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Tapfere Susa: Das Berühren dieser Gummispinne kostet die Studentin bereits größte Überwindung

tz-Test im Zoo: Training gegen Angst vor Spinnen

München - Der Tierpark Hellabrunn bietet neuerdings ein Anti-Angst-Training gegen Spinnen an. Studentin Susanne „Susa“ Hartung (21) hat für die tz mitgemacht.

In der Nacht vor dem Kursus hat Studentin Susanne „Susa“ Hartung (21) schlecht geschlafen. Kein Wunder. Nie hatte sie auch nur in Erwägung gezogen, sich diesen Tieren freiwillig zu nähern. Allein schon wegen der haarigen Beine: „Einfach eklig!“ Heute aber ist der Tag, an dem sich Susa ihrer Angst stellen wird. Weil sie nicht mehr länger in Panik verfallen will, bloß weil eine Spinne an der Wand sitzt. Und auch, weil sie sich selbst beweisen will, dass sie sich überwinden kann. Darum sitzen Susa und zwei Mitstreiter heute mit Herzklopfen, kalten Händen und gemischten Gefühlen in der Zooschule. Willkommen beim Anti-Angst-Training gegen krabbelndes oder kriechendes Getier – das neue Angebot im Tierpark Hellabrunn.

Erarbeitet wurde das Kursprogramm von vier Frauen. Leiterin ist Ursula „Uschi“ Riedinger, die neben Tierpfleger- und Ranger-Ausbildung in den USA auch die Heilpraktiker-Ausbildung für Psychotherapie absolvierte – so wie ihre Kolleginnen Viola Richter, Eva-Maria Börsch und Andrea Sporer. Gestandene Frauen alle vier, die aus ihrer Praxis wissen, zu welch hohen Wänden sich unbehandelte Ängste auftürmen und Menschen regelrecht gefangen nehmen können. Jeder reagiert auf Angst anders – mit Angriff, Flucht oder innerer Starre. Riedinger: „Der Mensch kann stets nur eine Reaktion zeigen. Darum macht es keinen Sinn, wenn man einem in Panik Flüchtenden hinterherruft: Es ist nicht gefährlich!“

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Vor der ersten Konfrontation mit dem achtbeinigen Todfeind stehen diverse Entspannungsübungen. Susa atmet tief, steht auf und nähert sich zögernd der schwarzen Gummispinne auf Eva-Maria Börsch’ ausgestreckter Hand. Nach zehn Minuten nimmt sie die große Gummi-Spinne tapfer auf die Hand. Und ist sehr stolz auf sich. Durchatmen, Wasser trinken, ein Stück Schokolade essen. Das beruhigt Flatter-Nerven.

Und dann wird’s ernst: Die abgelegte Haut einer Vogelspinne ist dem lebendigen Tier dermaßen ähnlich, dass Susa Herzrasen kriegt. Über ihre heftige Reaktion ist sie selbst erstaunt. Mit ständiger Unterstützung der Therapeutinnen gelingt es der Studentin, das Tier zunächst auf Abstand und immer näher zu betrachten, sogar ein wenig Faszination für dieses Wunder der Natur zu entwickeln. Und am Ende – („Das hätte ich nie gedacht“) nimmt Susa auch die Haut auf die Hand. Applaus von der Gruppe. Susa flitzt zurück. Geschafft!

Noch mal eine kurze Entspannung. Dann zieht die Gruppe um ins Dschungelzelt. Dort wartet Tierpfleger Norbert Schachner mit seinem enormen Wissen, großer Ruhe und jeder Menge Angstpotenzial in kleinen Terrarien. Als Vorübung präsentiert er heute Houdini, das Königsphyton-Baby. Mit Schlangen hat hier keiner ein Problem. Also Vorhang auf für Agathe, die Hellabrunner Therapie-Vogelspinne. Sie ist es gewohnt, angefasst zu werden. Allein ihr Körper misst acht Zentimeter. Damit ist sie um ein Vielfaches größer als jede heimische Spinne, der man in unseren Breitengraden je begegnen wird. Susas Mitstreiter nehmen die federleichte Agathe nach einiger Zeit auf die Hand, fühlen ihre sanft tastenden Wattestäbchen-Beine mit den kleinen Krallen vorne dran.

Susa möchte Agathe lieber nicht berühren. Ihr Ziel nämlich hat sie längst erreicht: Nicht mehr sinnlos in Panik zu geraten. Und wenn sich beim nächsten Picknick ein Spinnchen auf die Decke verirrt, wird Susa zu Glas und Teller greifen – aber nicht, um es zu ermorden: „Sondern um es vorsichtig zu fangen und auszusetzen.“ Wenn das kein Erfolg ist…

Weitere Infos unter Telefon 089/62 50 834 oder bei www.tierpark-hellabrunn.de.

Dorita Plange

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