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Viele Brennnessel im Garten deuten auf einen stickstoffreichen Boden hin. Er sollte nicht weiter entsprechend gedüngt werden. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Gartenmythen erklärt

Deuten Brennnesseln im Garten auf einen guten Boden hin?

Über den Anblick von Unkraut im Beet sind die meisten Hobby-Gärtner wenig erfreut. Schließlich macht es meist viel Mühe, die wildwachsenden Pflanzen wieder zu entfernen. Was viele nicht wissen:  sie können auch sehr nützlich sein.

Bonn (dpa/tmn) - Unkraut im Garten ist nichts Schlimmes. Im Gegenteil: So manche Pflanze lässt sich zu leckeren Salaten oder heilsamen Tees verarbeiten - Löwenzahn und Brennnessel etwa. Vor allem aber deuten sie im Garten auf den Zustand des Bodens hin.

Viele als Unkräuter bezeichnete Gewächse sind sogenannte Zeiger- oder Indikatorpflanzen. Unkräuter werden in aller Regel nicht bewusst gesetzt. Keimen ihre Samen auf, hat der Boden also eine bestimmte Zusammensetzung, die diesen Pflanzen gut tut und ihr Wachstum fördert.

Die Pflanzen sind meist auch sensibel. Sie seien nur wenig tolerant, wenn es zu Veränderungen ihrer Lebensbedingungen kommt, erläutert das Bundeszentrum für Ernährung in Bonn. Anhand solcher Pflanzen könnte der Hobbygärtner also ablesen, in welchem Zustand sein Boden ist - und das ohne kostenpflichtige Bodenanalyse durch ein Prüflabor. 

Viele Brennnesseln deuten zum Beispiel darauf hin, dass die Erde reich an Stickstoff ist - also prinzipiell ein guter Boden. Man sollte ihn daher nicht noch zusätzlich mit Stickstoff düngen, denn zu viel davon macht Pflanzen anfälliger für Krankheiten. Und der Boden kann dann auch übersäuern.

Ein anderes Beispiel: Deuten bestimmte Pflanzen an einer Stelle auf einen verdichteten oder staunassen Boden hin, sollte man das Gemüsebeet nicht dort anlegen oder vorher den Boden durch Lockerung oder Kalkung verbessern, erklärt das Bundeszentrum.

Hobbygärtner müssen aber beachten, dass eine Pflanze allein keine Aussagekraft hat. Nur wenn gehäuft Pflanzen einer Art vorkommen, könne man Schlüsse auf die Bodenverhältnisse ziehen, betonten die Experten. Und dann kann das Wachstum aber teils auch auf mehrere Eigenschaften hindeuten. Als Beispiel nennt das Bundeszentrum die Vogelmiere: Sie mag sandige Böden und solche mit viel Stickstoff. Der Rat: am besten nur auf eine Gruppe verschiedener Pflanzenarten mit entsprechenden Ansprüchen verlassen. Ein Überblick:

- Stickstoffreicher Boden: Brennnessel, Melde, Vogelmiere, Giersch, Franzosenkraut, Kletten-Labkraut, Kohl-Gänsedistel, Gartenwolfsmilch, Hirtentäschel, Persischer Ehrenpreis und Weißer Gänsefuß.

- Stickstoffarmer Boden: Wilde Möhre, Ackerfuchsschwanz, Mauerpfeffer, Breitblättriger Hohlzahn und Rauhaarige Wicke.

- Verdichteter Boden und Staunässe: Mädesüß, Acker-Schachtelhalm, Ackerminze, Huflattich, Ackerkratzdistel, Kriechender Hahnenfuß, Quecke, Gänsefingerkraut und Breitwegerich.

- Saurer Boden: Hundskamille, Kleiner Sauerampfer, Ackerminze, Hasenklee und Schmalblättriges Weidenröschen.

- Nasser Boden: Ampfer, Kohldistel und Wiesenschaumkraut.

- Trockener Boden: Sommer-Adonisröschen, Reiherschnabel, Mittlerer Wegerich, Kleiner Storchenschnabel und Färberkamille.

Bundeszentrum für Ernährung zu Zeigerpflanzen

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