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Mieterin ­Anna Maria S. zeigt die schadhafte Stelle im Flur – hier ist sie ­gestürzt.

Schmuddelig, löchrig und fleckig

Ärger um Gammel-Flur: Dürfen Mieter das selbst reparieren?

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München - Anna Maria S. ist der Zustand des Flures in ihrem GBW-Mietshaus peinlich, sie will das ändern. Aber dürfen  Mieter selbst bei den anstehenden Renovierungsarbeiten anpacken?

Eigentlich lebt Anna Maria S. ja schön – in Schwabing, in der Schinkelstraße. Schön, wenn da dieser Eingang nicht wäre … Die tz-Leserin, die seit 31 Jahren in dem GBW-Mietshaus lebt, sagt: „Ich schäme mich – vor allem, wenn ich Besuch bekomme. Der Flur ist schmuddelig und die Wand fleckig.“

Im Eingangsbereich ist der Boden so stark beschädigt und löcherig, dass S. selber im März zu Fall kam. „Ich hatte Schuhe mit Absätzen an und bin gestürzt“, erzählt sie. Nach dem Unfall mahnte sie (wie schon mehrfach) schriftlich bei der GBW an, der Boden müsse dringend saniert werden. „Leider passierte wieder nichts“, ärgert sie sich.

Mit ihrer Meinung, dass dringend renoviert werden müsste, ist Anna Maria S. nicht alleine: Gemeinsam mit neun anderen Mietern hat sie die GBW im Herbst erneut darum gebeten, „die bereits seit Jahren in Aussicht gestellte Renovierung des Anwesens in Angriff zu nehmen“.

In diesem Haus an der Schinkelstraße (Schwabing) lebt Anna ­Maria S.

Vielfach hätten sie und ihre Mitstreiter die Mängel der GBW schriftlich in Einzelnen aufgelistet. Dreckiger Müllraum und greisliger Fahrradraum, verschmutzter Bürgersteig vor dem Haus, dreckige Eingangstür, abplatzender Lack am Treppengeländer, stark abgenutzte Fußmatte und vieles mehr. „Aber bis darauf, dass man uns versprach, die vorgetragenen Mängel zu überprüfen, geschah nichts“, ärgert sich S.

Jetzt würden die engangierten Mieter am liebsten selbst Hand anlegen. Zum Beispiel selbst im Baumarkt einen Eimer weiße Wandfarbe kaufen und den Flur streichen, sagt Anna Maria S.: „Gerne auch auf meine Kosten – von einem schönen Hausflur trennen uns doch nur ein paar Pinselstriche. Aber dürfen wir Mieter denn selbst bei den anstehenden Renovierungsarbeiten anpacken?,“ fragt sie.

Ein Bild aus dem Treppenhaus – neuer Anstrich dringend nötig.

„Nein, ohne Genehmigung des Vermieters dürfen Mieter nicht die Gemeinschaftsflächen streichen, da sie diese ja nicht angemietet haben“, warnt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München. Willigt der Vermieter ein, dann haben die Mieter auch keinen Anspruch auf die Erstattung der Kosten – außer, sie haben das zuvor mit dem Vermieter schriftlich vereinbart. Die Mieterschützerin rät Mietern, sich bei Problemen mit der Sauberkeit in einem Haus am besten gemeinsam und schriftlich beim Vermieter zu beschweren. „Dann haben sie Zeugen“, sagt Franz. „Auf dem Schreiben kann man dann auch ruhig vermerken, dass man nicht mehr bereit ist, die vollen Kosten für die Hausreinigung zu übernehmen – in der Regel reagieren die Vermieter dann schon. Tun sie das aber nicht, bleibt den Mietern schlussendlich nur die Klage auf Renovierung.“ Die Miete wegen Renovierungsbedarfs zu mindern, empfehle sich weniger, da hier die Miete nur um sehr geringe Beträge gekürzt werden kann.

Die tz wandte sich an die GBW – und erreichte, dass etwas geschieht. Die Löcher im Boden am Eingangsbereich wurden provisorisch geflickt, in den kommenden Wochen soll er richtig renoviert werden. „Wir arbeiten selbstverständlich daran, tatsächlich vorhandene Mängel zu beheben“, schreibt eine Sprecherin. Die Fußmatte im Eingangsbereich werde durch eine neue ausgetauscht, die mit der Reinigung des Treppenhauses beauftragte Firma intensiver überwacht, für die Reinigung des Bürgersteigs sei ab sofort ein neuer Dienstleister zuständig. „Die Reinigung erfolgt nun wieder regelmäßig“, verspricht die GBW. Dass allerdings die Mieter nun selbst mit Hand anlegen, will die GBW nicht – sie müssen sich noch in Geduld üben.

Der tz-Mietertag: So können Sie uns kontaktieren 

Bitte richten Sie Ihre Fragen (plus Telefonnummer für Rückfragen) an die Mieterverein-Vorsitzende Beatrix Zurek und ihre Kollegin Anja Franz: Stichwort „tz-Leser fragen die Mieterpräsidentin“, per Post an die Lokalredaktion,80282 München, per Fax an 089/5 30 65 67 oder per Mail an: lokales@tz.de. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine ausführliche Einzelfallberatung vornehmen können.

Susanne Sasse

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