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Mieter kennen sich bei Immobilienfinanzierungen meist nicht gut aus

Drei große Mythen der Immobilienfinanzierung

Von enger geschnallten Gürteln, Immobilien für jedermann bis hin zur vielbeschworenen Immobilienblase.

Im Durchschnitt kaufen die Deutschen in ihrem Leben nur eine Immobilie. Während Konsumenten als Handy- oder Autokäufer mit der Zeit Erfahrungen bei Neuanschaffungen sammeln, können Immobilienkäufer dieses Wissen und einen entsprechenden Erfahrungsschatz nicht aufbauen. Die Erfahrungen von Finanzexperten zeigen jedoch, dass viele Erstkäufer häufig dieselben Fehler begehen – etwa, weil manche Mythen sich hartnäckig halten. Nachfolgend drei typische Irrtümer bei der Immobilienfinanzierung. 

Mythos 1: Fürs eigene Haus muss man den Gürtel enger schnallen.

Falsch. Durchschnittlich dauert eine Immobilienfinanzierung zwischen 20 und 30 Jahre. Der exakte Zeitraum hängt von der gewählten Tilgungsrate ab. „Niemand sollte aber 20 oder 30 Jahre lang den Gürtel enger schnallen müssen“, sagt Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender vom Finanzvermittler Interhyp. „Die Finanzierung des Eigenheims muss vielmehr so aufgebaut sein, dass auch nach dem Kauf Restaurantbesuche, Urlaubsreisen oder Hobbies möglich sind.“ Wenn nicht, sollte man sich lieber nach einer anderen Immobilie umsehen, die finanziell nicht einengt und Puffer für unvorhersehbare Ausgaben erlaubt. „Ein gründlicher Finanzcheck vor dem Kauf macht klar, wie groß der individuelle finanzielle Spielraum ist und welche Immobilie man sich leisten kann – ohne sich langfristig zu sehr zu strapazieren“, erklärt Goris. Online-Rechentools helfen dabei, vor dem Kauf einen realistischen Kassensturz vorzunehmen.

Mythos 2: Im jetzigen Zinstief kann sich jeder eine Immobilie leisten.

Nein. Zwar liegen die Zinsen für 10-jährige Kredite derzeit vielfach unter zwei Prozent und entsprechend sind die monatlichen Kreditraten günstig wie lange nicht. Allerdings sind die Preise in den Großstädten in den vergangenen Jahren auch deutlich gestiegen. Vor allem in Metropolen geht die Gleichung „Kaufen statt Mieten“ oft nicht auf, weil der Zinsvorteil den Preisanstieg bei Weitem nicht wettmacht. Nichtsdestotrotz trägt das Zinstief gerade abseits der Großstädte dazu bei, dass die Kreditraten in Nähe der Mietbelastung liegen.

Mythos 3: Das jetzige Zinstief befeuert eine Immobilienblase.

Nein. Nach Auswertung der Interhyp hat die durchschnittliche Eigenkapitalquote seit Beginn der Bankenkrise zugenommen. Das bedeutet, die Deutschen finanzieren heute ihre eigenen vier Wände nicht mit mehr, sondern mit weniger Fremdkapital als früher – trotz der niedrigen Zinsen. Goris: „Der sogenannte Beleihungsauslauf einer Finanzierung, der das Verhältnis zwischen Immobilienpreis und Darlehenssumme anzeigt, ist bundesweit von 2008 bis zum 1. Halbjahr 2015 von durchschnittlich 75,3 Prozent auf 72,2 Prozent gesunken. Das historisch niedrige Zinsniveau geht demzufolge nicht mit stark steigenden Kreditvolumina einher.“ Oder anders ausgedrückt: Die Deutschen verschulden sich nach der Finanzkrise weniger beim Immobilienkauf als vorher.

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