Architektouren: Über 200 Häuser besichtigen

München - Architekten und Bauherren präsentieren bei den „Architektouren“ über 200 beispielhafte Einfamilienhäuser. Bei der Leistungsschau stehen aber Experten mit Rat und Tat zur Seite.

Mit den Architektouren präsentiert die Bayerische Architektenkammer zum 16. Mal eine Leistungsschau ihrer Mitglieder. Mehr als 200 vorbildliche Projekte wurden von einem unabhängigen Beirat ausgewählt und können am Samstag, 25. Juni, und Sonntag, 26. Juni, besichtigt werden. Neben den Planern stehen auch die Bauherren am Ort Rede und Antwort. Eine ausgezeichnete Möglichkeit also für alle Bauherren in spe, sich aus erster Hand zu informieren.

Aber was ist vorzeigbare Architektur in unseren Tagen? Welche Trends gibt es? Wie beurteilt man architektonische Qualität? Darüber sprachen wir mit Beiratsmitglied Brigitte Jupitz (Vizepräsidentin der Bayerischen Architektenkammer und lange Jahre Architektin beim Bauamt Nürnberg).

Jupitz: „Die großen Trends sind Sanierungsmaßnahmen im Bestand bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Nachhaltigkeit. Dabei geht es um das große Thema Energie, aber auch um mehr architektonische Qualität. Denn die kann man ja auch unter dem Nachhaltigkeitsaspekt sehen: Gute Architektur ist zeitlos, sie ist modern, aber nicht modisch. Und: Form und Funktion sollten übereinstimmen.“ Nimmt die Qualität beim Bauen in Bayern eigentlich zu? Jupitz: „Ja, auf alle Fälle. Wir bemerken beispielsweise bei den Architektouren, dass auch immer mehr ausgezeichnete Häuser außerhalb der Region München dabei sind.“

Über Architektur lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Was ist denn gute Architektur? Jupitz: „Nehmen wir das Haus von Sebastian Wagnerberger am Chiemsee. Es ist heimatverbunden und passt sich damit der Umgebung an – nicht nur von der Form her, auch von der Bauweise: Erdgeschoss aus Stein, Obergeschoss aus Holz. Trotzdem „jodelt“ es nicht. Es ist quasi „echt“ und keine Folklore. Die Rückseite erinnert an eine alte Scheune mit einem raumhohen Schiebetor zur Tenne. Dahinter verbirgt sich aber die Fensterfront des Wohnzimmers. Hier wird ein tradiertes Bauelement für eine moderne Nutzung übernommen. Überhaupt ist das Haus innen sehr modern, mit vielen Blickbeziehungen und spannenden Lichtinszenierungen. Man vermutet von außen nicht, wie hell es drinnen ist. Dazu erfüllt es Passivhaus- Standard, auch ohne ein kompakter Kubus zu sein. Das alles macht es zu einem guten Beispiel, wie heute moderne, zeitlose Architektur bei uns aussehen kann.“

Wovon hängt das Gelingen guter Architektur ab? Jupitz: „Hauptsächlich von der Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherrn. Je mehr Planung stattfindet, desto besser wird‘s in der Regel. Hier ist nicht nur der Architekt als Planer gefragt, auch der Bauherr hat hier viel Arbeit. Er muss überlegen, wie er künftig wohnen will, wo bestimmte Nutzungen stattfinden sollen, ob es Konflikte mit anderen Nutzungen geben könnte. Hier sollte er bis zum Schluss seine Hausaufgaben machen. Aber in der Wirklichkeit hören viele vorher auf, weil sie sich nicht entscheiden können – beispielsweise wo das Bett endgültig hin soll oder sie haben noch keine Vorstellung zur Möblierung. Dann können Architekten nur allgemeine Lösungen anbieten, nichts Individuelles. Je mehr solcher Dinge offengelassen werden, desto beliebiger wird das Ergebnis. Das, was die meisten bei anderen als gute Architektur bewundern, ist immer das Werk konsequenter Bedürfniserforschung und durchdachter Planung.“

mm

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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