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Wenn’s rappelt im Karton: Tiere artgerecht versenden

Heute kann man im Internet alles bestellen – auch Tiere. Aber wie kommen diese dann zu den neuen Besitzern? Per Paket! Doch woran erkennt man einen seriösen Versender? Und ist ein solcher Transport nicht sogar Tierquälerei?

Da staunte Postbote Hans, als in seinem Lieferwagen ein Rinnsal langsam zu einer Eisplatte zusammenfror. Nach einigem Kistenumherstapeln war der Grund gefunden. Ein Karton, der ganz schön „herausnasselte“ und seine ursprüngliche Form eingebüßt hatte. Heraus kamen vier Goldfische, denen das Wasser fast vollständig abhandengekommen war, und die nicht mehr sehr fit wirkten, hatte es doch scharfe Minustemperaturen. Was tun? Hans klingelte beim nächsten Kunden und – Glück im Unglück – die hatten noch aus früheren Zeiten ein Aquarium im Keller. Trotz der schnellen ersten Hilfe überlebten nur zwei der vier Goldfische... Kein Einzelfall: Immer häufiger werden Tiere unsachgemäß mit der Post verschickt. Fische vor allem, aber auch Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel – und Reptilien.

Transport teurer als der Fisch

„Reptilien werden illegal auf Börsen gehandelt und im Internet bestellt. Die kommen dann einfach mit dem Postpaket“, weiß auch Thomas Lücke vom Reptilienhaus in Oberammergau. „Reptilien können bis zu 48 Stunden mit sehr wenig Sauerstoff überleben. Es gibt natürlich seriöse Tierlogistikfirmen, die sind aber nicht ganz billig und sie stehen unter Aufsicht der Behörden. Das ist logischerweise nichts für illegale Händler, deren Ware nicht selten aus den ehemaligen Ostblock- Staaten eingeschmuggelt wird.“ Zudem sind beispielsweise Fische – von sündhaft teuren Kois mal abgesehen – eher günstig und so mancher „clevere“ Aquarianer denkt sich: Da kostet der Transport ja mehr als der ganze Fisch! Kein Wunder also, dass es Postboten in Bayern des öfteren nass nei geht...

Fischwirt Christian Eichner von KE-Aquaristik in Soyen wird da richtiggehend wütend: „Wir verschicken unter vier Grad Minus von Haus aus keine Tiere und ein seriöser Logistiker würde das auch ablehnen.“ Neben einigen kleinen, regionalen Tierlogistikfirmen ist es General Overnight aus Bonn (GO!), die als einzige große Spedition wirbellose Tiere versendet.

In 15 Stunden von A nach B

Uwe Neugebauer war lange bei GO! tätig und erinnert sich gar nicht so gerne an die Prüfung: „Die Depoleiter, alle Fahrer müssen in die Schulung und es gibt eine Prüfung, die von Amtstierärzten abgenommen wird. Und da kann man durchaus durchfallen, das ist keine Alibiprüfung! Da gibt es Fangfragen, suggestive Fragen, einfach ist das nicht.“ Was Neugebauer gut findet, denn „es geht ja um Lebewesen.“ So werden Tiere nur Montag bis Donnerstag angenommen, denn sollte wirklich mal ein Paket hängen bleiben, muss es gewährleistet sein, dass kein Tier übers Wochenende in einem Depot steht. 48 Stunden sind das Maximum, die ein Tier unterwegs sein darf, die Auslieferung erfolgt immer am Vormittag. In 98 Prozent der Fälle (BRD, AT, IT, NL) sind die Tiere in weniger als 15 Stunden beim Auftraggeber.

Das Paket ist detailliert beschriftet: Um welches Tier handelt es sich? Wann wurde es abgeholt? Natürlich hat so ein Paket die Markierung „oben“ und wird mit speziellen Klebestreifen versehen. Der Fahrer muss seine Tour sogar evtl. abbrechen und umstrukturieren, um ein Lebewesen rechtzeitig auszuliefern. Zudem sind Rufnummern und E-Mail- Adressen hinterlegt, damit informiert werden kann und wirklich jemand zuhause ist. „Das geht natürlich nicht, wenn das Paket dann vor der Tür stünde“, sagt Eichner.

Spedition haftet für „Schäden“

„Die meisten der Kunden sind Profis“, erläutert Uwe Neugebauer, „Züchter, Händler, die ihrerseits alle Sorgfalt walten lassen. Der Außendienst von GO! schaut sich Neukunden immer an und lehnt diese ab, wenn sie nicht tierschutzkonform verpacken. Denn: Passiert dem Tier etwas, ist die Spedition dran.“ Ein Grund, weswegen die meisten Speditionen die Finger von Tiertransporten lassen! Als Kunde kann man das beeinflussen, indem man nur bei Züchtern/Händlern kauft, die mit zertifizierten Transportunternehmern zusammenarbeiten. Wer sich unsicher ist, kann immer beim zuständigen Amtstierarzt anrufen. Der weiß, welches Transportunternehmen zertifiziert ist nach § 11 Abs. 1 Tierschutz-Transportverordnung. Und noch eins: Wichtig ist es immer auch, dass der Händler verkaufsfähige Tiere versendet, denn der beste Transport läuft ins Leere, wenn das Tier zu jung ist, krank oder in schlechtem Ernährungszustand!

