+
Manche Einbrecher warten noch nicht einmal mehr auf die Dunkelheit bei ihrem Vorhaben.

Diebe werden immer dreister

Einbruchsgefahr: Mehrfamilienhäuser im Visier

München - Heimlich, still und leise war einmal – viele Einbrecher warten längst nicht mehr, bis es draußen dunkel geworden ist. Die Einbruchszahlen sind erneut gestiegen – eine „Renaissance des Einbruchs“?

Einbrecher sind mutiger geworden, ihre Methoden dreister. Das beklagt die Polizei schon seit einigen Monaten – und nicht nur in Bayern. Erst vor wenigen Tagen hat ein Einbrecher im Würmtal mit seiner Skrupellosigkeit sogar die Ermittler schockiert. Er hat in einer Wohnung in Neuried Feuer gelegt, um seine Spuren zu verwischen – obwohl er wusste, dass die 64-jährige Bewohnerin im Bett lag und schlief (wir haben berichtet). Die Frau wäre fast erstickt, die Wohnung brannte komplett aus. Der Fall sorgte weit über den Landkreis München hinaus für Aufregung.

Meldungen wie diese sind mit ein Grund, warum in vielen Städten und Gemeinden die Angst vor Einbrechern zunimmt. Erst vor zwei Monaten musste Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verkünden, dass sich der Trend, den die Polizei seit einigen Jahren beobachtet, fortsetzt: Die Zahl der Einbrüche im Freistaat ist 2013 erneut gestiegen. Um 11,8 Prozent auf 6385 Fälle. Auch in den meisten anderen Bundesländern haben die Einbrüche zugenommen – vor allem die Einbrüche bei Tageslicht. Es gebe eine regelrechte „Renaissance des Einbruchs“, sagt der Kriminologe und Polizeiwissenschaftler Thomas Feltes.

Diebe nutzen Anonymität in Wohnhäusern aus

„Die Einbrecher sind cleverer“, sagt er. Sie suchen sich eben nicht gut gesicherte Villen – sondern Mehrfamilienhäuser. „Dort ist die Anonymität groß, der Schutz vor Einbrechern schlecht“, sagt Feltes. „Selbst wenn die Beute bescheiden ausfällt, sind die Chancen gut, nicht erwischt zu werden.“ Die Zahlen geben ihm recht. Nicht einmal zehn Prozent aller Einbrüche in Deutschland werden aufgeklärt, sagt Feltes. Die Täter tragen meist Handschuhe, hinterlassen kaum Spuren. Erbeuteten Schmuck können sie in Goldannahmeläden sehr schnell verkaufen, ohne dass dort etwas dokumentiert wird.

Die Ermittler führen die steigenden Einbruchzahlen auf organisierte Einbrecherbanden zurück. Feltes bezweifelt diese Theorie. „Die Polizei hätte eben gerne einen Buhmann“,   sagt er. Der typische Einbrecher kommt seiner Meinung nach alleine: „Er ist jung, männlich und drogenabhängig.“ Das belegen Untersuchungen, die nicht unmittelbar mit Einbruchsdelikten zu tun haben – denn die Einbrecher werden ja meistens nicht geschnappt, sagt der Polizeiwissenschaftler.

Einbrecher wusste genau, wann die Besitzer nicht zu Hause sind

Man muss kein Profi sein, um herauszubekommen, wann Bewohner nicht zu Hause sind, glaubt Feltes. „Entweder klingeln die Täter einfach vorher – oder sie wissen sowieso, wann die Bewohner nicht da sind.“ Denn: Oft stammen sie aus dem nahen Umfeld der Bestohlenen. „Sie wissen genau, wann es sich lohnt, einzusteigen – zum Beispiel wenn gerade ein neuer Flachbildfernseher gekauft worden ist.“ Einem frischverheirateten Paar in Peiting (Kreis Weilheim- Schongau) ist vermutlich genau das passiert: Ihnen wurde bei einem Einbruch das gesamte Hochzeitsgeld gestohlen. Der Täter schien genau gewusst zu haben, wann sie nicht zu Hause sind.

Innenminister Joachim Herrmann betonte:„Wir nehmen die steigenden Einbruchzahlen sehr ernst.“  Bereits 2013 sei im Freistaat eine Offensive gegen Wohnungseinbrecher gestartet. Die Polizeipräsenz in Wohngebieten wurde erhöht, die Kontrollen verstärkt. Zudem wurden die bayerischen Schleierfahnder angewiesen, bei Kontrollen besonders auf Diebesgut und Einbruchswerkzeug zu achten. In den meisten Fällen bekommen die Bestohlenen das Diebesgut allerdings nicht zurück.

Das Paar aus Peiting ist eine Ausnahme. Das Hochzeitsgeld war wenige Tage später im Briefkasten – den Dieb plagte wohl das schlechte Gewissen. Was die beiden so schnell allerdings nicht zurückbekommen werden, ist das Gefühl, dass ihr Zuhause sicher ist.

