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Die Hybridkatzen brauchen Platz.

Tierschützer warnen vor Hybridkatzen als Qualzüchtung

Trend aus USA: Tiger für daheim

Historische Knochenfunde belegen, dass schon unsere Vorfahren aus der Steinzeit, Wildkatzen gut gekannt haben müssen. Heute jedoch ist die Wildkatze ein eher unbekanntes Wesen – scheu und verborgen leben etwa 5000 bis 7000 Exemplare in deutschen Wäldern.

Den Menschen angeschlossen haben sich die Falbkatzen in Ägypten erstmals vor rund 9500 Jahren. Diese Tiere wurden verehrt, und es war strengstens verboten, sie auszuführen. Weil dem Menschen jedoch schon immer der Sinn nach Exotischem stand, schmuggelten die Phönizier und die Römer einzelne Exemplare außer Landes. Mittlerweile sind die Hauskatzen vielen Menschen zu brav geworden – ihnen steht der Sinn nach etwas Wilderem: Der Trend, Wildkatzen mit Hauskatzen zu kreuzen, stammt aus den USA. Während Züchter von den intelligenten Hausgenossen schwärmen, warnen Tierschützer vor diesen Qualzüchtungen.

Starke Faszination

Wilde Katzen üben auf viele eine starke Faszination aus“, sagt Marcus Skupin, Katzenexperte und Buchautor aus dem westfälischen Dorsten. Vor allem die Fellzeichnung, die über Tupfen bis hin zu Streifen zahlreiche Spielarten aufweist, ziehe die Menschen in ihren Bann. „Weil es aber offensichtlich schwierig ist, einen Leoparden im Wohnzimmer zu halten, experimentierten die Züchter, um das wilde Aussehen mit Zahmheit zu verbinden.“ Weil die Tiere bis zu 10 000 Euro kosten, halten manche sie als Statussymbol: „Eine denkbar schlechte Motivation“, findet Skupin.

Die bekanntesten Katzenhybride sind die Bengalen, eine Verpaarung aus asiatischer Wildkatze mit der Hauskatze. Andere Züchtungen heißen Savannah, Bristol, Caracat oder Tilaran. Allen gemeinsam ist, dass eine männliche Wildkatze mit einer Hauskatze gekreuzt wird.

Die Verpaarung ist für die Katze gefährlich

Die Verpaarung ist für die Katze gefährlich, häufig werden die Weibchen beim Sex durch den Genickbiss schwer verletzt oder sterben sogar. Auch die Zeit der Trächtigkeit und der Geburt ist für die Katze voller Risiken, da die Welpen meist zu groß für die Mutter sind. Heidi Bernauer-Münz, Vorsitzende der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, spricht daher von einer Qualzucht.

Während sich die Bengalkatze mit drei bis sechs Kilo und einer Schulterhöhe von 20 bis 30 Zentimeter kaum von einer Hauskatze unterschiedet, können Savannahhybride bis zu zwölf Kilo auf die Waage bringen und einen halben Meter groß werden. NebendemtypischenWildtierfell sind die Mischlinge in der Regel sehr muskulös und haben einen großen Bewegungsdrang. „Halter müssen damit rechnen, dass die Tiere Wildtiereigenschaften zeigen“, warnt Bernauer-Münz. Sie seien häufig scheu, nachtaktiv und lebten als Einzelgänger: „Die artgerechte Haltung einer solchen Katze in privater Hand ist kaum machbar und daher abzulehnen.“

Katzenkenner Skupin sagt, je mehr Generationen seit der Ursprungspaarung mit dem Wildtier vergangen seien, desto einfacher sei die Katze zu halten. Ab der fünften Generation beträgt der Wildtieranteil nur mehr 1,6 Prozent. Dennoch: „Spätestens ab der Geschlechtsreife merken die Menschen durch Harn- und Kotmarken sowie deutliche Kratzspuren an Wänden und Möbeln, dass sie ihre Hybridkatzen nicht einfach im Wohnzimmer halten können.“ Die Tierärztin Bernauer- Münzsagtabschließend: „Unsere Hauskatzen sind wild und interessant genug.“

SUSANNE STOCKMANN

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