Buch führen über die Einnahmen und Ausgaben - das verschafft Überblick und hilft dabei, Geld zu sparen. Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
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Buch führen über die Einnahmen und Ausgaben - das verschafft Überblick und hilft dabei, Geld zu sparen. Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Spiegelblick

Warum das Haushaltsbuch auch heute noch hilft

Schon Oma verschaffte sich mit ihrem Haushaltsbuch Klarheit über Einnahmen und Ausgaben. Doch die Corona-Krise verschafft der alten Idee neue Aktualität.

Ruppertsgrün (dpa/tmn) - Ein Haushaltsbuch, wie uncool. "Stimmt nicht", sagt Mandy Turreck. Die Haushaltsberaterin kennt viele Menschen, die sich "am Ende vom Geld wundern, dass noch so viel Monat übrig ist". Nicht nur denen, sondern jedem, der die eigenen Finanzen systematisch zusammenstellen will, legt sie es nahe.

"Das Haushaltsbuch ist wie ein Spiegel von uns selbst", sagt Turreck, die dem Berufsverband DHB Netzwerk Haushalt Sachsen vorsitzt. Es gibt Auskunft über Konsumverhalten, Vorlieben, Stärken und Schwächen. Und es gibt Hinweise dazu, wie sich Ausgaben optimieren lassen.

Die Expertin räumt ein, dass der Anfang Überwindung kostet: "Es ist wie beim Gang auf die Waage, wenn ich ahne, dass ich ein paar Kilo zu viel habe. Hinterher weiß ich, dass ich mein Verhalten ändern sollte."

Erstmal alles aufschreiben

In Unternehmen ist Buchführung eine Selbstverständlichkeit. In Zeiten von Corona entdecken sie aber auch Privathaushalte wieder. Wegen Kurzarbeit und der Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, sei das bis vor Kurzem verpönte Maßhalten wieder angesagt. "Gerade bei knappen Kassen ist es wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen. Alleine das Beobachten führt dazu, bewusster mit Geld umzugehen", sagt Annabel Oelmann, Leiterin der Verbraucherzentrale Bremen.

Um einen Überblick zu bekommen, schreiben Verbraucher zunächst sämtliche Kosten auf - etwa Ausgaben für Lebensmittel, neue T-Shirts, für Restaurantbesuche, Kosmetika, Urlaube und jeden Coffee to Go. Um nichts zu vergessen, sollte man alle Kassenzettel aufbewahren. Fixkosten wie Miete, Strom, Versicherungen und Ratenzahlungen lassen sich anhand von Kontoauszügen dokumentieren.

Den Ausgaben stehen die Einnahmen gegenüber. Dazu gehören neben dem Gehalt auch Kinder-, Eltern- und Wohngeld sowie Geldgeschenke. Fürs erste genügt es, beides in zwei Spalten einzutragen. Ein einfaches Blatt, Heft oder Buch reichen. "Durch das handschriftliche Erfassen bekommt man einen sehr direkten Bezug zu den Zahlen. Außerdem kann man das Buch individuell gestalten", sagt Oelmann.

Regelmäßig Bilanz ziehen

Am Monatsende wird alles zusammengerechnet und Bilanz gezogen. Wie oft jemand Einzelposten ins Haushaltsbuch einträgt, entscheidet jeder selbst. Oelmann und Turreck empfehlen, sich dafür etwa einmal im Monat Zeit zu nehmen. So bleibt der Aufwand begrenzt. "Je simpler, desto besser", sagt Oelmann. Das motiviert dran zu bleiben.

Vorgefertigte Haushaltsbücher aus dem Handel und Internet geben oft Rubriken vor - sortiert nach Freizeit, Gesundheit oder Haushalt. Zusätzlich können Nutzer die Zahlungsweise angeben. Dies lässt Rückschlüsse zu, ob per Karte bezahlte oder online getätigte Spontankäufe größere Löcher in die Kasse reißen als Bareinkäufe.

Strukturieren, dokumentieren, bilanzieren: Das funktioniert auch mit Hilfe von individuell erstellten Excel-Tabellen. So können Nutzer Rubriken anpassen und einfacher vergleichen, in welchen Monaten etwa Ausgaben steigen oder Einnahmen sinken.

Finanzanalyse mit digitalen Helfer, Downloads und Apps

Wem eine Analyse in Eigenregie zu mühsam ist, der nutzt digitale Helfer. Banken und Sparkassen bieten Finanzanalysen für online geführte Konten an. Zudem gibt es Haushaltsbücher als Apps.

"Sie eignen sich für alle, die schnell und zwischendurch ihre Ausgaben erfassen wollen. Sie sparen Zeit", sagt Geldcoach Dani Parthim aus Hamburg. Die Apps analysieren das Ausgabeverhalten, erstellen dazu Diagramme und machen so Zusammenhänge sichtbar. "Auch auf diese Weise lassen sich Einsparpotenziale erkennen", so Oelmann.

An den Datenschutz denken

Apps haben aber zwei Knackpunkte: Erstens die üppige Programmierung und zweitens den Datenschutz. Parthim erfasst deshalb nur variable Ausgaben in der App, die Fixkosten stehen in der Exceldatei. Die Daten überträgt sie nach einiger Zeit vom Smartphone auf den Rechner und löscht sie dann vom Mobiltelefon. Außerdem verzichtet sie auf Cloud-Anwendungen.

Auch Oelmann rät dazu, auf den Datenschutz achten. Richtig nützlich seien Apps, wenn diese aus den gewonnenen Erkenntnissen nützliche Hinweise ableiten - etwa wie Sie Geldfressern beikommen.

Vom Haushaltsbuch, egal ob analog oder digital, profitiere auch der Familienfrieden: "Für Klarheit und Transparenz zu sorgen, entzieht jedem Streit um Geld die Grundlage."

Literatur:

Das Haushaltsbuch. Alle Finanzen im Griff, Ausgaben und Einnahmen im Blick, hrsg. von der Verbraucherzentrale Düsseldorf, 25. Auflage, 2020, 9,90 Euro, zu beziehen unter: https://www.ratgeber-verbraucherzentrale.de/geld-finanzen/das-haushaltsbuch-46007020 oder +49 211 3809555

© dpa-infocom, dpa:200616-99-447188/3

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