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Auch eine frühe Fehlgeburt - vor dem dritten Monat - ist mit Trauer und Schmerz verbunden. Foto: Jens Kalaene

Verlust in Worte kleiden - Eine frühe Fehlgeburt verarbeiten

Viele Schwangerschaften enden in den ersten zwölf Wochen. Ein Grund, weshalb viele Frauen in dieser Zeit noch nichts von ihrer Schwangerschaft erzählen. Aber die Häufigkeit macht den Verlust nicht leichter. Gespräche und Trauerrituale können helfen.

München (dpa/tmn) - Erstmal abwarten, bevor man die gute Nachricht Freunden und Familie erzählt: Viele Paare entscheiden sich bewusst dafür, in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft ihre Freude noch nicht zu teilen. Aus nachvollziehbarem Grund:

Die Dreimonatsfrist gilt als kritische Phase der Schwangerschaft. "Schätzungen gehen davon aus, dass dreißig, vielleicht sogar bis zu vierzig Prozent aller Schwangerschaften in den ersten zwölf Wochen in einem Abort enden", sagt Christian Albring, Vorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte. Abort ist die medizinische Bezeichnung für einen Abgang des Embryos oder Fötus im ersten Schwangerschaftsdrittel. Erst nach der zwölften Woche wird von einer Fehlgeburt gesprochen. Die Gründe für das frühe Ende der Schwangerschaft sind vielfältig: Am häufigsten sind genetische Störungen, etwa fehlerhafte Zellteilungen, die eine Weiterentwicklung des Embryos nicht ermöglichen.

Nur in sehr seltenen Fällen steckten ernsthafte Erkrankungen bei der Frau dahinter: "Es ist einfach so, dass die Natur in den ersten Wochen genau schaut, welcher Embryo sich zu einem gesunden Kind entwickeln kann und welcher nicht", sagt Alexandra Gottmann, Frauenärztin und Psychotherapeutin in der pro familia Beratungsstelle in Troisdorf.

Manche Paare sind dann froh, niemandem von der Schwangerschaft erzählt zu haben. "Für andere ist es aber durchaus wichtig, darüber zu sprechen und den Verlust in Worte kleiden zu können", sagt Bettina Strehlau, Diplom-Psychologin und Hebamme aus Berlin. Sie empfiehlt betroffenen Frauen, sich Verbündete zu suchen: "Es gibt bestimmt Frauen im nahen Umfeld, die auch schon so eine Erfahrung gemacht haben." Man erfahre dabei, wie es der anderen danach ergangen ist, was ihr geholfen und gut getan hat.

Eine Talfahrt in tiefe Trauer in den ersten Tagen und Wochen nach dem Abort könne auch durch das Absinken der Schwangerschaftshormone erklärbar sein, sagt Albring. Wichtig ist, sich zu schonen und ein paar Tage Ruhe zu haben. Vielleicht kann auch der Partner freinehmen: "Auch er hat ja schließlich einen Verlust erlebt, den er verarbeiten muss", sagt Strehlau. "Gemeinsame Gespräche über die Gefühle, Ängste und Sorgen sind jetzt ganz wichtig für die Paarbeziehung." Sie empfiehlt zur Trauerbewältigung einen Brief an das Kind: "Da kann man alles reinschreiben, was man dem Kind gerne sagen würde und ihn gemeinsam mit den Ultraschallbildern als Erinnerung aufheben."

Vielen Frauen machen sich nach einer Fehlgeburt außerdem große Sorgen: Kann ich überhaupt ein Kind bekommen? Albring beruhigt: "Ein oder zwei Spontanaborte sind etwas ganz Normales im Leben einer Frau, und die Wahrscheinlichkeit, danach wieder schwanger zu werden, ist sehr hoch." Trotzdem plagen betroffene Frauen oft Selbstzweifel: Habe ich mich nicht richtig verhalten? Eine Beratung kann den inneren Druck nehmen: "Es ist wichtig, dass Frauen wissen, dass sie keine Schuld tragen, sondern die Natur ihre eigenen Entscheidungen trifft", sagt Alexandra Gottmann.

Nach einem Abort sollten Frauen mindestens zwei Monate abwarten, bevor die nächste Schwangerschaft versucht wird, rät Dr. Albring: "Die Gebärmutter braucht Zeit, um sich von der vorherigen Schwangerschaft vollständig zu erholen." Waren Stress, Konflikte oder eine Erkrankung die mögliche Ursache, ist es sinnvoll, mit einer neuen Schwangerschaft so lange zu warten, bis die belastenden Faktoren gelöst sind.

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