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Nach wie vor gibt es jede Menge Einwegflaschen. Foto: Daniel Bockwoldt

Einweg oder Mehrweg: Streit um Getränkeverpackung

"Rumpel, knirsch, rumpel, knirsch", tönt es aus dem Leergutautomaten. Wer seine leeren Flaschen in den Supermarkt zurückbringt, versteht nicht immer, was damit anschließend passiert. Das liegt auch am Kennzeichnungswirrwarr der Industrie. Die hat Besserung gelobt.

Berlin (dpa) - Eine Plastikflasche, die nach einmaligem Gebrauch geschreddert wird, ist keine umweltfreundliche Verpackung. Nachhaltiger Konsum sieht anders aus. Trotzdem gelingt es der Bundesregierung nicht, den Anteil der Einwegflaschen zu reduzieren.

Im Gegenteil: Die Mehrwegquote geht bei Getränkeverpackungen seit Jahren zurück. Ende der 90er Jahre wurden noch mehr als 70 Prozent aller Flaschen mehrfach befüllt. Im vergangenen Jahr lag die Mehrwegquote nur noch bei 42 Prozent. Eine Reihe großer Discounter und Getränkehersteller hat sich jetzt verpflichtet, ihre Einweg-Pfandflaschen in Zukunft besser zu kennzeichnen.

Wird das den Abwärtstrend bei den Mehrwegflaschen stoppen?

Wahrscheinlich nicht. Denn Discounter wie Aldi und Lidl bieten ausschließlich Einwegflaschen an. So sparen sie Lagerfläche. Wer in diesen Märkten einkauft, hat dort auch weiterhin nicht die Wahl zwischen Einweg und Mehrweg.

Ist diese neue Kennzeichnung denn dann überhaupt sinnvoll?

Doch. Denn Kunden, die sich aktiv um ein nachhaltiges Konsumverhalten bemühen, haben dadurch mehr Durchblick.

Warum hat das bisher eigentlich nicht funktioniert?

Auf den Einweg-Pfandflaschen findet man bisher nur das Logo der Deutschen Pfand-System GmbH. Meist steht auch noch irgendwo "Pfandflasche" auf dem Etikett. Doch viele Verbraucher kennen das Logo nicht und verwechseln "Pfand" mit "Mehrweg". Eine Umfrage zeigte 2014, dass jeder zweite Bundesbürger Schwierigkeiten hat, Mehrweg- und Einwegflaschen voneinander zu unterscheiden.

Warum hat der Gesetzgeber das dann nicht einfach klar geregelt?

Die EU-Kommission hält eine erweiterte Kennzeichnungspflicht für einen unzulässigen Eingriff in den EU-Binnenmarkt. Diese Rechtsauffassung ist allerdings umstritten. "Das Argument der EU-Kommission halten wir für vorgeschoben, da die Getränkeimporteure, um anderen deutschen Verordnungen zu genügen, ohnehin spezielle Etiketten für den deutschen Markt drucken müssen", sagt der Kreislaufwirtschaft-Experte der Deutschen Umwelthilfe, Thomas Fischer.

Ist Mehrweg denn in jedem Fall umweltfreundlicher als Einweg?

Ja. Das Ökoranking der verschiedenen Getränkeverpackung ist eindeutig. Am besten schneiden Mehrwegflaschen aus PET ab, mit einem allerdings nur sehr knappen Vorsprung vor den Mehrweg-Glasflaschen. Denn die Glasflaschen sind zwar schwerer, weshalb man für ihren Transport mehr Energie benötigt. Dafür können Glasflaschen aber bis zu 50 Mal neu befüllt werden, während bei den PET-Flaschen in der Regel nach 15 Befüllungen Schluss ist. Einwegflaschen aus Plastik landen im Ökoranking auf dem vierten Platz. Noch schlechter schneiden nur Dosen und Einwegflaschen aus Glas ab.

Welche Getränke dürfen heute noch pfandfrei verkauft werden?

Milch, Heilwässer, Saft, Nektar und alle alkoholischen Getränke mit Ausnahme von Bier. Die Umweltverbände wollen, dass diese Ausnahmen gestrichen werden. Helge Wendenburg, Abfallexperte beim Bundesumweltministerium verteidigt die Sonderregelung für die Safthersteller. Er sagt, unter ihnen seien viele kleine Unternehmen, für die eine Umstellung auf eine neue Verpackungsform nicht so leicht zu bewerkstelligen wäre. Außerdem müssten die Safthersteller wegen des Säureschutzes andere PET-Flaschen verwenden als Firmen, die Wasser und Limonade verkaufen. Eine sortenreine Sammlung der Plastikflaschen wäre dann nicht mehr so einfach möglich.

Umfrage Deutsche Umwelthilfe

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