Cleverer als der Dieb: Technische Tricks zum Schutz vor Einbrechern

Ein leeres Haus ist ein gefährdetes Haus. Egal, ob die Bewohner nur bei der Arbeit sind oder für zwei Wochen auf Teneriffa. Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Bayern hat erneut zugenommen. Es gibt allerdings einige technische Tricks, um es Einbrechern schwerer zu machen.

  • Anwesenheitssimulation
  • Sichtbare Alarmanlagen
  • Anrufbeantworteransagen 
  • Sichere Türen und Fenster
  • Auf Abschreckung und Tricks allein sollte man sich ohnehin nicht verlassen, denn die Investition in einbruchhemmende Türen und Fenster lohnt sich: Mehr als ein Drittel der Einbruchsversuche scheitert an eingebauter Sicherheitstechnik. Bei deren Auswahl muss man jedoch genau hinschauen. Sichere Türen haben Wandverankerungen, Bänder und einen Scharnierseitenschutz sowie Zusatzschlösser. Ein Querriegelschloss geht über die gesamte Breite der Tür. Ein Schloss mit Sperrbügel verhindert, dass die Tür direkt ganz aufgeht. Sinnvoll ist auch ein Schließzylinder mit Beschlag und Schließblech. Fenster brauchen aufhebesichere Pilzkopfzapfen, die am ganzen Fensterrahmen verteilt sind. Wird das Fenster geschlossen, greifen sie in verschraubte Stahlschließbleche im Rahmen und verringern das Risiko, dass das Fenster aufgehebelt wird. Sinnvoll seien auch abschließbare Fenster. Das Fensterglas muss Wurfgeschossen standhalten. Wer seine Fenster nicht gleich austauschen möchte, kann eine Sicherheitsfolie nachträglich auftragen. Ebenfalls sollten Hausbesitzer daran denken, Rollläden, Lichtschächte sowie Fenster und Türen im Keller und am Balkon abzusichern.
    In einem Punkt sollten die Bewohner indes auf technische Hilfsmittel verzichten: Ein ständig aktivierter Anrufbeantworter signalisiert Kriminellen bei Kontrollanrufen die Abwesenheit der Bewohner. Besser, sie stellen ihn aus. Auf keinen Fall sollten sie jedoch Ansagen wie diese aufsprechen: „Familie XY ist für zwei Wochen im Urlaub und in dieser Zeit nicht zu erreichen“. Wenig subtil, dafür aber effektiv: Eine nach außen gut sichtbare Alarmanlage. Reine Attrappen werden Profis wohl kaum abschrecken, aber Gelegenheitseinbrecher werden sich angesichts des drohenden Rotlichts wohl zweimal überlegen, ob sie das Risiko auf sich nehmen.

Katrin Woitsch/dpa

Es gibt Zeitschaltuhren, die Rollläden, Zimmerbeleuchtung, Radio oder Fernseher so steuern, dass vorgetäuscht wird, die Bewohner sind zu Hause. Selbst Profi-Einbrecher können so erst nach längerer Beobachtung entscheiden, ob der Weg wirklich frei ist. Dabei könnten sie jedoch leicht Aufmerksamkeit erregen. Zudem lohnt die Mühe kaum, wenn leicht zu erkennen ist, dass niemand zu Hause ist.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sturz in Parkhaus: Verkehrssicherungspflicht hat Grenzen
"Kein Zutritt für Fußgänger" - Schilder mit solchen oder ähnlichen Aussagen sollten Passanten besser beachten. Der Grund: Tun sie das nicht und stürzen, können sie den …
Sturz in Parkhaus: Verkehrssicherungspflicht hat Grenzen
So stellen Sie fest, ob Ihr Gefrierfach einwandfrei funktioniert
Sie haben den Verdacht, dass Ihr Gefrierfach nicht mehr astrein funktioniert und hin und wieder ausfällt? Mit einem genialen Trick finden Sie es heraus.
So stellen Sie fest, ob Ihr Gefrierfach einwandfrei funktioniert
Erlaubnis zur Untervermietung ist nicht einfach widerrufbar
In Wohngemeinschaften geht es mitunter zu wie im Bienenstock: Eben erst eingezogen, verlassen Mitbewohner das traute Heim schon wieder. Die verbliebenen Mieter können …
Erlaubnis zur Untervermietung ist nicht einfach widerrufbar
Dieses Haus ist das teuerste auf der ganzen Welt
Bei dem Preis dieses Hauses müssen vielleicht sogar Superreiche schlucken: Die Villa "Les Cèdres" ist die Teuerste auf der Welt - doch was macht sie so wertvoll?
Dieses Haus ist das teuerste auf der ganzen Welt

Kommentare