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Weniger Zinsen für Rentenversicherungen

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Weniger Zinsen für Rentenversicherungen
Der Garantiezins für Lebensversicherungen sinkt - für Verbraucher steigen damit unter Umständen die Kosten. © Christin Klose

Die Garantiezinsen für Renten- und Lebensversicherungen sinken. Statt 0,9 Prozent gibt es ab 2022 nur noch 0,25 Prozent. Was Sparer jetzt wissen sollten.

Hamburg/Berlin (dpa/tmn) - Eine kleine Zahl sorgt für eine große Welle. Es geht um den Garantiezins bei Lebens- und Rentenversicherungen. Ab dem 1. Januar 2022 dürfen die Versicherer bei Neuverträgen maximal noch eine jährliche Verzinsung von 0,25 Prozent versprechen.

Betroffen sind Neuverträge bei Lebensversicherung, Riester- und Rürup-Rente sowie betrieblicher Altersvorsorge.

Es trifft aber nicht nur neue Verträge. Die geplante Zinssenkung wirkt sich auch auf bestehende Versicherungsverträge aus. Das stößt bei Verbraucherschützern auf Kritik.

Eigentlich heißt der Garantiezins Höchstrechnungszins, das bedeutet: der Zins ist gedeckelt. Seit Jahren sinkt dieser. „Damit werden Lebens- und Rentenversicherungen immer unrentabler“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Nur Sparanteil wird verzinst

Schon zu Zeiten mit einem vergleichsweise hohen Zins waren aus ihrer Sicht „Lebens- und Rentenversicherungen für Verbraucher ein schlechtes Geschäft“. Der Grund: Damals wie heute bezieht sich die Garantieverzinsung nicht auf den eingezahlten Beitrag. Von dieser Summe gehen Provision, Verwaltungskosten und Kosten für die Todesfallabsicherung ab. Nur der Sparanteil wird verzinst.

„Garantiert ist auch nur die vereinbarte Versicherungssumme“, erklärt Becker-Eiselen. Die bei Vertragsabschluss prognostizierten Überschüsse kommen „Kaffeesatzlesen“ gleich. Seit Jahren sinken die Überschüsse kontinuierlich, ebenso die Rentenfaktoren. Und jetzt soll ab 2022 eine weitere Senkung des Höchstrechnungszinses kommen.

„Lebens- und Rentenversicherungsverträge lohnen sich unter dem Strich überhaupt nicht mehr“, sagt auch Axel Kleinlein. Er ist Vorstandssprecher der Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten (BdV) mit Sitz in Hamburg. Vor allem jene mit Riester- und Rürup-Renten seien im Nachteil. Wer einen Vertrag abschließen möchte, müsse Rentenkürzungen einkalkulieren, so Kleinlein.

Jüngere müssen mehr zahlen

Um Kürzungen abzuwenden, müssten Versicherer die Verträge in vielen Fällen verteuern. „Jüngeren Menschen bleibt künftig nichts anderes übrig, als etwa 30 Prozent mehr zu zahlen, wenn sie die gleiche garantierte Rente bekommen wollen“, so Kleinlein. Damit schnellten auch die Provisionen für einen Vertrag um 30 Prozent in die Höhe.

Kleinlein kritisiert auch, bei vielen Versicherungsverträgen, die noch in der Ansparphase sind, stehe im Kleingedruckten, dass künftige Rentenzahlungen geringer als ursprünglich kalkuliert ausfallen könnten. Dagegen vorgehen könnten Riester- und Rürup-Sparer nicht - sie sind per Gesetz verpflichtet, am Ende eine Rente bei dem jeweiligen Versicherer zu beziehen.

Wettbewerb würde helfen

„Würde der Gesetzgeber diesen Verrentungszwang kippen, dann wäre einiges gewonnen“, sagt Kleinlein. Denn dann stünden die Versicherer im Wettbewerb untereinander, im Ergebnis wären bessere Renten zu erwarten. Zudem sollte aus BdV-Sicht jeder Sparer selbst entscheiden dürfen, ob er lieber eine Rente oder eine Einmalzahlung haben möchte.

Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat Wünsche an den Gesetzgeber. „Kurzfristig notwendig ist jetzt eine Flexibilisierung der bislang gesetzlich geforderten vollständigen Beitragsgarantie“, erklärt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Andernfalls könnten Versicherer in der Breite ab 2022 keine Riester-Rente mehr anbieten.

Auch bei der betrieblichen Altersversorgung drohten dann Angebotslücken, da Arbeitgeber kaum noch Beitragszusagen mit Mindestleistung gewähren könnten. Diese würden vor allem von mittelständischen und kleinen Unternehmen genutzt, so Asmussen.

Ausstieg bedeutet meist Verlust

Für Produkte ohne starre Beitragsgarantie ist aus GDV-Sicht die Senkung des Höchstrechnungszinses weniger relevant. „Denn die meisten Kunden entscheiden sich schon heute für moderne Lebensversicherungen, die eine flexible und dadurch höhere Renditechancen bieten“, erklärt Asmussen.

Eine solche Police haben indes viele nicht. Üblicherweise sind Lebens- und Rentenversicherung langlaufende Verträge, manch einer hat sie schon seit Jahrzehnten. Betroffene müssen die geplante Zinssenkung hinnehmen. Zwar ist ein Ausstieg aus dem Vertrag möglich, aber nur unter großen Verlusten.

© dpa-infocom, dpa:210525-99-735915/4

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