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Ob Kreativität oder Unbefangenheit - in vielen Dingen können Kinder für Erwachsene ein gutes Vorbild sein. Foto: Robert Schlesinger

Was Erwachsene von Kindern lernen können

Köln (dpa) - Sie lachen 20 Mal so oft wie ein Erwachsener. Sie finden sich spielend auf dem Tablet zurecht. Und sie können zeichnen wie Picasso. Von den Fähigkeiten der Kinder würde man sich gern einiges abschauen.

Ständig geht es darum, wie sich Kinder noch schneller und umfangreicher das Wissen und die Fähigkeiten der Erwachsenen aneignen können. Dabei wird oft vergessen, dass Kinder vieles besser können als die Großen. Eine (unvollständige) Liste kindlicher Stärken:

Unbefangenheit : Pablo Picasso versuchte sich zeitlebens die Fähigkeit anzueignen, die Welt mit den Augen eines Kindes zu betrachten: unbefangen und ohne Schablonen. Er blieb immer stehen, wenn er sah, dass Kinder gerade etwas mit Kreide aufs Pflaster malten. "Ich lerne oft dabei", sagte er. Zum Beispiel zeichnen kleinere Kinder ein Gesicht mitunter aus der Seiten- und der Vorderansicht - so wie Picasso es tat. Oder sie fassen in einem einzigen Bild eine Abfolge von Ereignissen zusammen. Kinder können auch Gebrauchsgegenstände aller Art mit Leichtigkeit zu Figuren umgestalten - und lesen aus einer Raufasertapete ganze Geschichten heraus.

Ehrlichkeit: Kinder können in Hörweite von acht Passanten fragen, ob "wir uns dieses Jahr wieder keinen Urlaub leisten können". Ihre Direktheit kann verstörend sein. Aber wenn sie einem etwas Nettes sagen, kann man sich dafür ziemlich sicher sein, dass es ehrlich gemeint ist. Es sei denn, es folgt die Anschlussfrage: "Darf ich jetzt noch fernsehen?" Dann könnte eher Berechnung dahinter stecken.

Lachen: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein Erwachsener im Durchschnitt 15 bis 20 Mal am Tag lacht - ein Kind dagegen 400 Mal. Die gute Nachricht für Erwachsene: Kinderlachen steckt an. Wer mit ihnen zusammen ist, lacht häufiger.

Spielen: Ein Bett wird zum Piratenschiff, eine Kellertreppe zum Gebirge. Kinder können überall spielen - auch und gerade im Dreck mit fast gar nichts. Dabei wechseln sie mühelos die Rollen: vom Ork zum Supermann und von der Prinzessin zur Rennfahrerin.

Digitale Affinität: Kinder sind "digital natives" - digitale Muttersprachler. Noch bevor sie lesen können, finden sie sich über die Symbole schon auf dem Tablet oder Smartphone zurecht. Deshalb erntet Papa ungläubige Blicke, wenn er erzählt, dass es in seiner Kindheit noch keine Handys und kein Internet gab. "Ach? Dann gab es da auch noch keine Autos?"

Neugier: Warum ist es auf dem Berggipfel kalt, obwohl man da näher an der Sonne ist? Warum geht das Wasser weg, wenn man reintritt? Wo war ich, bevor ich auf die Welt kam - war ich da noch gestorben? Kinder stellen sich fortwährend die Fragen, die sich eigentlich jeder Mensch stellen müsste.

Kreativität: Kinder sind von Natur aus schöpferisch. Sie erfinden etwa laufend neue Wörter. Zum Beispiel: Schwarzträumer - für jemanden, der sich morgens nie an seine Träume erinnern kann. Oder: Laptopper (Laptop-Nutzer), glocken (Schlagen einer Turmuhr), Bratmacher (Pfanne), Wegmacher (Radiergummi), Popelwand in der Nase (Schnupfen).

Zuhören: Viele Erwachsene erzählen am liebsten von sich selbst. Aus einem Kind dagegen kann man oft nur schwer etwas herausbekommen. "Wie war's im Kindergarten?" - "Gut." - "Was habt ihr gemacht?" - "Gespielt." Dafür sind Kinder gute Zuhörer - nicht nur beim Geschichtenvorlesen. Sie merken sich verblüffend viele Einzelheiten - und konfrontieren den Erwachsenen Monate später mit Widersprüchen zu dem, was er vorher erzählt hat.

Blick fürs Kleine: Kinder können ganz schön materialistisch sein. Aber dann ist an Heiligabend plötzlich die Armbanduhr-Attrappe für 2,50 Euro der Riesenerfolg und nicht die teure Playmobil-Packung. Und in Paris ist es nicht der Eiffelturm, der sie beeindruckt, sondern die Taube, die nach und nach ein dickes Stück Baguette auffrisst.

Leben: Die vielleicht wichtigste Lektion, die Kinder Erwachsenen geben können, heißt: Lebe jetzt! Kinder leben in der Gegenwart, sie grübeln nicht über Vergangenes nach und planen auch nicht für die Zukunft. Damit geht einher, dass sie groß im Verzeihen sind: Streit und Traurigkeit sind schnell wieder vergessen.

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