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Straßenhunde werden gnadenlos verfolgt.

Rumänien

Weltgrößtes Tierheim: Hier leben 5400 Hunde

5400 Hunde werden im Heim Smeura, einer früheren Fuchspelzfarm im rumänischen Pitesti von 85 Tierpflegern, Ärzten und Helfern versorgt.

Auf diesen Titel ist Matthias Schmidt nicht stolz: Sein Verein Tierhilfe Hoffnung unterhält das größte Tierheim der Welt! 5400 Hunde werden im Heim Smeura, einer früheren Fuchspelzfarm im rumänischen Pitesti von 85 Tierpflegern, Ärzten und Helfern versorgt. Bis vor zwei Jahren beherbergte das Heim durchschnittlich 2500 herrenlose Hunde. Doch seit dem Tötungsgesetz für Straßenhunde aus dem Jahr 2013 leben Tiere in ständiger Lebensgefahr. Der Verein nimmt so viele Tiere auf wie möglich. Was die Tierschützer besonders erbittert:Ihre jahrelange erfolgreiche Arbeit, den Straßenhunden ein besseres Leben zu ermöglichen, wurde auch mit EU-Hilfe zunichte gemacht. In einem Land, in dem ein gut angestellter Fabrikarbeiter im Monat rund 330 Euro heimbringt, kann man mit dem Fangen und Töten eines Straßenhundes bis zu 70 Euro verdienen! Jedes Jahr fließen für das Straßenhund-Management viele Millionen Euro ins Land. Dieses Geld kommt aus EU-Töpfen, die zur Bekämpfung von Tollwut und andere auf Menschen übertragene Krankheiten gedacht sind. Unsere Redaktion sprach mit dem Vorsitzendendes Vereins, Matthias Schmidt aus Dettenhausen (Baden-Württemberg), über die Rettung der Straßenhunde in Rumänien.

Einsperren ist auf Dauer keine Lösung

Seitdem in Rumänien Straßenhunde bares Geld wert sind, ist Ihre Arbeit schwierig geworden, oder?

Matthias Schmidt: Wir sind am Limit. Als wir im Jahr 2000 anfingen, gab es in Pitesi, einer Stadt so groß wie Stuttgart, offiziell 33 000 Straßenhunde. Ein Hundepärchen kann im Jahr vier bis acht Welpen bekommen, diese sind im Alter von neun Monaten wieder geschlechtsreif. Wir haben Straßenhunde eingefangen, kastriert, in unserer eigenen kleinen Klinik medizinisch versorgt und dort, wo sie gefangen wurden, wieder freigelassen. Die Hunde wurden regelmäßig gefüttert, einmal im Jahr geimpft. So haben wir es geschafft binnen13 Jahren, die Population auf 4500 Hunde zu reduzieren. Dann kam das Jahr 2013 und die falsche Anschuldigung, Hunde hätten ein Kind getötet, und die schauerlichen Hetzjagden von früher begannen wieder. Jeder unserer Pfleger kümmert sich jetzt täglich um 150 bis 200 Tiere.

Selbst Privathunde und auch Ihre kastrierten Straßenhunde werden eingefangen.

Schmidt: Es ist unglaublich und einfach widerlich, was Menschen leidensfähigen Geschöpfen an tun. Bevor die Tiere getötet werden, muss zwei Wochen gewartet werden, ob jemand sie abholt. In dieser Zeit werden sie oft gar nicht versorgt, weder mit Futter noch medizinisch. Sie werden dann oft nicht schmerzfrei eingeschläfert, sondern totgeschlagen oder mit sogenannten kostenneutralen Methoden wie Elektroschocks getötet oder vergiftet.

Kann man an einem Straßenhund viel verdienen?

Schmidt: Ganze Orte haben sich mit den Geldern saniert. Das kommt nicht den Bürgern zugute, sondern verschwindet in dunklen Kanälen. Das Fangen des Tieres bringt fünf Euro, drei Euro erhält man pro Tag für die zwei Wochen im Tierheim, das Töten wird mit 25 Euro bezahlt. Je weniger Geld man für die Hunde ausgibt, desto mehr bleibt übrig. Es sind nicht die kleinen Leute, die daran verdienen. Es sind die korrupten Schichten in der Politik. Und die EU schaut tatenlos zu: Abrechnungen und Aufstellungen der Städte werden ohne Prüfung akzeptiert, Kontrollen vor Ort finden nicht statt. Das ist ein Skandal.

Was machen Sie jetzt mit den Hunden in Ihrem Heim?

Schmidt: Wir wollen die Hunde natürlich nicht ihr ganzes Leben lang einsperren. Aussetzen geht jetzt auch nicht mehr. Wir bringen die Tiere mit allen nötigen Untersuchungen und Papieren nach Deutschland, wo wir mit über 100 Partnertierheimen zusammen arbeiten. Von dort aus werden die Tiere weitervermittelt. Die Hunde sind gut sozialisiert und gewöhnen sich meistschnell an eine neue Umgebung und Menschen. Allerdings brauchen sie viel Zuwendung und Geduld. Parallel machen wir Aufklärungskampagnen, gehen in die Schulen und sprechen mit Menschen vor Ort, um sie von der Methode „kastrieren und freilassen“ zu überzeugen.

Das Tierheim Smeura finanziert sich komplett aus Spenden. Wer den Verein unterstützen will, findet hier weitere Informationen.

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