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13 Millionen Tonnen Plastikmüll landen in den Ozeanen, sammeln sich vor den Küsten und quälen die Meeresbewohner.

Experten-Interview

Überfischung, Müll, Raubbau: Das Meer kann nicht mehr

Bedrohtes Paradies: Die Erde ist bekanntermaßen ein blauer Planet – 71 Prozent der Oberfläche sind mit Wasser bedeckt.

Das entspricht einer gigantischen Fläche von über 360 Millionen Quadratkilometer, unter der sich eine Menge versteckt. Traumhafte Unterwasserlandschaften mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt, aber auch unglaublich viel von Menschen gemachter Müll und Zerstörung. Raubbau an Rohstoffen und Fischbeständen, Verschmutzung durch Lärm und Schiffe – das Meer kann nicht mehr. Das Tollwood-Sommerfestival möchte auf die Not der Ozeane aufmerksam machen. Unsere Redaktion sprach darüber mit der Meeresbiologin Dr. Sandra Schöttner von Greenpeace.

Gibt es irgendwo noch die heile Welt unter Wasser?

Sandra Schöttner

Dr. Sandra Schöttner: Ja, die gibt es. Aber gleichzeitig gibt es kein Fleckchen mehr, das nicht von Mikroplastikverseucht ist. Inder Arktis, in der Tiefsee, im Great-Barrier-Reef – man findet es an den entlegensten Orten. Selbst auf Spitzbergen türmt sich der Müll. Auch die Überfischung ist weltweit zu spüren. Die berühmten Korallenriffe Indonesiens scheinen noch einigermaßen unbeeinflusst. Aber auch da spürt man schon die Auswirkungen des Klimawandels und von El Nino.

Die Meere gehören zum größten Teil allen, ist das ihr größtes Problem?

Ein Hammerhai, der als Beifang in einem Netz verendete

Schöttner: Die Zwölf-Meilen-Zone der Küstengewässer ist ja nationales Hoheitsgebiet. Die 200-Meilen-Zone, die sogenannte Wirtschaftszone, steht noch unter nationaler Hoheit, ist aber schon internationales Gewässer. Jenseits dieser Grenze sind die Meere Allgemeingut, aber so verhält sich keiner. Die hohe See ist der Wilde Westen, sie ist nach wie vor nicht durch entsprechende Regularien geschützt. Kontrollen fehlen komplett.

Was könnte den Meeren helfen?

Schöttner: Wir fordern Meeresschutzgebiete weltweit. Die Meere brauchen Bereiche, wo sich die Natur sich selbst überlassen bleibt und sich von sämtlichen Einflüssen erholen kann. Klimawandel und Verschmutzung kennen natürlich keine Grenzen. Aber man muss dafür sorgen, dass Fischerei, Rohstoffabbau und Lärm durch militärische Übungen in diesen Schutzgebieten verboten werden. Das ist ja in unserem eigenen Sinn – damit wir in den nächsten Jahren noch was von den Meeren haben.

SUS

Tollwood: Das blaue Wunder erleben

Das diesjährige Sommerfestival von Tollwood steht unter dem Motto Dein blaues Wunder – eine Ahnung davon können die Besucher in der mit Greenpeace gestalteten Thunfischdose bekommen. Meeresbiologin Dr. Sandra Schöttner von Greenpeace: „Dem Besucher soll das Herz aufgehen. Wir möchten die Schönheit dieser faszinierenden Welt unter Wasser zeigen, aber wir wollen natürlich auf Probleme aufmerksam machen.“

Drei wichtige aktuelle Themen stehen im Fokus:

  • Die Überfischung am Beispiel der Thunfischbestände, die durch den weltweiten Sushi-Trend befeuert wurde. Aber es geht generell nicht nur darum, dass zu viel gefangen wird, sondern auch um Fangtechniken und den Beifang. Haie, Delfine und auch Schildkröten landen in den Netzen oder an Langleinen und gehen zugrunde.
  • Ein Thema, das immer mehr in den Fokus rückt, ist das Thema Müll. 13 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jedes Jahr allein von Land aus in die Weltmeere. Schöttner: „Selbst Plastikmüll aus München und Umgebung gelangt über die Flüsse ins Meer. Es ist uns wichtig, dass wir nicht nur mit dem Finger auf Asien oder Afrika zeigen, auch wir in Deutschland sind ein Teil des Problems.“ Eine Tüte fliegt weg, bleibt irgendwo hängen und wird durch mechanische Reibung und UV-Strahlung zerkleinert und schließlich in kleinen Fetzen und Partikeln flussabwärts ins Meer bewegt.
  • Das dritte wichtige Thema für die Tollwood-Aktion ist das Thema Ölförderung, die nicht nur auf dem offenen Meer, sondern auch vor den Küsten Deutschlands stattfindet. Von der Ölfirma Dea liegt der Antrag vor, die Ölförderung im Nationalpark Wattenmeer zu erlauben. Das Fördergebiet liegt nicht nur direkt vor unserer Haustür, sondern sogar mitten im Unesco Weltnaturerbe Wattenmeer. Schöttner: „Es gibt tatsächlich Landesumweltminister, in diesem Fall die Minister von Niedersachsen und Schleswig Holstein, die diese Erlaubnis erteilen möchten.“

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