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Der Trend des Urban Gardening bekommt ein neues Produkt: kleine Gewächshäuser speziell für den Balkon. Foto: Ina Fassbender/dpa-tmn

Urban Gardening

Experte: Auf dem Balkon wächst künftig mehr Gemüse

Geranien sind der Klassiker der Balkonbepflanzung. Sie sehen hübsch aus, mehr nicht. Tomaten sind da anders: Sie schmecken auch noch gut. Immer mehr Balkongärtner wissen das zu schätzen: Sie ziehen daher Gemüse den Zierpflanzen vor.

Köln (dpa/tmn) - Urban Gardening nennt sich eine Idee, die vor allem Städter kennen. Sie können sich dabei als Gärtner betätigen, auch wenn sie keinen eigenen Garten haben. Gemüse bauen sie dann eben an anderen Orten an. Dazu gehört nicht zuletzt auch der Balkon.

Das mag beim klassischen Hobbygärtner mit eigenem Grundstück Verwunderung hervorrufen - denn neu ist das Begrünen der Balkone ja wirklich nicht. Doch anders ist jetzt, dass statt Zierpflanzen mit hübschen Blüten immer häufiger Gemüse und Obst auf noch so kleinen Balkonen wächst, erläuterte Peter Botz vom Verband Deutscher Garten-Center am Rande der Gartenmesse Spoga+Gafa (bis 5. September) in Köln. Und dafür wird sogar wertvoller Platz für Sitzplätze geopfert.

"Es gibt spürbar mehr Gartengestaltung in den Städten. Gerade die jungen Leute haben Lust am Gärtnern", sagt der Experte. "Aber das ist nicht typischerweise der Balkonkasten mit Geranien, sondern eher der Nutzgarten." Und das verwundert sogar Gartenprofis wie Botz: "Wir haben eigentlich gedacht, dass der Nutzgarten stirbt. Keiner will mehr Kartoffeln anbauen - die Last, die Mühe, die Arbeit."

Doch beim neuen Urban Gardening geht es auch nicht um den Gemüseanbau zum Überleben oder um die vollständige Selbstversorgung. Sondern es sei ein tolles Extra, etwa frische Tomaten selbst vom eigenen Balkon zu ernten und diese in den im Supermarkt gekauften Salat zu geben, erklärt Botz.

So müsste man eigentlich vom Nasch- statt Nutzgarten sprechen: Cocktailtomaten, kleine Paprika, aber auch Himbeeren und Erdbeeren werden am liebsten gleich von der Pflanze genascht - von der Hand in den Mund. "Eine Tomate, die man direkt vom Strauch isst, den Geschmack kennt man aus dem Supermarkt nicht", findet Botz.

Die Branche hat das steigende Interesse inzwischen aufgegriffen - das Sortiment der Balkongemüse wächst und wächst. Das nicht nur, weil sich auf dem kleinen Raum kompaktere Wuchsformen als im Gartenbeet anbieten. Auch reichte vielen Stadtgärtnern das Angebot nicht mehr aus, erklärt der Branchenkenner. "Viele Leute experimentieren hier gerne mit der Vielfalt: Sie wollen viele Kräuter anbauen, verschiedene Tomatensorten und Schärfegrade von Chilis ausprobieren."

Der Trend bekommt nun ein neues Produkt: Eine Vielzahl an Herstellern kommt derzeit sowie im kommenden Jahr mit Gewächshäusern speziell für den Balkon oder andere kleine Räume auf den Markt. "Ich bin mir aufgrund der sichtbar steigenden Nachfrage nach Gewächshäusern für den Balkon ziemlich sicher: Wir stehen am Anfang einer neuen Welle."

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