"Könnten doch die Tiere nur reden"

Das wären die Wünsche der Gut-Aiderbichl-Tiere

München - Die Tiere vom Gnadenhof Gut Aiderbichl sollen uns an ihre leidenden Artgenossen erinnern. Hier lesen Sie, was sie sich wünschen würden.

„Könnten doch die Tiere nur reden“, das hat sich Michael Aufhauser, der Gründer von Gut Aiderbichl, schon oft gewünscht. Seit 13 Jahren bieten seine Gut-Aiderbichl-Höfe Zuflucht, allein im vergangenen Jahr wurden 500 Tiere neu aufgenommen, insgesamt leben nun über 6000 gerettete Rinder, Pferde, Schweine, Hühner, Ziegen, Gänse und viele Arten mehr auf 26 Höfen. Sie alle wären schon längst tot. Getötet, weil sie nutzlos geworden sind für ihre Besitzer, weil sie überzählig waren oder einfach, weil sie als Schlachttier gezüchtet wurden. Jede Rettung erzählt eine Geschichte, meist ist sie traurig, mache macht wütend, immer aber ist es sehr bewegend, wenn ein Tier das Leben entdecken darf, anstatt sterben zu müssen. Manchmal passieren auch lustige Geschichten. Fotos von solchen Begebenheiten haben wir hierfür ausgewählt, verbunden mit einem Wunschzettel für die Artgenossen – so, als hätten die Tiere mit uns gesprochen.

 

Wildschweine: Ursachen erkennen

Begegnung auf Augenhöhe: Michael Aufhauser und Wildschwein Mercy mögen sich.

13 Wildschweine leben auf Aiderbichl. Mercy hat sich als Frischling bei einer Treibjagd versteckt und sich so selbst gerettet. Ihre Rotte wurde erschossen. Wildschweine vermehren sich seit Jahren fast unkontrolliert. Die Ursachen sind vielfältig: milde Winter, großes Nahrungsangebot auf Maisfeldern und Jäger, die auch die Leitbache abschießen, obwohl diese bestimmt, wer sich in der Familie fortpflanzen darf und wer nicht. Wenn sie fehlt, bekommen alle weiblichen Tiere Nachwuchs. Der Weihnachtswunsch: Tiere nicht als Plage sehen und die Ursachen bekämpfen anstatt die Tiere.

Gänse: Auf Daunen verzichten

Gänserich Max weiß ganz genau, was er sich wünscht: Nämlich Ruhe für sich und seine Herzensdame Maxime. Das bekam die Fotografin schmerzlich zu spüren. 80 gerettete Gänse leben auf Aiderbichl. Sie alle mahnen, an Weihnacht ein vegetarisches Festmahl zu kochen. Und wer unbedingt einen Braten braucht, sollte deutsche Gänse essen. Wer zur Billiggans greift, unterstützt viel Tierleid wie Lebendrupf für Daunenprodukte oder das qualvolle Stopfen für Gänseleberpastete. Der Braten ist dann nur noch das Abfallprodukt, das für wenige Euro im Supermarkt verramscht wird.

Schweine: Bessere Gesetze erlassen

Der prachtvolle Cicero genießt die kühle Dusche seines Aiderbichl-Paten Franz.

Schweine können nicht schwitzen, schon ab 20 Grad möchten sie sich abkühlen – im Matsch oder unter der Dusche. Für die 150 Aiderbichl-Schweine ist das eine Selbstverständlichkeit. Ihre 58 Millionen Artgenossen in der Massentierhaltung können das nicht. Nicht mal Stroh ist vorgeschrieben, damit die Tiere wühlen und sich beschäftigen können. Wenn die Tiere sich aus lauter Langeweile die Schwänzchen abbeißen, wird nicht die Haltung verbessert, sondern man schneidet einfach die Ringelschwänze ab! Dringender Wunsch: Gesetze zur artgerechteren Tierhaltung.

Esel: Esel nicht unterschätzen

60 Esel ziehen auf Aiderbichl ihre Runden, Moritz hilft dabei, die Tische abzuräumen.

Esel Moritz hatte es satt, die Besucher immer um Salatblätter anbetteln zu müssen. Er hat sich darauf verlegt, ganze Tische abzuräumen – zur Freude gerade der jüngeren Tierfans. Fast alle Aiderbichl-Esel stammen aus südlichen Ländern, wo sie nach einem harten Arbeitsleben z. B. zum Sterben an einen Baum gebunden worden waren. Michael Aufhauser wünscht sich, dass Esel, die ja als störrisch gelten, nicht länger unterschätzt werden: „Moritz zeigt jeden Tag, wie gewitzt und intelligent Esel sind. Und ich wünsche mir, dass Lastesel fair behandelt werden und nicht elendig leiden müssen.“

Katzen: Katzen nicht wegwerfen 

Kater Lefteris schaut gern Fische im Fernsehen an, seine früheren Besitzer hatten ein Aquarium.

Jedes Tier ist ein Individuum, 600 gerettete Katzen gibt es auf den Aiderbichl-Höfen, und jede hat ihre ganz speziellen Vorlieben und jedem Tier soll es gut gehen. Viele dieser Katzen wurden einfach ausgesetzt oder in den Müll geworfen. Doch nicht nur Katzen sollen glücklich sein. Jeden Samstag gibt es auf dem Stammgut in Henndorf bei Salzburg die Tierparade: Es ist die ideale Möglichkeit für ehemalige Zirkustiere, Brauereipferde und andere tierische Selbstdarsteller zu zeigen, was sie für rundum tolle Geschöpfe sind.

Pferde: Weniger Fohlen züchten

Pferdekuss: Fohlen Mariella will dem Kameramann Benno bei der Haarpflege behilflich sein.

Das Kaltblutfohlen Mariella hat von der Mutter gelernt, was Fellpflege bedeutet und übt schon mal am Menschen. Eigentlich war ihr Weg vorbestimmt: Mariella sollte in einen Schlachthof verfrachtet werden. Es ist wenig bekannt, dass viele Fohlen von Kaltblutrassen im Herbst zum Schlachter kommen. Es werden viel zu viele Tiere gezüchtet. Die Reise in den Tod in den Süden oder Osten Europas ist besonders grausam. Der Aiderbichl-Wunsch geht an die Besitzer: Nur noch alle zwei Jahre züchten, das hebt den Preis der Fohlen und damit werden sie für den Metzger zu teuer.

Rubriklistenbild: © Gut Aiderbichl

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