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Wer sucht, der findet: Laut Maklerverband IVD Süd werden für viele Wohnungen in München neue Mieter nur noch über Mundpropaganda gesucht. Seit Inkrafttreten des Bestellerprinzips versuchen Wohnungseigentümer so Geld zu sparen.

Immobilien

Bestellerprinzip verändert den Mietmarkt

Seit einem Jahr gilt: Wer einen Makler beauftragt, muss ihn auch bezahlen. In der Regel ist das der Vermieter. Das sogenannten Bestellerprinzip hat auch in der Region München den Mietmarkt verändert. Eine Bilanz.

München – Geringes Angebot, riesige Nachfrage, steigende Mieten: Wer in München oder Umgebung eine Mietwohnung sucht, braucht Zeit, gute Nerven und ein gut gefülltes Portemonnaie. Die Wohnungsnot ist groß. Um Wohnungssuchenden zu helfen, hat die Bundesregierung zum 1. Juni 2015 das Mietrechtsnovellierungsgesetz in Kraft gesetzt. 

Enthalten sind die Mietpreisbremse und das so genannte Bestellerprinzip. Letzteres bedeutet, dass derjenige den Vermittler bezahlen muss, der ihn beauftragt hat – nicht wie vorher ausschließlich der Mieter. Der musste jahrelang eine Courtage berappen, die meist mehr als zwei Monatskaltmieten betrug. Jetzt, ein Jahr nach Einführung des Bestellerprinzips, ist es Zeit, eine Bilanz zu ziehen: Hat das Gesetz die Situation der Mieter verbessert?

„Ich habe schnell und unkompliziert eine Wohnung gefunden“, erzählt Monika Weller (Name geändert). Die 28-jährige Frankfurterin hat Ende März den Mietvertrag für ihre neue Bleibe in München-Schwabing unterschrieben: drei Zimmer, zwei Bäder und einer 15-Quadratmeter große Dachterrasse. Miete: 1900 Euro kalt. Etwa einen Monat hatte sie gesucht. „Zuerst habe ich mit Freunden und Bekannten gesprochen, alle meine Netzwerke angezapft, ohne Erfolg“. Fündig wurde sie schließlich auf der Immobilienplattform Immobilienscout24. „Dann ging es plötzlich sehr schnell“, erinnert sie sich. Ganze zwei Wochen dauerte es vom Lesen der Online-Anzeige des Maklerunternehmens McMakler über die Wohnungsbesichtigung bis zur Vertragsunterzeichnung. Monika Weller musste lediglich eine digitale Bewerbungsmappe senden. Inhalt: Bonitätsauskunft der Schufa, Gehaltsnachweise der vergangenen drei Monate und einen Beleg, dass sie keine Mietschulden hat. Der Kontakt, die Erklärungen und Beratung durch das Maklerunternehmen McMakler, „waren korrekt und informativ“, so die junge Frau.

Gebühren fielen für sie nicht an. Vor zwei Jahren, bei ihrer letzten Wohnungssuche, musste Monika Weller noch zwei Nettokaltmieten Maklercourtage auf den Tisch legen. Diesmal hat der Vermieter die Kosten für die Dienstleistung des Maklers beglichen, er hatte ihn ja auch beauftragt.

Kritik am Bestellerprinzip kommt allerdings nach wie vor von den Maklern. „Kurzfristig hat das Bestellerprinzip dazu geführt, dass immer mehr Vermieter die Arbeit des Maklers selber machen wollen“, sagt Stephan Kippes vom Maklerverband IVD Süd. Dabei hätten viele Immobilienbesitzer festgestellt, dass das nicht so einfach ist: „Es kostet viel Arbeit, die richtige Höhe der Miete zu finden, den Mieter auf dessen Bonität zu checken, zu prüfen, ob er ein Mietnomade ist, die Endrenovierung rechtswirksam zu vereinbaren und schließlich den Mietvertrag aufzusetzen.“ So mancher Vermieter habe schlechte Erfahrungen machen müssen. Kippes geht deshalb davon aus, dass ein beachtlicher Teil der Vermieter, wieder zurückkommen wird – also klassische Makler beauftragen wird, die das gegen eine Gebühr übernehmen. Noch ein Nachteil des Bestellerprinzips, laut Kippes: „Die Maklerprovision, die der Vermieter jetzt trägt, wird oft vom Vermieter in die Miete eingepreist.“ Damit sei den Mietern nicht geholfen.

Fakt ist, dass sich der Markt für Immobilienvermittler im Vermietungsgeschäft in den vergangenen zwölf Monaten verändert hat: Zwar blieb das große „Makler-Sterben“ aus, aber viele größere Vermittlungsunternehmen haben sich aus dem Vermietungsgeschäft weitgehend zurückgezogen und konzentrieren sich jetzt ausschließlich auf den Verkauf, da hier die Gewinnmargen deutlich höher sind.

Neue Mitbewerber machen Maklern das Geschäft streitig

Interessant: Viele klassische Immobilienmakler arbeiten nun auch mit deutlich transparenteren und preisgünstigeren Angeboten und orientieren sich so an den neuen Mitbewerbern wie McMakler, Immodelfin über Lifelife bis Vermietster. Einige Branchenexperten sprechen sogar davon, dass sich das Image des Immobilienmaklers seit der Einführung des Bestellerprinzip verbessert habe.

Die bundesweit rund 50 Neulinge auf dem Markt mit neuen Angebots- und Preismodellen haben großen Zulauf. Sie bieten Maklerdienstleistungen als Full-Service oder im Baukastenprinzip zu Fest- und Einführungspreisen an, die bis zu 80 Prozent unter den bislang üblichen Maklercourtagen liegen. Das ist gut für den Vermieter. Aber auch für die Mieter? Ja. Dieser Überzeugung jedenfalls sind Hanno Heintzenberg und Lukas Pieczonka von McMakler: „Wir haben letztendlich auch dafür gesorgt, dass Service und Preis wieder in einem realistischen Verhältnis zueinander stehen“, sagt Heintzenberg.

Susanne Weller hat eine Wohnung gefunden – und keinen Cent an den Makler zahlen müssen. Stephan Kippes vom IVD Süd beklagt allerdings, dass mittlerweile viele Wohnungen in München gar nicht mehr inseriert würden, weil die Wohnungsbesitzer versuchten, Geld zu sparen, indem sie über „Mundpropaganda“ selbst neue Mieter suchen. Ergebnis: Der Wohnungsmarkt ist intransparenter geworden.

von Anja Steinbuch

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