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Katarzyna Lück mit ihren Töchtern Laura (r.) und Ariela. Die verzweifelte Mutter zeigt das Kündigungsschreiben.

Keine Chance für Katarzyna

Ausländischer Vorname als Problem bei der Wohnungssuche

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München - Traurig, aber wahr: Katarzyna Lück braucht für sich und ihre Töchter eine neue Wohnung, bekommt aber wegen ihres polnischen Namens nur Absagen. 

Vielen hundert Menschen aus dem Ausland hat sie schon geholfen – bloß ihr selber kann keiner helfen… Katarzyna Lück (40) aus Fürstenried braucht nach einer Eigenbedarfskündigung dringend eine neue Wohnung, ist aber chancenlos. Hunderte Bewerbungen hat sie geschrieben, aber noch nicht mal eine Einladung zu einem Besichtigungstermin kam zurück. Katarzyna ist sicher: Das liegt an ihrem polnischen Vornamen und an der Tatsache, dass sie alleinerziehend ist.

Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München sagt: „So traurig es klingt: Sie würde viel eher eingeladen werden, wenn sie sich Katarina statt Katarzyna nennt und von den Kindern zunächst nichts schreibt.“ Alleinerziehende, Behinderte, Alte und Menschen mit ausländischen Namen haben nach Franz’ Erfahrung auf dem überheizten Münchner Wohnungsmarkt besonders schlechte Karten.

Dabei ist Katarzyna ein Musterbeispiel in Sachen Eingliederung in eine neue Umgebung. Seit 18 Jahren lebt sie in Deutschland, gibt sogar selber als Seminarleiterin Integrationskurse für Ausländer. Ursprünglich hat sie in Polen Deutsch studiert, kam mit 22 Jahren nach München und machte an der Ludwig-Maximilians-Universität den Magister in Deutsch als Fremdsprache. Seit 2011 arbeitet sie bei den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (BFZ) in der Poccistraße. Ihre große Tochter Laura (13) besucht das Gymnasium, Ariela (9) geht in die dritte Klasse und ist begeisterte Ballettschülerin.

Positive Schufa-Auskunft, 1200 Euro Miete möglich - dennoch nur Absagen

Das alles könnte das kleine Glück sein – in Wirklichkeit sind es aber die großen Sorgen. Los ging’s im Herbst: Katarzyna Lück hat viel geweint, seit ihr Vermieter ihr die Kündigung zunächst androhte und im Januar tatsächlich ernst machte: Eigenbedarf, Katarzyna muss raus! Bis Oktober hat sie Zeit – aber die Ausichten sind schlecht. Obwohl sie bis zu 1200 Euro warm zahlen kann und jedem Wohnungsanbieter ein persönliches Anschreiben und die positive Schufa-Auskunft schickte, bekommt sie keine neue Bleibe.

In diesem Haus in Fürstenried liegt die Wohnung.

Die Zweieinhalbzimmer-Wohnung, in der die Familie seit 13 Jahren wohnt, kostet im Monat etwas über 700 Euro warm. Zunächst gehörte das Haus der Immobiliengesellschaft Patrizia. Als 2012 die Sozialbindung wegfiel, wurden die Wohnungen verkauft – auch diejenige, in der Katarzyna und ihre Töchter leben. Die Probleme begannen, als die Lücks sich trennten und Katarzyna um Umschreibung des Mietvertrags auf ihren Namen bat. Der Vermieter drohte stattdessen gleich mit Kündigung – und setzte diese Ankündigung wenig später in die Tat um. Gegenüber der tz wollte er keine Stellung nehmen.

Klage gegen Kündigung? „Für Mieter besteht ein hohes Kostenrisiko“

Für Katarzyna ist diese Kündigung ein Schlag ins Gesicht. „Unser Verhältnis war vorher gut“, sagt sie. Besonders für die Kinder ist die Lage äußerst belastend. Werden sie jetzt – direkt nach der Trennung der Eltern – auch noch aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen?

Sicher: Katarzyna könnte kämpfen, könnte gegen die Kündigung klagen. Aber sie sieht für sich keine Zukunft in der Wohnung. Und: Würde sie einen Räumungsprozess verlieren, dann müsste sich auch noch alle Kosten tragen. „Für Mieter besteht tatsächlich ein hohes Kostenrisiko. Es kann in den vierstelligen Bereich gehen. Eine Rechtsschutzversicherung wäre da zu empfehlen“, sagt Anja Franz.

Katarzyna setzt jetzt lieber auf das Wohnungsamt – auch wenn sie bisher enttäuscht wurde. Sie kann sich im Internet um geförderte Wohnungen bewerben. Aber auch hier das gleiche Spiel: Kein Vermieter antwortet. Katarzyna hat 112 Punkte und wird in Dringlichkeitsstufe eins geführt. Das Problem: In München gibt es zu wenig Sozialwohnungen, das Wohnungsamt verwaltet den Mangel. In Zahlen: 13 000 Anträge, davon 8500 in Dringlichkeitsstufe eins – pro Jahr hat die Stadt aber nur rund 3000 Wohnungen zu vergeben. „Ich hoffe, ich komme trotzdem bald zum Zug. Es muss ja weitergehen, schon allein wegen meiner Kinder“, sagt Katarzyna.

Susanne Sasse

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