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Zu viert im Einzimmerapartment: Akiel Turki Assad, Frau Ghizlen und ihre Söhne.

28 Quadratmeter für vierköpfige Familie

Extremer Platzmangel: Unser Baby schläft auf dem Kühlschrank

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München - Obwohl sie Anspruch auf eine viel größere Wohnung hätte, muss eine vierköpfige Familie mit 28 Quadratmetern auskommen. Der extreme Platzmangel bringt das Wohnungsamt in eine Zwickmühle.

Der Mangel an Sozialwohnungen in München ist schlimm. Denn unter ihm leiden die Schwächsten unserer Gesellschaft. Nur ein Drittel der Antragsteller mit höchster Dringlichkeitsstufe bekommt eine Wohnung – der Rest muss warten, oft unter unzumutbaren Bedingungen. Heute berichten wir über eine vierköpfige Familie, die auf 28 Quadratmetern lebt. Denn an sich hätten die vier Anspruch auf eine Vierzimmersozialwohnung. Weil solche rar und selten frei sind, werden Akiel Turki Assad (42) und seine Frau Ghizlen (28) immer wieder vertröstet.

In diesem Haus in Sendling wohnt die Familie.

Er brät Wienerschnitzel, zaubert einen Schweinsbraten mit rescher Kruste und knusprige Pizza. Seit 15 Jahren lebt Akiel Turki Assad (42) in München, seit sechs Jahren hat er die deutsche Staatsangehörigkeit. Ursprünglich kommt er aus dem Irak. Aber mit seiner alten Heimat hat er abgeschlossen und sich hier ein neues Leben aufgebaut. Seit zehn Jahren arbeitet er als Koch – inzwischen in Leon’s Wirtshaus in der Dachauer Straße. Und er nimmt zeitweise auch Zweitjobs an, um mehr Geld für seine Familie zu verdienen. Akiel liebt Deutschland, will hier mit seiner Frau Ghizlen (28) die Kinder großziehen und alt werden. Vor zwei Monaten kam der zweite Sohn Zulfqir zur Welt, sein Bruder Ali feiert bald seinen zweiten Geburtstag. Alles wäre so schön, doch eines macht der Familie schwer zu schaffen: der extreme Platzmangel in ihrer Wohnung in Sendling.

Das Baby schläft auf dem Kühlschrank.

Denn die Familie lebt auf nur 28 Quadratmetern (650 Euro Miete plus Nebenkosten)! Baby Zulfqir muss in seinem Babybett teilweise auf dem Kühlschrank schlafen – natürlich ist es festgeschnallt, damit der Kleine nicht abstürzen kann. Die Wohnung ist so klein, dass nicht einmal Platz für ein richtiges Bett ist, und die Eltern mit den Kindern zusammen auf einer Matratze am Boden schlafen. Vater Akiel ist verzweifelt. Denn obwohl er bei einem Verdienst von derzeit rund 1000 Euro monatlich Anspruch auf eine geförderte Wohnung hat, wird er auf dem Wohnungsamt immer wieder vertröstet. „Man erklärt uns seit Langem immer wieder, dass uns normalerweise eine Wohnung mit vier Zimmern zustehen würde. Daher dürfe das Amt uns keine Zwei- oder Dreizimmerwohnung vermitteln“, sagt Akiel. „Dann erklären uns die Beamten, dass wir vorerst in unserem Einzimmerapartment wohnen bleiben müssen, bis eine geeignete Wohnung frei wird, was aber dauern kann, weil solche Wohnungen rar sind.“ Akiel schüttelt den Kopf. „Wir wollen keine Almosen und wären schon zufrieden, wenn wir in eine Wohnung mit eineinhalb Zimmern ziehen könnten. Denn hätten wir eine separate Küche, bestünde nicht dauernd die Gefahr, dass die Kinder den Herd andrehen oder gefährliche Gegenstände wie Küchenmesser in die Hand bekommen.“

Das Wohnungsamt ist hier allerdings in der Zwickmühle, denn es muss der Familie eine Wohnung vermitteln, die ihren gesetzlichen Ansprüchen entspricht. Als Anhaltspunkt ist das bei geförderten Wohnungen ein Zimmer pro Person. Weitere Auskünfte zu dem Fall gab das Amt nicht – es ist völlig überlaufen und muss nun drei Wochen schließen, um liegengebliebene Anträge aufzuarbeiten. Denn neben dem Mangel an Sozialwohnungen gibt es beim Wohnungsamt auch noch einen Mangel an Personal – fünf freie Planstellen konnten bislang nicht besetzt werden.

Akiel hofft nun, vielleicht doch auf dem freien Wohnungsmarkt eine Wohnung mit wenigstens zwei Zimmern zu bekommen. „Wenn sie zwischen 700 und 800 Euro Miete kostet, dann schaffe ich es“, sagt der 42-Jährige. „Ich möchte meinen Kindern eine schöne Kindheit und ein Aufwachsen unter menschenwürdigen Bedingungen bieten.“

Susanne Sasse

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