+
Papierkram bleibt Rentnern nicht erspart - viele müssen eine Steuererklärung abgeben. Foto: Robert Günther

Abgaben im Alter

Wann Rentner eine Steuererklärung machen müssen

Auch im Alter müssen viele noch eine Steuererklärung abgeben. Der Kreis derer, die darum nicht herumkommen, wächst jedes Jahr. Allerdings können Rentner auch viele Kosten absetzen.

Berlin (dpa/tmn) - Ruhestand schützt nicht vor Arbeit. Und auch nicht vor Papierkram. Denn immer mehr Rentner müssen ihre Steuererklärung machen.

Grundsätzlich gilt: "Eine Einkommensteuererklärung wird immer dann verlangt, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte eines Rentners, der keine dem Lohnsteuerabzug unterliegenden Einkünfte bezogen hat, den jährlichen Grundfreibetrag überschreitet", erklärt das Bundesfinanzministerium. Für das Jahr 2017 lag der Grundfreibetrag bei 8820 Euro.

Allerdings kommt es nicht nur auf die Höhe der Rente an, sondern auch darauf, wann jemand in den Ruhestand gegangen ist. Denn Renten werden für jeden Jahrgang seit 2005 stärker steuerpflichtig. Wer 2005 in Rente gegangen ist, erhält noch die Hälfte seiner damals bezogenen Rente steuerfrei.

Ein lediger Rentner kann in diesem Fall nach Angaben des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine (BVL) im Rentengebiet West rund 19 240 Euro und im Rentengebiet Ost 18 030 Euro Rente pro Jahr beziehen, ohne dass er eine Steuerzahlung befürchten muss. Wer hingegen erst 2015 in den Ruhestand ging, muss schon 70 Prozent der Rente versteuern. Hier liegt die höchste steuerfreie Jahresbruttorente für 2017 bei rund 14 940 Euro im Westen und 14 830 Euro im Osten. Die Angaben gelten, wenn als Ausgaben lediglich Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge berücksichtigt werden.

Kommen weitere Einnahmen wie eine Betriebsrente oder eine private Rentenversicherung hinzu, muss noch einmal neu gerechnet werden. Wer unsicher ist, ob er eine Einkommensteuererklärung machen muss, sollte sich Hilfe suchen, zum Beispiel bei einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater.

Das ist vor allem deshalb ratsam, weil das Finanzamt nicht alle Betroffenen von sich aus auffordert, eine Steuererklärung abzugeben. "Viele glauben, sie können warten", sagt BVL-Geschäftsführer Uwe Rauhöft. Das ist aber falsch: "Steuerpflichtige haben in Bezug auf die Steuererklärung eine Bringpflicht." Das gilt auch für Rentner.

Allerdings müssen Senioren ihre Einnahmen nicht mühsam zusammensuchen. Zumindest bei den Altersbezügen gibt es Hilfe: Die Rentenversicherung stellt Rentnern auf Wunsch kostenlose Bescheinigungen aus, die beim Ausfüllen der Steuervordrucke helfen. Diese Papiere enthalten alle relevanten Beträge mit Hinweisen, in welchen Zeilen dieser Vordrucke die Werte eingetragen werden müssen.

Eine gute Nachricht: Trotz einer möglichen Abgabepflicht für die Steuererklärung werden nicht in jedem Fall Steuern fällig. "Rentner können eine Reihe von Ausgaben steuerlich geltend machen", erklärt Rauhöft. Dazu zählen etwa Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge.

Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler können dafür im Jahre 2017 maximal bei einem ledigen Rentner 2901 Euro und bei verheirateten Rentnern 5802 Euro steuerlich anerkannt werden, soweit nicht höhere Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung vorliegen.

Auch Sonderausgaben wie Kirchensteuern oder Spenden können die Steuerlast senken. Gleiches gilt für weitere Versicherungen wie eine Unfallversicherung. "Wenn Sie Haushaltshilfen oder Pflegedienste beschäftigen, können Sie diese Kosten ebenfalls absetzen", sagt Rauhöft. Das Honorar darf aber nicht bar bezahlt werden.

Einen großen Posten können Gesundheitsausgaben bilden, allerdings müssen auch Rentner eine zumutbare Eigenbelastung tragen. Wichtig also: Alle Belege für Brille, Zahnersatz, Medikamente, Kuren oder Gehhilfen sollten das Jahr über gesammelt werden.

Senioren mit gesundheitlichen Einschränkungen können zusätzlich vom Behindertenpauschalbetrag profitieren. Er liegt zwischen 310 Euro und 3700 Euro, erklärt der Bund der Steuerzahler. Voraussetzung ist aber, dass ein Schwerbehindertenausweis oder eine entsprechende Bescheinigung vorliegt.

Selbst Werbungskosten können Rentner geltend machen: "Wenn Sie einen Rentenberater nutzen, können Sie diese Ausgaben geltend machen", erklärt Rauhöft. Ruheständler profitieren auch von Steuerfreibeträgen wie dem Altersentlastungsbetrag. Daher zeigt sich bei der Abrechnung oft, dass Rentner am Ende doch keine Steuern zahlen müssen.

Wichtig: Wer anfänglich keine Steuern zahlen musste, sollte sich nicht entspannt zurücklehnen. Denn durch Rentenerhöhungen oder Witwenrenten, die nach dem Tod des Partners nun bezogen werden, können Rentner unter Umständen später doch steuerpflichtig werden.

Literatur: Hans W. Fröhlich: "Steuererklärung 2017/2018 - Rentner, Pensionäre Schritt für Schritt zum ausgefüllten Formular", Stiftung Warentest 2017, 208 Seiten, ISBN 978-3-86851-299-1, 14,90 Euro.

Infos des Bundesfinanzministeriums zur Rentenbesteuerung

Tipps von der Deutschen Rentenversicherung Bund

Rechner der Stiftung Warentest

Übersicht zur Rentenbesteuerung 2017

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Streamer und YouTuber: Alle News, Gerüchte und Skandale rund um die Stars im Internet
Streamer und YouTuber zu sein bedeutet, dass man nahezu rund um die Uhr im Rampenlicht steht. Nun gibt es alle Skandale, Nachrichten und Gerüchte auf einen Blick.
Streamer und YouTuber: Alle News, Gerüchte und Skandale rund um die Stars im Internet
Corona-Kurzarbeitergeld: Neuerung beschlossen - das gilt für Arbeitnehmer und Selbständige
Der Bundestag hat beschlossen, dass Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld größtenteils steuerfrei bleiben sollen. Was für Beschäftigte jetzt wichtig ist.
Corona-Kurzarbeitergeld: Neuerung beschlossen - das gilt für Arbeitnehmer und Selbständige
Höhere Renten sind beschlossen: So viel Geld gibt es ab Sommer 2020
Das Bundeskabinett hat eine kräftige Rentenanhebung zum 1. Juli beschlossen. Was Sie dazu wissen sollten.
Höhere Renten sind beschlossen: So viel Geld gibt es ab Sommer 2020
50, 100 Euro oder lieber mehr? So viel Geld sollten Sie dem Brautpaar schenken
100, 150 oder mehr? Wer zu einer Hochzeit eingeladen ist, stellt sich oftmals die Frage, welche Summe als Hochzeitsgeschenk angemessen ist. Hier ein paar Anregungen.
50, 100 Euro oder lieber mehr? So viel Geld sollten Sie dem Brautpaar schenken

Kommentare