sie auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ernährt werden. Leider sind einige Produkte, die für Welpen angeboten werden, gar nicht für junge und noch wachsende Tiere geeignet, weil zum Beispiel der Calcium-Anteil viel zu hoch ist. Man sollte nicht blind den Angaben der Hersteller vertrauen. In meiner Praxis sehe ich natürlich viele ältere Tiere, die Probleme haben. Meiner Erfahrung nach lohnt sich eine Futterumstellung immer, manchmal ist sie sogar unbedingt nötig: Denn bei älteren Tieren zum Beispiel ändert sich der Energiebedarf: Die Muskelmasse verringert sich, die Tiere bewegen sich weniger – sie brauchen bis zu einem Drittel weniger Energie. Der Darm wird träger, das Futter wird nicht mehr so gut verdaut. Es braucht dann ein Futter mit höherem Rohfasergehalt, damit der Darmmuskel zur Bewegung angeregt wird.

Dr. Gregor Berg arbeitet als Tierarzt bei pets Premium und hat eine Praxis für Ernährungsberatung in Runding im Bayerischen

Die Spürnasen für gutes Futter

Es ist nichts so, dass ein Mitarbeiter unbedingt einen Hund haben muss. „Das ist kein Einstellungskriterium“, beteuert Marco Hierling (31), der zusammen mit Wolfram Zentner (46) vor zweieinhalb Jahren in München die Firma pets Premium gegründet hat. Aber sagen wir mal so: Es erleichtert die Arbeit schon, bei der es in erster Linie darum geht, eine Spürnase für gutes Futterzuhaben.Außerdem ist es gut fürs Betriebsklima, findet Hierling: „Mir kommen die besten Ideen, wenn ich mir mal ein paar Minuten Zeit nehme, um mit einem unserer Bürohunde zu spielen.“

Wolfgang Zentner mit Spaniel und Marco Hierling mit Golden Retriever inmitten ihres Teams.

Der Betriebswirt Hierling und der Unternehmer Zentner lernten sich als Leidensgenossen kennen: Beide hatten Hunde, die krank waren. Beide waren der Meinung, dass ihre Tiere durch falsches Futter krank wurden. Und beide waren auf der Suche nach Alternativen. Sie forschten, was gutes Futter ausmacht und wo es welches geben könnte. Hierling: „Meine Mutter und ich entschlossen uns sogar, zwischenzeitlich für unseren Hund selbst zu kochen.“ Ihr vorher übergewichtiger Golden Retriever Nick nahm ab, die Gelenkbeschwerden und Unverträglichkeitsreaktion besserten sich, er wurde wiederfitterunderlebte noch schöne Jahre. Auch Zentners Labrador Amigo konnte sich deutlich erholen.

Für Hierling und Zentner war eine Geschäftsidee geboren: Ihre Firma prüft nun am Markt erhältliche Futtermittel, ob sie dem natürlichen Bedarf der Tiere wirklich gerecht werden, und verkauft nur die Produkte in ihrem Laden und Online-Shop, die ihren qualitativen Ansprüchen genügen. Die Kriterien klingen gar nicht so hoch angesetzt – und doch fallen viele herkömmliche Futtersorten durch. Oberste Maxime: Das Futter muss von hochwertiger Qualität sein – die Zutaten nach Möglichkeit Lebensmittelstandards einhalten – und es muss von der Zusammensetzung für die Tiere geeignet sein, also mit hohen Fleischanteil und im Idealfall getreidefrei sein. Schließlich sollte auf der Packung deutlich erkennbar sein, was das Futter enthält.

Wo es möglich ist, fahren die Geschäftsleute zu den Herstellern und schauen sich die Futterproduktion an. Ein K.o.-Kriterium ist zum Beispiel, wenn auf der Verpackung „tierische Nebenerzeugnisse“ angegebensind.„ Daskönnenauch Haut oder Klauen und Federn sein“, sagt Hierling, „Und so was hat im Futter nichts zu suchen.“ Wenn er über ein Katzenfutter liest, dass es „pflanzliche Nebenerzeugnisse (beispielsweise aus Weizen, Mais oder Reis)“ enthält, dann ist ihm klar, dass es in die Mülltonne und nicht in den Futternapf gehört: „Katzen sind reine Fleischfresser, die brauchen kein Getreide, schon gar keine Reste aus dessen Verarbeitung.“ Besondersschockiertihn, dass sogar oftmals Zucker und Geschmacksverstärker im Tierfutter verarbeitet werden: „Die Tiere gewöhnen sich an den Geschmack, und es ist wirklich schwierig, sie auf gesundes Futter umzustellen.“ Ihn wundert es mittlerweile nicht mehr, dass viele Tiere an den gleichenZivilisationskrankheiten wie Menschen leiden – an Übergewicht, Gelenksproblemen und Allergien: „GutesEssentutMenschen und Tieren gut, schlechtes Essen schadet. So einfach ist das.“

- Wer Probleme mit seinem Tier hat oder nicht weiß, was er füttern soll, kannbeipetsPremiumkostenfreianrufen. Infosunter: www.petspremium.de

Telefon: 089/809 11 56 50

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