+
Herbstlaub wird meist kompostiert. Das könnte sich ändern. Es gibt Ideen, Laub als Energieträger zu nutzen. Foto: Daniel Karmann

Bunte Blätter: Ideen für neue Energie aus altem Laub

Berlin (dpa) - Herbstlaub ist schön, aber macht viel Arbeit. Meist wird es kompostiert. Kommunen suchen nach neuen Wegen. Sie wollen die Laubberge klimafreundlich weiterverwerten.

Jetzt fallen sie wieder, in gelb, rot und braun. Allein in Berlin, der grünen Hauptstadt, sind es etwa 70 000 Tonnen Blätter, die jeden Herbst an Straßen, in Parks und Gärten zusammengekehrt und dann entsorgt werden müssen. Es ist ein Laubberg, der rund 2000 Güterwaggons füllen könnte. Doch wohin mit der bunten Pracht?

Neue Ideen sind notwendig

Das Gros wird bislang industriell kompostiert. Doch dabei entsteht nicht nur wertvoller Dünger, sondern es entweichen auch schädliche Treibhausgase wie Methan und Kohlendioxid. Neue Ideen sind gefragt. Denn möglicherweise steckt mehr in den Blättern von gestern als der Kompost von morgen: Verschiedene Firmen entwickeln Verfahren, das Laub als Energieträger zu nutzen, zum Beispiel als Brennstoff: Bio-Kohle aus Laub.

Auch in Berlin arbeitet die Senatsverwaltung für Umwelt und Stadtentwicklung seit längerem an einer klimafreundlicheren Verwertung von Laub. Biokohle wurde bislang aber nur testweise in den Heizkraftwerken verfeuert. Anders als bei Versuchen mit veredelten Holzpellets war das Ergebnis auch nicht so gut, wie von manchen erhofft. "Der Brennstoff passte einfach nicht zur Mitverbrennung in Kohlekraftwerken", sagt Vattenfall-Sprecher Hannes Hönemann. Vor allem: Ebenso wie die gut brennbaren Holzpellets sei er ohne Subvention zu teuer.

Berlin hat sich deshalb zunächst von der Biokohle verabschiedet und testet derzeit, das Laub ohne weitere Vorbehandlung bei der Abfallverbrennung mitzuverfeuern - bis jetzt erfolgreich. "Emissionswerte und Filterstäube haben sich nicht verschlechtert. Voraussichtlich werden wir ab 2015 das Laub vor allem verbrennen", sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung.

In Eigenregie zur Biokohle

Halle (Saale) ist die bundesweit erste Kommune, die ein Teil der Grünabfälle und Laub in Eigenregie zu Biokohle verarbeitet. "Wir sind guter Hoffnung", sagt die Sprecherin der Stadtwerke, Iris Rudolph. Zwar habe es technische Anlaufschwierigkeiten gegeben, aber man halte daran fest, das Verfahren dauerhaft in die Entsorgung zu integrieren. Auch andere Kommunen zeigen laut Anbieter Interesse. Industrielle Anlagen stehen unter anderem in Karlsruhe in Baden-Württemberg, in einem Energiepark bei Anklam in Mecklenburg-Vorpommern und in Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen.

Eines der Unternehmen mit Pilotanlage ist Suncoal im brandenburgischen Ludwigsfelde. Das Verfahren, das dort in einer Art Megakochtopf aus Laub, Wiesenmahd oder auch Klärschlamm Biokohle macht, heißt hydrothermale Carbonisierung (HTC). Dabei werden Grünabfälle unter hohem Druck und hoher Hitze in einen trockenen Brennstoff verwandelt, der als Staub oder Pellet in Kohlefeuerungen verbrannt werden kann. "Natürlich kann man Laub auch einfach so in Abfallverwertungsanlagen mitverbrennen, aber der Heizwert von Biokohle ist wesentlich höher", sagt Dominik Siemon von Suncoal. Zum Vergleich: Nicht verarbeitetes Laub erzeuge beim Verbrennen knapp 6 Megajoule/Kilogramm, Biokohle erreiche je nach Zusammensetzung zwischen 22 und 24 Mj/kg.

Wenig Erfahrungswerte bei HTC-Verfahren

Auch eine Untersuchung des DIW Berlin sieht zwar derzeit hohe Kosten, aber auch Vorzüge der Biokohle aus Restgrün - nicht nur bei der Verbrennung, sondern auch als CO2-bindender Dünger von Ackerböden. Das Umweltbundesamt möchte keine abschließende Bewertung abgeben. "Unserer Meinung nach gibt es noch keine ausreichende großtechnische Erfahrung mit dem HTC-Verfahren", sagte Abfalltechnikerin Julia Vogel.

So bleibt es oft beim Status quo: Das meiste Laub wird derzeit kompostiert. Nur ein kleiner Teil davon bleibt im heimischen Garten. Das Gros der Laubsäcke, die in diesen Tagen wieder bundesweit befüllt und an die Straße gestellt werden, landet bei Profi-Kompostierern. Dort werden die riesigen Laubberge gesiebt, geschreddert und zu meterhohen Mieten aufgeschichtet. Innerhalb von neun Monaten und mit Hilfe unzähliger Mikroorganismen wird daraus dann neuer Humus - für den übernächsten Frühling.

Suncoal

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Darum sollten Sie auf Kurzwaschprogramme verzichten
Schnelle Waschgänge sparen Zeit, Wasser und Energie - diesen Denkfehler macht wohl jeder von uns. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Warum, erfahren Sie hier.
Darum sollten Sie auf Kurzwaschprogramme verzichten
Wie gut sind Öko-Waschmittel?
Öko-Waschmittel versprechen nicht nur saubere Kleidung, sondern auch ein reines Gewissen. Wer aber die Umwelt beim Wäschewaschen wirklich schützen will, sollte auf die …
Wie gut sind Öko-Waschmittel?
Wenn Sie diese Flecken nicht entfernen, droht Schimmel
Damit Stockflecken sich nicht zu einem handfesten Schimmel entwickeln, müssen sie schleunigst von Wand, Matratze, Wäsche & Co. entfernt werden. So funktioniert's.
Wenn Sie diese Flecken nicht entfernen, droht Schimmel
Wie Sie mit einer PET-Flasche ein verstopftes Klo frei machen
Wenn die Toilette verstopft ist, greifen wir oft zum Pömpel. Allerdings können auch Hausmittel für Abhilfe sorgen. Wir haben die besten Tricks für Sie gesammelt.
Wie Sie mit einer PET-Flasche ein verstopftes Klo frei machen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.