NICOLA FÖRG

Worauf mach achten muss

EXTREME KÄLTE UND HITZE SIND TABU

LINKS

www.general-overnight.de

www.ke-aquaristik.de

www.night-day.de

www.mytierversand.de

Folgende Tierarten werden von speziellen Logistikfirmen transportiert: Reptilien (Geckos, Frösche Schlangen usw.); Kleinsäuger (Kaninchen, Frettchen, Mäuse, Hausratten usw.); Ziervögel (Papageien, Kanarien, usw.); Tauben; andere Vögel, wie zum Beispiel Falken; Geflügel wie Küken und Hühner; Fische, Futtertiere, Insekten usw.

- Seriöse Unternehmen transportieren keine giftigen Tiere. Schlangen werden dort nur in einer Styroporbox mit Jutesack akzeptiert; Frettchen in einer Holzkiste.

- Folgende Tiertransport-Behältnisse sind geeignet: Der Gesetzgeber schreibt eine artgerechte Verpackung vor. Es muss sich stets in aufrechter Stellung befinden. Die Verpackungsbehälter müssen je nach Tiergattung und Witterungsverhältnis gewählt werden. Reptilien wie zum Beispiel Echsen oder Schlangen müssen vor Kälte geschützt werden, dazu werden dickere Styroporkisten zum Teil sogar mit Wärmepacks verwendet. Bei Eintagsküken hat der Absender sicherzustellen, dass im Tierbereich eine Temperatur von 25 bis 30 Grad herrscht. Im Sommer mit entsprechenden Temperaturen ist vor allem auf ausreichend Belüftung zu achten. Der Absender hat sicherzustellen, dass im Tierbereich eine Temperatur entsprechend der Tiergattung herrscht.

- Seriöse Züchter bzw. Händler weisen ihre Kunden immer darauf hin, dass im Interesse der Tiere eine Selbstabholung vorzuziehen sei. Die Kosten für einen Versand inklusive Transportkiste beispielsweise von einem Kaninchen betragen etwa 40 Euro.

- Da ein Versand für die Tiere meist sehr stressig ist, findet ein Transport erst einige Wochen nach der Geburt statt. Bei Kaninchen beispielsweise erst ab der 10. Lebenswoche. Ratsam ist es bei ihnen auch, mindestens zwei Tiere gemeinsam zu versenden, weil dies etwas weniger stressig ist. Versendet werden Kaninchen in speziell dafür geeignete Tiertransportkartons, unter Beigabe von etwas Saftfutter sowie Stroh und Heu.

FISCHE AUF REISEN

ARTGERECHTER TRANSPORT

- Die Fische werden für den Transport speziell vorgehältert, behutsam abgefangen und möglichst stressfrei in doppelte Sicherheits-Transportbeutel eingebracht.

- Das Transportwasser/Sauerstoffgemisch in d0en Beuteln ist genau der Stückzahl der zu transportierenden Fische angepasst (Sauerstoff für mindestens 60 Stunden).

- Die Fische werden in einer Thermoverpackung (Styroporboxen nach IATA-Richtlinie) verschickt, die Beutel werden in den Boxen zusätzlich fixiert und ggf. je nach Temperaturverhältnissen mit Heat Pack (Oxydationsheizkissen für 40 Stunden temperierte Wärme) oder Kühlpads bestückt.

- Styroporboxen tragen den Infoaufkleber: „Achtung lebende Zierfische“. > Bei extremen Witterungsverhältnissen – Frost ab minus 4 Grad bzw. Hitze über 30 Grad – werden grundsätzlich keine lebende Tiere versendet.

- Die Fische werden 24 Stunden vor dem Transport nicht mehr gefüttert, damit der Kot das Transportwasser nicht belastet. Das Transportwasser (1/3 des Beutelvolumens) hat optimierte Wasserparameter und die Transporttüten sind zu 2/3 mit Sauerstoff angereichert. Trotzdem bedeutet so ein Transport – sei er auch noch so behutsam durchgeführt – Stress für die Tiere und sie müssen danach langsam an ihr neues Zuhause gewöhnt werden.

DIE EINGEWÖHNUNG

- Im Beisein des Kurierfahrers die Box vorsichtig öffnen und die Beutel auf etwaige Beschädigungen (Beutel undicht, etc.) prüfen.

- Fische, die gerade ausgepackt wurden, sind noch farblos, liegen oft ruhend am Boden des Beutels. Sie brauchen Zeit zur Orientierung.

- Die Box nach Möglichkeit in einen warmen, leicht abgedunkelten Raum stellen und leicht den Styropordeckel öffnen. Man braucht die Zierfische nicht sofort aus der Box zu holen, es ist genügend Sauerstoff in den Transporttüten. Die Tiere sollen sich langsam wieder an Licht gewöhnen, das dauert bei Fischen länger als bei Säugetieren.

- Man entnimmt die Transporttüten und entleert sie behutsam in einen Eimer. Das geht am besten, indem man den „Kopf“ der Tüte mit einer Schere abschneidet und dann mit der einen Hand die offene Tüte zuhält, diese in den Eimer legt und nun den Inhalt kontrolliert ablaufen lässt.

- Nun gibt man in Abständen von 10 Minuten kleine Mengen Aquariumwasser in den Eimer, damit die Zierfische sich an den Temperaturunterschied gewöhnen können. Dafür Zeit nehmen – ca. 30 bis 40 Minuten.

- Anschließend im Aquarium die Beleuchtung ausschalten.

- Nun kann man den Eimer über einen Kescher abgießen und die Tiere einsetzen. 

- Das Transportwasser nicht mit in das Aquarium geben und die Fische erst am Folgetag füttern.

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