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Gesucht: Mehlschwalben in München

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Von: Susanne Stockmann

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Eine Mehlschwalbe an einer Pfütze
Mehlschwalben sind klassische Dorf- und Stadtbewohner. Doch sie werden immer seltener, auch weil ihnen Lehm als Baumaterial für ihr Nest fehlt. © Mathias Schäf

Sie gelten als Glücksbringer, sind aber bei vielen Hausbesitzern unbeliebt: Schwalben. Die Zugvögel haben es schwer, in der Stadt geeignete Brutmöglichkeiten und genügend Insektennahrung für den Nachwuchs zu finden. Der Landesbund für Vogelschutz möchte Mehlschwalben gezielt helfen und bittet daher alle Münchnerinnen und Münchner darum, in diesem Sommer die Augen offen zu halten und Nester zu melden!

Mehlschwalben sind treue Sommergäste: Zwar wechseln sie ganz gern mal den Partner, aber zu ihrem Sommernest kehren sie immer verlässlich zurück! Dies möchte sich die Münchner Vogel-Expertin Sylvia Weber vom Landesbund für Vogelschutz zunutze machen und die Frage klären: Wie viele Schwalben brüten überhaupt noch in München? „Mehlschwalben sind typische Stadtbewohner, haben es aber zunehmend schwer, geeignete Brutmöglichkeiten und genügend Insekten als Nahrung zu finden“, so Sylvia Weber: „Wir rufen alle Münchner dazu auf, uns Nester von Mehlschwalben zu melden!“ „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ heißt es, aber eine weitere Bauernregel besagt: „Ist Marien (der Mai) schön und klar, naht die ganze Schwalbenschar“. Jetzt kommen die Zugvögel zurück von ihrer mehrere tausend Kilometer langen Flugreise aus dem südlichen Afrika. Sie hoffen, dass ihr Sommerquartier die lange Abwesenheit gut überstanden hat, und, falls eine Renovierung ansteht, das dafür nötige Baumaterial bereitsteht. „Schwalben benötigen Lehm zum Bauen“, so Sylvia Weber: „Ein Nest kann aus bis zu 1000 kleinen Lehmklumpen bestehen.“ Jeder einzelne muss aus der Pfütze geholt, zum Nest geflogen und dort angeklebt werden, eine „bauliche Meisterleistung“! Doch offener Boden wird in der Stadt immer rarer. Knapp 70 Mehlschwalbenhäuser sind dem LBV in der Stadt München bisher bekannt, aber jedes Jahr werden Nester porös oder fallen gleich ganz von der Wand. Finden die fliegenden Baumeister keinen Lehm zum Ausbessern, müssen sie zwangsläufig umziehen. Beliebt sind dann Häuser in der Nähe von Baustellen, wo das Nestbaumaterial direkt in der Baugrube lagert. Gefragt sei keine „Schuhschachtel-Architektur mit flachen Dächern“, sondern traditionelle Häuser mit Dachüberständen.

LBV bittet um eine E-Mail mit der Schwalbenadresse

Leider sind die tierischen Sommergäste, die früher als Glücksbringer galten, immer weniger willkommen: „Viele Menschen haben Angst vor verschmutzten Hauswänden oder Kot am Boden unter den Nestern“, so Sylvia Weber, die bedauert: „Da werden die Schwalben dann mit allen möglichen Mitteln vergrämt.“ Menschen sind eben widersprüchlich: Jeder mag die Natur, aber nicht, wenn sie um einen herum die Ordnung stört. Dabei machen sich Schwalben sehr nützlich: Während einer Brut, bei der drei bis fünf Jungvögel aufgezogen werden, vertilgt die hungrige Familie insgesamt ein Kilo Insekten. „Bauern schätzten die Schwalben früher an ihren Ställen, weil sie das Vieh vor den Mücken und Fliegen schützten“, so Weber. Weil Insekten je nach Luftdruck höher oder niedriger fliegen, wurden die jagenden Vögel zu Wetterpropheten: „Siehst du die Schwalben niedrig fliegen/wirst du Regenwetter kriegen!“ Mehlschwalben sind Familientiere: Die Eltern ziehen jeden Sommer zwei Bruten auf. „Nicht selten helfen die Jungen der ersten Brut bei der Aufzucht der jüngeren Geschwister“, so Sylvia Weber. Selbst wenn alle ausgeflogen sind, kommen Jungvögel nochmal zurück, um ein bisschen Nestwärme zu genießen. Im Spätsommer gilt: „Wenn die Schwalben jetzt schon ziehn, sie vor naher Kälte fliehn“, spätestens jedoch am 8. September werden die meisten Nester verlassen: „Am Tag Mariä Geburt, ziehen die Schwalben furt!“

Für die Volkszählung der Mehlschwalben braucht der LBV die Unterstützung aller Münchner. Nester mit genauer Adresse bitte melden unter folgender E-Mail-Adresse sylvia.weber@lbv.de. Das Projekt wird vom Münchner Referat für Klima- und Umweltschutz gefördert.

Vorsicht Verwechslungsgefahr

Ein Mauersegler im Flug.
Der Mauersegler im Flug: Er hat ein dunkles Gefieder, die Flügel sind Sichelförmig © LBV
Rauchschwalbe am Nest.
Rauchschwalben haben im Gegensatz zu Mehlschwalben eine rotrote Kehle und Stirn. © Erhard Nerger/Imago

Mehlschwalben, Rauchschwalben und auch Mauersegler sind wahre Luftikusse und sehen sich auf den ersten Blick recht ähnlich. Folgende Merkmale helfen bei der Unterscheidung. Rauchschwalben haben im Gegensatz zu Mehlschwalben eine dunkelrote Kehle und Stirn, und sie nisten innen, z.B. in Ställen; Mehlschwalben kleben ihre kugeligen Nester mit kleinem Einschlupfloch an Außenwände, direkt unters Dach. Nur die Rauchschwalben haben den langen gegabelten Schwanz, bei den Mehlschwalben ist der Schwanz nur leicht gegabelt wie ein „W“. Im Flug haben auch Mauersegler eine schwalbenähnliche Form, allerdings ist ihr Gefieder bis auf eine weißliche Kehle dunkel (im Gegensatz zum hellen Schwalbenbauch), die Flügel sind deutlich sichelförmig.

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