Fangen wieder bei null an: Daniel und Dorota Bredemeyer in ihrer frisch bezogenen Murnauer Wohnung. foto: sj

Nach Brandkatastrophe: Leben ist das schönste Geschenk

Murnau - Nur einen Monat nach ihrer Hochzeit ging die Existenz von Daniel und Dorota Bredemeyer in Flammen auf. Nun kämpft sich das Murnauer Paar zurück ins normale Leben.

Materielles spielt in diesen Tagen nur eine Nebenrolle. „Wir schenken uns nichts zu Weihnachten“, sagt Dorota Bredemeyer - und fügt hinzu: „Das größte Geschenk ist, dass wir am Leben sind.“

Mit ihrem Mann Daniel hat sie die Brandkatastrophe am Murnauer Ostermannweg, bei der eine Frau starb und 18 Menschen zum Teil schwer verletzt gerettet wurden, körperlich unversehrt überstanden. Fast ihr gesamtes Hab und Gut aber ging in Flammen auf. „Am 1. Oktober hatten wir geheiratet“, sagt Daniel Bredemeyer, „und am 1. November standen wir mit nichts da.“

In den Wochen nach dem Brand, in dem die Polizei nach wie vor ermittelt, war Materielles zunächst in den Vordergrund gerückt: „Da habe ich schon immer wieder darüber nachgedacht, was alles verloren gegangen ist“, sagt der 41-Jährige. „Wir haben uns elf Jahre zusammen etwas aufgebaut, das innerhalb von 15 Minuten verbrannte.“ Erst später habe er realisiert, „dass wir knapp mit dem Leben davongekommen sind“.

Nun findet das frisch verheiratete Paar Schritt für Schritt zurück in den Alltag, baut sich langsam eine neue Existenz auf. Es will nicht Dingen nachtrauern, die unwiderbringlich zerstört wurden, sondern nach vorne schauen. Bereits am 3. November unterschrieben beide einen neuen Mietvertrag für eine Wohnung in Murnau, Mitte November zogen sie ein. Zunächst war Improvisationstalent gefragt, weil 1000 sonst selbstverständliche Kleinigkeiten - vom Brotmesser bis zum Pizzablech - fehlten, und noch heute ist die Einrichtung nicht komplett. Vom alten Mobiliar blieb Bredemeyers nichts.

Dass zum Beispiel ihrer neuen Küche nichts vom quasi Total-Verlust anzumerken ist, verdanken sie vielfach anderen Menschen, Bekannten und Unbekannten, die sie unterstützten: unter anderem mit Geschirr, Pfannen, einem großen Schrank, Tisch, Stühlen, Deko und anderem mehr. Auch Bredemeyers besaßen keine Hausratsversicherung, wurden von dem Feuer kalt erwischt. Ihr Auto verbrannte ebenfalls. Die Firma Schwaller, sagt Dorota Bredemeyer, stelle ihr bereits die siebte Woche gratis einen neuen Pkw zur Verfügung, ohne den sie nicht an ihren Arbeitsplatz nach Penzberg gelangen würde. All die Hilfsbereitschaft und Solidarität macht sie „echt sprachlos“. Das Paar verspürt tiefe Dankbarkeit für die Unterstützung und die Spenden von zahlreichen Seiten, betont das auch immer wieder. „Das war schon überwältigend“, sagt Dorota Bredemeyer.

Noch haben beide keine wirkliche Ruhe gefunden nach dem Start in ihr neues Leben, weil unendlich viele Dinge zu erledigen sind. „Heiligabend werden wir aber schon runterkommen“, sagt Daniel Bredemeyer. Diesen will das Paar im Familienkreis verbringen. Das Fest wird jedoch anders sein als in den vergangenen Jahren: ohne eigenen Christbaum und großer Weihnachtsdeko in der frisch bezogenen Wohnung. „Es gibt einfach noch wichtigere Dinge, die wir brauchen“, sagt Dorota Bredemeyer. „Nächstes Jahr wird es wieder anders sein.“ (sj)

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