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Von oben, von unten, von innen: Neue Ausstellung beim Ebersberger Kunstverein

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Von: Peter Kees

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Melanie Siegel (li.) und Christina Kirchinger stellen im Klosterbauhof aus.
Melanie Siegel (li.) und Christina Kirchinger stellen im Klosterbauhof aus. © Peter Kees

„Yonder“ heißt die Ausstellung, in der der Ebersberger Kunstverein im Klosterbauhof Bilder von Melanie Siegel und Christina Kirchinger zeigt. Vernissage ist am 15. Juli.

Ebersberg – Die Frage nach der Malerei, ob es heutzutage überhaupt noch Sinn mache, den Pinsel in die Hand zu nehmen, beantwortet Melanie Siegel mit einem überzeugten „Ja“: „Auf dem Viereck kann ich machen, was ich will.“ Gemeinsam mit Christina Kirchinger stellt die Münchner Malerin ab Freitag, 15. Juli, beim Ebersberger Kunstverein aus. Beide Künstlerinnen zeigen in ihrer Schau „Yonder“ Bilder, die auf Gesehenes zurückgehen, sich allerdings weit davon entfernen. Bilder, sich von der Realität lediglich inspirieren lassen, sie abstrahieren und auch infrage stellen.

Ausstellung in Ebersberg: Inspiriert von der Realität

Die Regensburgerin Kirchinger erklärt das so: Eine ihrer abstrakten Radierungen gehe auf ein Fenster zurück, das sie einmal gesehen habe, in dem ein Vorhang leicht im Wind wehte. Tatsächlich deutete sich diese Realitätsspur beim Betrachten des Bildes an, zumindest wenn man es vermittelt bekommt. Doch die Lesart ist Nebensache, das Bild öffnet ganz andere Räume, zarte, feine, ästhetisch höchst anspruchsvolle. Zu sehen: sensible Schichtungen. Das Blatt Papier ist durch die Drucktechnik sanft dreidimensional geworden.

Ausstellung im Klosterbauhof.
Bilder von Melanie Siegel (Mitte) und Christine Kirchinger (li. und re.). © Peter Kees

Christina Kirchinger interessiert sich für die Struktur von vom Menschen gebauten Räumen. Sie spricht von Tiefe, von verschiedenen Realitätsebenen, von der Räumlichkeit in der Fläche, vom räumlichen Gerippe eines Ortes, vom Daliegen des Raumes, der eine schier endlosen Weite andeutet.

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Um ein Spiel, eine Diskussion mit der Wirklichkeit geht es auch bei Melanie Siegel. Sie arbeitet – im Gegensatz zu Kirchinger – mit Farbe und zeigt etwas, was ein Altmeister der Malerei so nie gesehen haben kann: einen Blick auf die Welt von oben, wie er erst mit dem Fliegen möglich wurde.

Unterschiedliche Räume aus unterschiedlichen Perspektiven

Heute ein eher alltäglicher Blick, zumindest im Internet: Landschaften festgehalten von Drohnen. Und genau darum geht es hier: um Landschaftsmalerei in zeitgenössischer Form. Deshalb die Vogelperspektive.

Auch Siegel interessiert sich für den Raum, in den der Mensch eingegriffen hat: Naturräume sind zu sehen, auf denen etwa ein Tennisplatz von oben abgebildet ist, ein Schwimmbecken oder verschiedene Gebäude. Ein Haus, das irgendwo in Frankreich tatsächlich steht, hat die Malerin in die Natur versetzt.

Auch wenn ihre Bilder fast fotorealistisch wirken, es geht immer um konstruierte Welten, auch um eine Infragestellung unserer Welt. „In was für einer Welt leben wir? In was für einer Welt wollen wir leben?“: So formuliert die in Freiburg geborene und an der Akademie der Bildenden Künste München studierte Siegel eine ihrer Grundfragen.

Begegnung mit dem Anderswo

„Yonder“, der Titel der Ausstellung, bedeutet so viel wie „jenes dort“ und soll als Verweis auf ein Anderswo verstanden werden – auf andere Realitätsebenen, auf andere Räume auch im Geist.

Ja, den beiden Künstlerinnen, die mit der Ebersberger Ausstellung ihre dritte gemeinsame Schau realisieren, geht es mit ihrem Erkunden von Räumen, von Orten, die von Menschen geschaffen wurden, durchaus um eine Infragestellung der Wirklichkeit. Bemerkenswert: Ein Mensch ist auf keinem der Bilder zu sehen, weder auf Siegels bühnenartigen Inszenierungen noch in Kirchingers weiß-schwarz-gräulichen Abstraktionen, die übrigens niemals ein Unikat sind, denn es gibt immer eine kleine Auflage davon.

Vernissage am 15. Juli - Ausstellung bis 7. August

Melanie Siegel hat recht, auf den Vierecken darf man machen, was man will. Man darf Fragen stellen, das eigene Innere in den Außenraum übertragen. Und man darf imaginieren. Die Malerin wechselt übrigens manchmal aus der Vogelperspektive in die Ich-Perspektive. Mag variantenreicher sein. Der strenge senkrechte Blick von oben ist allerdings stärker, klarer, auch befremdlicher und damit überzeugender.

Dass ihre Werke mit denen von der in Regensburg studierten, derzeit in Kunsttheorie promovierenden Christina Kirchinger wunderbar harmonieren, sich ergänzen, in gegenseitigen Dialog treten, ist ein großes Plus der Ausstellung und schafft für den Betrachter weitere Geistesräume, die Emotionen und Gedanken anregen können.

Die Eröffnung der Ausstellung „Yonder“ von Christina Kirchinger und Melanie Siegel im Ebersberger Kunstverein (Im Klosterbauhof 6 zu Ebersberg) ist am Freitag, 15. Juli, um 19 Uhr. Zu sehen ist die Schau bis zum 7. August. Öffnungszeiten sind freitags von 18 bis 20 Uhr sowie an den Samstagen und Sonntagen von 14 bis 18 Uhr.

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