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Stillhalten beim Tierarzt: Haben Tiere Schmerzen, versuchen sie meist, sich diese nicht so anmerken zu lassen.

Wenn Tiere krank werden

Die Münchner sind tierfreundlich: Jeder Dritte der 1,4 Millionen Bewohner der Landeshauptstadt hält ein Haustier.

Statistisch erfasst sind allerdings nur die gut 30 000 Hunde – weil für sie Steuern bezahlt werden müssen. Über die Mehrheit der tierischen Mitbewohner von Katzen, über Nager, Vögel bis hin zu Fischen und Reptilien ist dagegen wenig bekannt. Dafür wissen wir aber, dass sich rund 280 Tierärzte in München um das Wohl der Haustiere kümmern.

In den vielfältigen Methoden und Möglichkeiten ist die Tiermedizin der Humanmedizin praktisch ebenbürtig. In der tz ist gibt nun jeden ersten Mittwoch im Monat auf der Seite „Akte Tier“ die Tiersprechstunde. Wir berichten über häufige Krankheitsbilder, dramatische Einzelschicksale und medizinische Herausforderungen. Zum Auftakt der neuen Rubrik beantworten wir heute Fragen zum Thema Tiermedizin.

Fragen rund um Ihren Liebling

Woran sterben Hunde am häufigsten?

Krebs ist nicht nur für Menschen gefährlich. Für Hunde ist es die häufigste Todesursache, 27 Prozent der Hunde sterben an einem Tumor, so die Studie einer Tierversicherung. 18 Prozent erliegen einer Herzkrankheit, ähnlich wie beim Menschen macht oft Übergewicht das Herz krank. Weitere häufige Todesursachen sind Diabetes, bakterielle Erkrankungen und nicht mehr behandelbare Arthrosen.

Müssen Kaninchen draußen vor Kälte geschützt werden?

Kaninchen oder Meerschweinchen, die ganzjährig im Freien gehalten werden, benötigen einen trockenen und gut isolierten Rückzugsort. Darauf weist der Deutsche Tierschutzbund hin. Bei extremen Temperaturen sollte der Zugang zum Freien auch mal geschlossen werden, kleine elektrische Heizungen können ebenfalls helfen.

Haben Tiere Schmerzen?

Tiere, selbst Fische, besitzen die gleichen Strukturen zur Wahrnehmung, Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzen wie Menschen.

Wie zeigen Tiere Schmerzen?

Damit haben die Experten aus der Schmerzsprechstunde der Uni- Kleintierklinik große Erfahrungen. Wenn ein akuter Schmerz plötzlich auftritt, schreien die Tiere laut und gellend auf. Bei chronischen Schmerzen zeigen Haustiere oft nur ein schmerzvermeidendes Verhalten. Sie laufen nur noch langsam, wollenkeineTreppenmehr steigen, ziehen sich daheim mehr und mehr zurück. Die Ärzte der Schmerzsprechstunde haben festgestellt, dass Tiere sehrindividuellreagieren.Manche „sind hart im Nehmen“ und zeigen ihren Schmerz manchmal nur durch leichtes Aufstöhnen, eine schnellere Atmung oder ein Weiten der Pupillen. Andere sind so empfindlich, dass sie selbst eine Berührung der Pfoten nicht tolerieren.

Wann müssen Fische zum Arzt?

Auch Fische können krank werden. Der auf Fische und Reptilien spezialisierte Tierarzt Thomas Bauer erklärt: Der Aquarianer sollte seine Fische immer gut beobachten und alle Besonderheiten ernst nehmen. Insbesondere die Schleimhaut desFischesisteinempfindliches Organ, das besondere Aufmerksamkeit erfordert. Scheuert oder kratzt sich der Fisch an Einrichtungsgegenständen im Aquarium? Ist die Schleimhaut trübe oder verfärbt? Bestehen Wunden, sind Parasiten (Fischläuse, Egel) sichtbar?“ Was viele nicht wissen: Teichfische können sogar einen Sonnenbrand bekommen!

Schwitzen Haustiere mit Winterfell, wenn sie in der warmen Stube sind?

Auf diese Frage antwortet Bianca Stützer, Oberärztin für GesundheitsvorsorgederKleintierklinik der LMU: „Auch Hunden kann es wie uns Menschen zu kalt oder zu warm sein. Da sie aber bis auf den Bereich an den Ballen nur Talg- aber keine Schweißdrüsen besitzen, können sie nicht schwitzen. Sie kühlen sich über das Hecheln ab. Wenn es Hunden im Winter im Haus zu arm wird, ziehen sie sich zudem an kühlere Orte zurück und legen sich beispielsweise auf Fliesen, ins Treppenhaus oder in den Keller. Wichtig ist, dass den Hunden jederzeit frisches Wasser zur Verfügung steht, da sie beim Hecheln viel Flüssigkeit verdunsten.“

Haben Hunde Angst vorm Zahnarzt?

Dazu sagt Dagmar Birnzain, Tierzahnärztin aus Seeshaupt am Starnberger See: „Das ist ganz unterschiedlich. Manche Tiere sind in einem so starken Schmerzzustand, dass sie spüren, ihnen wird geholfen. Andere sind sehr zutraulich, weil sie uns lange kennen. Oder weil sie nicht ahnen, was kommt. Oder weil sie einfach einer ruhigen und lässigen Rasse angehören, wie z. B. der Labrador Retriever. Mein Praxisteam und ich versuchen, sehr liebenvoll mit allen umzugehen, lenken die Tiere ab, und dann bekommen sie die Narkose so schnell, dass sie keine Zeit haben fürs Angsthaben. Es gibt wenige Tiere, die zittern und ängstlich sind, aber auch da wird es mit der Zeit besser, wenn sie uns öfter sehen. Es wird ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Das erleichtert auch unsere Arbeit sehr, und es ist für uns ein schönes Feedback.“

SUS

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