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Den ganzen Tag flitzen die Eichhörnchen hin und her und sammeln Eicheln, Nüsse und Bucheckern für ihren Wintervorrat.

So können wir im Herbst den Wildtieren helfen

Endspurt vor dem Winter

Der Nachwuchs ist aus dem Haus, die Zugvögel haben den Abflug schon gemacht. Jetzt sind die heimischen Wildtiere damit beschäftigt, sich auf den Winter vorzubereiten.

Falter und andere Insekten wurden bei der Wärme noch mal richtig munter und labten sich am Nektar der letzten noch blühenden Pflanzen. Bald werden sie in Winterstarre fallen. Eichhörnchen legen Vorräte an, Igel fressen sich fett. Es gibt viele Möglichkeiten, die Tiere zu stärken, die sich jetzt für die kalte Jahreszeit fit machen müssen.

Viele Hobbygärnter machen ihren Garten „winterfest“: Sie schneiden Sträucher und Bäume rigoros ab, mähen den Rasen, rechen das Laub zusammen und entsorgen es. Sämtliche Nischen und Ecken des grünen Wohnzimmers werden gründlich geputzt und leer geräumt. In so einem sterilen Umfeld haben Tiere keinen Platz mehr.

Dabei ist es ganz einfach, seinen Garten naturnah zu gestalten und vielen Tieren Unterschlupf und Nahrung für die Wintermonate zu geben. Und das Beste: Die Menschen sparen sich viel Arbeit. Der Bund Naturschutz in Bayern erinnert daran, dass Laub kein Müll ist, der entsorgt werden muss. Nur Laub vom Rasen sollte entfernt werden, weil sonst das Gras verpilzen und absterben kann. Eine Laubschicht unter Gehölzen und Beeten nutzt dem Boden. Während des Winters finden Kleintiere Unterschlupf im Laub. Bis zum Frühjahr können die Blätter langsam verrotten. Wer mag, kann diese Blätter dann immer noch entsorgen oder sie als Dünger in den Boden einarbeiten.

Für Vögel sind die Insekten im Laub eine wertvolle Winternahrung. Syliva Weber vom Landesbund für Vogelschutz: Im Winter kann man zum Beispiel immer Amseln beobachten, wie sie sich durch das Laub kämpfen.“ Ein Laubhaufen in einer Gartenecke bietet Igeln ein Winterquartier. Zurzeit kann man in der Dämmerung häufig Igel sehen, die noch nach Insekten suchen oder Katzen das Futter wegfressen, wenn es draußen auf einer Terrasse angeboten wird. Auch Eidechsen schätzen frostfreie Ecken, Amphibien wiederum brauchen ein feuchtes Plätzchen.

Die Vogelexpertin Sylvia Weber bittet auch darum, Büsche mit Beeren und die Samenstände an Blumen erst im Frühjahr zu schneiden: „Beides ist eine wertvolle Winternahrung für Vögel.“ Je weniger Insekten sie finden, desto interessanter werden die Beeren.“ Schlehen werden sogar erst gefressen, wenn es Frost gegeben hat. Distelfinken lieben – wie könnte es anders sein – die Samen von Disteln, das können auch Edeldisteln sein. Für den Balkon gilt: Samenstände stehen lassen, Sonnenblumen z.B. Blumenkästen können mit einer Schicht aus immergrünem Nadelgehölzen abgedeckt werden. Auch das bietet Insekten Unterschlupf, die dann Winternahrung für Vögel werden können.

Eichhörnchen

Den ganzen Tag flitzen sie hin und her und sammeln Eicheln, Nüsse und Bucheckern für ihren Wintervorrat. Tierschützer bitten Autofahrer um Vorsicht, weil die Kleinen oft über die Straße rennen.

Igel

Ein warmer Herbst tut Igeln gut: Gerade die Jungtiere, die im August geboren wurden, müssen sich jetzt noch eine dicke Fettschicht anfuttern.

Marienkäfer

Marienkäfer fallen jetzt in Scharen in Häusern ein, sie suchen geschützte Ecken zum Überwintern. Der heimische Käfer wird immer mehr durch die eingeschleppten asiatischen Käfer verdrängt.

Tagpfauenauge

Die Weibchen vom Tagpfauenauge brauchen kühle, aber frostfreie Plätzchen zum Überwintern. Vorher speichern sie möglichst viel Energie und saugen Nektar. In milden Wintern wachen sie auf und verhungern.

Spatzen

Im Sommer sind sie Konkurrenten um Weibchen und Reviere, doch im Winter halten Vögel zusammen.

Endspurt vor dem Winter: Tiere bereiten sich auf Kälte vor

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Die Überlebenstricks der Vögel

tz-Interview mit Sylvia Weber vom Landesbund für Vogelschutz

Mit welchem Trick überstehen Vögel den Winter?

Sylvia Weber vom Landesbund für Vogelschutz (LBV): Die Vögel, die hier überwintern, überleben nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stärker. Im Frühjahr ist jeder Vogel darauf bedacht, sein Revier zu verteidigen, doch im Winter schließen sie sich zu kleinen Trupps zusammen. Das können Grüppchen einer Art sein, also lauter Grünfinken. Es finden sich aber auch gemischte Gruppen z.B. aus Meisen, Finken und Goldhähnchen. Sie warnen sich gegenseitig vor Feinden oder finden gemeinsam Futter.

Wärmen sie sich gegenseitig?

Weber: Von Baumläufern ist es bekannt, dass sie winterliche Schlafgemeinschaften bilden. Sie verstecken sich an windgeschützten Plätzen, z.B. hinter abgeplatzter Baumrinde oder in der Stadt oder unter Ziegeln. Feldsperlinge übernachten gern zu mehreren im Nistkasten.

Warum sollen alte Nester aus den Kästen entfernt werden?

Weber: Darin verstecken sich viele Parasiten. Sucht ein Vogel im Kasten Schutz, dann macht er mit seiner Körpertemperatur von circa 40 Grad die Vogelflöhe und Milben munter, und diese stürzen sich dann auf ihn. Der Vogel braucht kein Nest,um sich zu wärmen, er plustert sein Federkleid zu seinem persönlichen „Daunenanorak“ auf und hat es mollig warm im Schutz des Kastens.

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